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	<description>Der Anfang vom Ende des deutschen Judentums</description>
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		<title>Studienausweis für Erwin Zimet, ausgestellt von der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin</title>
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		<pubDate>Fri, 17 May 2013 22:00:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michaela Roßberg</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Berliner Erwin Zimet (1912–1989) befand sich 1933 mitten in seiner Ausbildung zum Rabbiner. Er studierte an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums und war parallel an der Friedrich-Wilhelms-Universität im Fach Philosophie eingeschrieben. Am 18. Mai 1933 allerdings verließ er die Universität, nachdem er sich bereits im Wintersemester 1932/33 hatte beurlauben lassen, wie die [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Der Berliner Erwin Zimet (1912–1989) befand sich 1933 mitten in seiner Ausbildung zum Rabbiner. Er studierte an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums und war parallel an der Friedrich-Wilhelms-Universität im Fach Philosophie eingeschrieben. Am 18. Mai 1933 allerdings verließ er die Universität, nachdem er sich bereits im Wintersemester 1932/33 hatte beurlauben lassen, wie die Stempel in seinem Studentenausweis dokumentieren. Die genauen Umstände seines vorzeitigen Abgangs sind nicht bekannt, wohl aber, dass er einige Monate später seine Zwischenprüfung als Rabbiner ablegte.</p>
<p style="margin-top: 10px;">Bereits vor seinem Abschluss 1938 amtierte er in verschiedenen Berliner Synagogen und auch in anderen Einrichtungen der Jüdischen Gemeinde. Als polnischer Staatsangehöriger wurde er Ende Oktober 1938 im Rahmen der sogenannte »Polenaktion« völlig überraschend zusammen mit seinem Vater abgeschoben. Man verbrachte sie gewaltsam in das Grenzgebiet zwischen Polen und Deutschland, wo sie mit einem Großteil der über 15.000 deportierten Menschen im Sammellager Zbaszyn (deutsch: Bentschen) ausharren mussten. Dort arbeitete Erwin Zimet als Rabbiner, bis er im März 1939 nach England emigrieren konnte und kurze Zeit später in die USA weiterreiste.</p>
<p style="margin-top: 10px;">Nach einigen Jahren Tätigkeit in New York wurde ihm 1948 eine Anstellung als Rabbiner am Temple Beth El in Poughkeepsie angeboten. Hier amtierte Erwin Zimet 40 Jahre lang bis zu seinem Ruhestand. Heute trägt die Hebrew Day School der Stadt seinen Namen.</p>
<p style="margin-top: 10px;"><em>Michaela Roßberg</em></p>
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		<title>Öffentliche Überstellung von Ludwig Marum und sechs weiteren Sozialdemokraten in das Konzentrationslager Kislau</title>
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		<pubDate>Wed, 15 May 2013 22:00:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michaela Roßberg</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[»Was soll ich Dir schreiben? Die Vorgänge hast Du sicher aus den Zeitungen erfahren. Mach Dir um mich keine Sorge. Es geht mir gut u. ich fühle die Kraft in mir alles auszuhalten!« So beginnt der Brief, den Ludwig Marum am 16. Mai 1933 an seine Frau Johanna schrieb, kurz nach seiner Überstellung in das [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>»Was soll ich Dir schreiben? Die Vorgänge hast Du sicher aus den Zeitungen erfahren. Mach Dir um mich keine Sorge. Es geht mir gut u. ich fühle die Kraft in mir alles auszuhalten!