Der Anfang vom Ende des deutschen Judentums

1933

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Mittwoch,
5. April 1933

Nachricht an Sergius Reiter mit der Bitte um Wiederaufnahme der Arbeit bei Telefunken

Am 1.April war Sergius Reiter (1879–1958) von seinem Arbeitgeber, der Firma Telefunken, beurlaubt worden. Nach Tagen der Unsicherheit, ob und wann er seine Arbeit wieder aufnehmen könne, kommt die Nachricht von der Personalabteilung: Er kann weiter arbeiten. Der »Boykott« ist offiziell beendet.  

Sergius Reiter bleiben bei Telefunken noch gut zwei Jahre, bis er entlassen wird. Sein Arbeitgeber ist offenbar bemüht, ihn zu halten. In einem Brief an den Polizeipräsidenten vom 6. Dezember 1934 werden Reiters hervorragenden Fachkenntnisse und seine Bedeutung als Mitarbeiter der Patentabteilung betont. Derzeit unersetzlich sei er vor allem wegen seiner russischen Sprachkenntnisse und seiner Rolle als »Dezernent für die Fragen, die sich aus dem Patentaustauschvertrage Telefunkens mit dem Zentral-Radiolaboratorium Leningrad« ergeben.

Doch bald gibt Telefunken dem steigenden staatlichen Druck nach und spricht am 31. März 1935 die Kündigung aus. Nach Verhandlungen Reiters wird er unter Fortzahlung der Bezüge von Juni bis September beurlaubt und scheidet zum 30. September 1935 aus dem Unternehmen aus, nach über vierzehn Jahren Betriebszugehörigkeit. Kurz darauf emigriert er mit seiner Frau Luba nach Tel Aviv, wo bereits sein Sohn Julius mit Familie lebt.

1956 kehrte das Ehepaar nach Berlin zurück, wo Sergius Reiter zwei Jahre später starb. Die Dokumente aus seinem Nachlass schenkte dem Jüdischen Museum Berlin seine Enkelin Ada Kamil.

Leonore Maier

Kategorie(n): Angestellte | Berlin | Boykott
Nachricht an Sergius Reiter mit der Bitte, die Arbeit bei der Firma Telefunken wieder aufzunehmen, Berlin, 5. April 1933
Schenkung von Ada Kamil
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