Der Anfang vom Ende des deutschen Judentums

1933

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Donnerstag,
18. Mai 1933

Studienausweis für Erwin Zimet, ausgestellt von der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin

Der Berliner Erwin Zimet (1912–1989) befand sich 1933 mitten in seiner Ausbildung zum Rabbiner. Er studierte an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums und war parallel an der Friedrich-Wilhelms-Universität im Fach Philosophie eingeschrieben. Am 18. Mai 1933 allerdings verließ er die Universität, nachdem er sich bereits im Wintersemester 1932/33 hatte beurlauben lassen, wie die Stempel in seinem Studentenausweis dokumentieren. Die genauen Umstände seines vorzeitigen Abgangs sind nicht bekannt, wohl aber, dass er einige Monate später seine Zwischenprüfung als Rabbiner ablegte.

Bereits vor seinem Abschluss 1938 amtierte er in verschiedenen Berliner Synagogen und auch in anderen Einrichtungen der Jüdischen Gemeinde. Als polnischer Staatsangehöriger wurde er Ende Oktober 1938 im Rahmen der sogenannte »Polenaktion« völlig überraschend zusammen mit seinem Vater abgeschoben. Man verbrachte sie gewaltsam in das Grenzgebiet zwischen Polen und Deutschland, wo sie mit einem Großteil der über 15.000 deportierten Menschen im Sammellager Zbaszyn (deutsch: Bentschen) ausharren mussten. Dort arbeitete Erwin Zimet als Rabbiner, bis er im März 1939 nach England emigrieren konnte und kurze Zeit später in die USA weiterreiste.

Nach einigen Jahren Tätigkeit in New York wurde ihm 1948 eine Anstellung als Rabbiner am Temple Beth El in Poughkeepsie angeboten. Hier amtierte Erwin Zimet 40 Jahre lang bis zu seinem Ruhestand. Heute trägt die Hebrew Day School der Stadt seinen Namen.

Michaela Roßberg

Kategorie(n): Berlin | Religiöses Leben | Studenten
Studienausweis für Erwin Zimet mit Semesterstempeln der Jahre 1930 bis 1933, ausgestellt von der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin, Stempel »Abgangszeugnis bestellt« vom 18. Mai 1933.
Schenkung von Lilli Gehr Zimet

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»Ich denke an Euch und erhoffe baldiges und gesundes Wiedersehen. Von Herzen alles Gute. Euer – Erwin Zimet«. Diese Telegrammzeilen stammen vom 2./3. Oktober 1940. Zimet schrieb sie aus dem sicheren New Yorker Exil an seine Mutter Anna Zimet, die zusammen mit ihrem Mann Chaim in die Niederlande geflüchtet war. Auch Erwins Bruder Max lebte dort mit seiner Familie.

Es gab kein Wiedersehen zwischen Erwin Zimet und seinen Eltern. Nach dem deutschen Einmarsch und der Kapitulation der neutralen Niederlande am 14. Mai 1940 galt auch dort die antisemitische Gesetzgebung. Anna und Chaim Zimet wurden zunächst in das Durchgangslager Westerbork gebracht und im Oktober 1943 nach Auschwitz deportiert.

Im Archiv des Jüdischen Museums ist auch Anna Zimets Abschiedsbrief aus Westerbork erhalten. Sie schrieb die wenigen Zeilen unmittelbar vor ihrem Abtransport: »Meine lieben Kinder. Ich werde jetzt abgeholt. Lebt wohl. Laßt es Euch gut gehen, bleibt gesund. Grüßt Erwin […] Lebe wohl Max […] Mama.«

Telegramm von Erwin Zimet aus New York an seine Mutter Anna in Amsterdam, aufgenommen von der niederländischen Telegrafenanstalt, 2./3. Oktober 1940.
Schenkung von Roland Zimet 
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