« So beginnt der Brief, den Ludwig Marum am 16. Mai 1933 an seine Frau Johanna schrieb, kurz nach seiner Überstellung in das Konzentrationslager Kislau. Mehrere Stunden zuvor war er, wie hier auf dem Foto zu sehen, mit sechs weiteren badischen Sozialdemokraten in einem offenen Wagen durch die Innenstadt von Karlsruhe gefahren worden, flankiert von SA, SS und Polizei. Am Straßenrand standen Hunderte von Schaulustige. Eine öffentliche Demütigung und brutale Machtdarstellung, die von den Nazis gründlich vorbereitet und in der NS-Presse angekündigt war. Die sogenannte »Schaufahrt« führte auch an Marums Wirkungsstätten vorbei, dem Badischen Landtag und dem Staatsministerium.</p>
<p style="margin-top: 10px;">Der 1882 in Frankenthal geborene Jurist Ludwig Marum trat 1904 in die SPD ein. 1911 wurde er Stadtverordneter in Karlsruhe, drei Jahre später Abgeordneter im Badischen Landtag und im November 1918 badischer Justizminister in der »Vorläufigen Regierung«. Von 1919 bis 1928 führte er die Landtagsfraktion der SPD in Baden an, bis er in den Reichstag gewählt wurde.</p>
<p style="margin-top: 10px;">Am 10. März 1933 wurde der unerbittliche Gegner der Nationalsozialisten Ludwig Marum trotz seiner Immunität als Abgeordneter in Karlsruhe verhaftet und im Polizeigefängnis in der Riefstahlstraße eingesperrt. Zwei Monate später inszenierten die Nationalsozialisten seinen öffentlichen Transport ins KZ Kislau. Die Sozialdemokraten, die mit ihm zusammen am 16. Mai auf dem Wagen saßen, kamen im Lauf der Zeit alle frei. Nicht aber Ludwig Marum. Am 29. März 1934 wurde er in Kislau ermordet. An seiner Beisetzung in Karlsruhe fünf Tage später nahmen mehr als 3.000 Menschen teil.</p>
<p style="margin-top: 10px;"><em>Aubrey Pomerance</em></p>
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		<title>Geburtstagsgedicht von Rabbiner Arthur Rosenthal für seine Frau Ilma</title>
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		<pubDate>Wed, 15 May 2013 22:00:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michaela Roßberg</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie jedes Jahr schrieb der Rabbiner Arthur Rosenthal auch 1933 ein Gedicht für seine Frau Ilma zu ihrem Geburtstag am 16. Mai. Es unterscheidet sich jedoch deutlich von den Versen, die er in den vorangegangenen Jahren zu Papier gebracht hatte. Die Zeilen, mit denen das Gedicht beginnt, spiegeln die drastisch geänderte Lage der deutschen Juden [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Wie jedes Jahr schrieb der Rabbiner Arthur Rosenthal auch 1933 ein Gedicht für seine Frau Ilma zu ihrem Geburtstag am 16. Mai. Es unterscheidet sich jedoch deutlich von den Versen, die er in den vorangegangenen Jahren zu Papier gebracht hatte. Die Zeilen, mit denen das Gedicht beginnt, spiegeln die drastisch geänderte Lage der deutschen Juden wieder: »Schwer ist es durchzuhalten / Im dornenreichen Leben, / Wenn feindliche Gewalten / Sich gegen uns erheben.« Die folgenden Verse bezeugen jedoch das jüdische Selbstbewusstsein des Autors: »Wohl mögen sie erdenken / In ihren feigen Ränken, / Zu beugen unser’n Rücken. / Nie wird es ihnen glücken, / die Seele uns zu rauben. / Wenn wir den tiefen Glauben / An uns stets fest bewahren, / Dann werden froh wir fahren«. Und schließlich spricht das Gedicht von der tiefen Liebe, die Arthur Rosenthal für seine Frau empfand.</p>
<p style="margin-top: 10px;">Arthur Rosenthal (1885–1951) und Ilma Flanter (1891–1975) heirateten im Januar 1914 in Berlin. Ein Jahr später kam die Tochter Judith zur Welt. Der bereits promovierte Rabbinerkandidat erhielt seine Ordination im August 1915. Er amtierte zunächst in Rybnik, Berlin-Gesundbrunnen und Beuthen, bis er 1925 zum Rabbiner der Israelitischen Vereinigung Lichtenberg in Berlin ernannt wurde. Während des Novemberpogroms 1938 zerrten ihn SA-Männer aus seinem Haus und zwangen ihn, die Zerstörung der Tora-Rollen und des Mobiliars seiner Synagoge in der Frankfurter Allee mitanzusehen.</p>
<p style="margin-top: 10px;">Das Ehepaar Rosenthal floh erst im Juli 1939 nach London, zusammen mit Tochter und Schwiegersohn. Hier konnte Arthur Rosenthal nur eingeschränkt arbeiten und gab u.a. Fernunterricht für aus London evakuierte Kinder. Er starb 66-jährig im November 1951, zehn Monate nachdem die Familie von London nach New York umgezogen war. »Mein Vater konnte den Verfall des deutschen Judentums nicht verkraften«, schrieb seine Tochter Judith Helfer Jahre später. Seine geliebte Frau Ilma überlebte ihn um 24 Jahre.</p>
<p style="margin-top: 10px;"><em>Aubrey Pomerance</em></p>
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		<title>Familienfest im Garten der Villa Sternberg</title>
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		<pubDate>Tue, 14 May 2013 22:00:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michaela Roßberg</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine vergnügte Gesellschaft hat sich für ein Gruppenfoto aufgestellt, in ihrer Mitte eine ältere Dame im Korbsessel: Rosa Sternberg (1853–1935) feiert mit Kindern und Enkeln im Garten des Familiendomizils ihren 80. Geburtstag. Ganz links im Bild ist ihr ältester Sohn Julius zu sehen, den rechten Arm energisch in die Seite gestemmt, neben ihm seine Frau [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Eine vergnügte Gesellschaft hat sich für ein Gruppenfoto aufgestellt, in ihrer Mitte eine ältere Dame im Korbsessel: Rosa Sternberg (1853–1935) feiert mit Kindern und Enkeln im Garten des Familiendomizils ihren 80. Geburtstag. Ganz links im Bild ist ihr ältester Sohn Julius zu sehen, den rechten Arm energisch in die Seite gestemmt, neben ihm seine Frau Susanne. Die beiden lachenden Kinder rechts neben ihrer Großmutter sind Hans und Hannelore, die Julius zuweilen im Scherz als sein »gemischtes Sortiment« bezeichnet.</p>
<p style="margin-top: 10px;">Julius Sternberg (1879–1971) führte in dritter Generation das »Kaufhaus M.K. Sternberg« in der Altstadt des Berliner Bezirks Spandau. Das Geschäft für Mode- und Textilwaren in der Breite Straße 21 hatte er nach dem Tod seines Vaters übernommen, modernisiert und erweitert. Er spielte eine aktive Rolle in der jüdischen Gemeinde Spandau und amtierte von 1922 bis 1934 als ihr Vorsteher.</p>
<p style="margin-top: 10px;">Wenige Wochen bevor das Foto geschossen wurde, hatte der landesweite »April-Boykott« gegen Juden stattgefunden. Auch der Bürgersteig vor dem Kaufhaus Sternberg wurde beschmiert, die Kunden beschimpft und fotografiert. SA-Männer verteilten Flugblätter in der Spandauer Altstadt, die zum Boykott der jüdischen Geschäfte aufriefen. Für die Sternbergs war dies der Anfang der nationalsozialistischen Verfolgung.</p>
<p style="margin-top: 10px;">1938 wurde Julius Sternberg zum Verkauf des Geschäftshauses gezwungen und ein Großteil der Familie wanderte nach Kolumbien aus. Seine Schwestern Paula und Fanny, die auch auf der Fotografie zu sehen sind (3. und 6. von links), wurden deportiert und ermordet.</p>
<p style="margin-top: 10px;">Mitte der 1950er Jahre kehrte Julius Sternberg aus Bogotá in sein »geliebtes Berlin« zurück. Doch er war zu alt, um sein Geschäft wieder zu übernehmen. Vor Ort erinnert heute eine Gedenktafel an das Kaufhaus Sternberg und seinen letzten Inhaber.</p>
<p style="margin-top: 10px;"><em>Monika Flores Martínez</em></p>
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		<title>Ausbildungsnachweis der Fahrschule für Walter Weissenberg</title>
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		<pubDate>Sat, 11 May 2013 22:00:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michaela Roßberg</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[12 Fahrstunden, absolviert in zweieinhalb Wochen. Mehr Zeit benötigte Walter Weissenberg (1910–2000) nicht, um am 12. Mai 1933 die Zulassung zur Fahrschulprüfung in den Händen zu halten. Nach 152 gefahrenen Kilometern, vom Polizeipräsidium Berlin beglaubigt und abgestempelt, stand er nun kurz davor, »ein Kraftfahrzeug der Klasse 3 mit Antrieb durch Verbrennungsmaschine« führen zu dürfen. Welche [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>12 Fahrstunden, absolviert in zweieinhalb Wochen. Mehr Zeit benötigte Walter Weissenberg (1910–2000) nicht, um am 12. Mai 1933 die Zulassung zur Fahrschulprüfung in den Händen zu halten. Nach 152 gefahrenen Kilometern, vom Polizeipräsidium Berlin beglaubigt und abgestempelt, stand er nun kurz davor, »ein Kraftfahrzeug der Klasse 3 mit Antrieb durch Verbrennungsmaschine« führen zu dürfen. Welche Anforderungen ein Fahrprüfer an seine Schüler bei der Prüfung stellte, blieb diesem selbst überlassen, es gab keine einheitliche Prüfungsordnung für Fahrschulen. Einzige Bedingung war, dass der Kandidat mindestens 18 Jahre alt war.</p>
<p style="margin-top: 10px;">Walter Weissenberg stand zu diesem Zeitpunkt kurz vor dem Abschluss seines Jurastudiums. Er hatte ab 1929 in Freiburg im Breisgau studiert und war dann nach Berlin gewechselt. Hier erlebte er den Reichstagsbrand vom 27 .Februar als ein einschneidendes Erlebnis und kündigte seiner Eltern an: »Hier muss ich raus!« So berichtete es über 70 Jahre später seine Frau Judith. Er trat von seiner bevorstehen juristischen Abschlussprüfung zurück und reiste im Juni 1933 nach England aus.</p>
<p style="margin-top: 10px;"><em>Michaela Roßberg</em></p>
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		<title>Brief des Verlags Rudolf Mosse an einen ehemaligen Abonnenten</title>
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		<pubDate>Sat, 11 May 2013 22:00:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michaela Roßberg</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Wer mag der »Hochwohlgeborene« gewesen sein, der im Mai 1933 sein Abonnement beim Berliner Tageblatt abbestellt hatte und nun vom Rudolf Mosse Verlag diesen Brief erhielt, mit dem nachdrücklichen Appell, seine Entscheidung zu überdenken? Das werden wir leider wohl nie in Erfahrung bringen. Denn eine Begründung für den Entschluss des Lesers ist nicht überliefert und [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Wer mag der »Hochwohlgeborene« gewesen sein, der im Mai 1933 sein Abonnement beim Berliner Tageblatt abbestellt hatte und nun vom Rudolf Mosse Verlag diesen Brief erhielt, mit dem nachdrücklichen Appell, seine Entscheidung zu überdenken? Das werden wir leider wohl nie in Erfahrung bringen. Denn eine Begründung für den Entschluss des Lesers ist nicht überliefert und es ist durchaus fraglich, ob eine solche überhaupt verfasst wurde. Dessen ungeachtet stellt der Verfasser des Briefs eigene Vermutungen über die Motive an, die er im Anschluss mit ausgesprochener Höflichkeit zu widerlegen sucht.</p>
<p style="margin-top: 10px;">Um den werten Abonnenten zur erhalten, bot die Verlagsdirektion ihm das Tageblatt vorübergehend kostenlos an, damit er eine Vergleichsmöglichkeit im Dickicht der nunmehr stark veränderten deutschen Presselandschaft habe. Interessant ist das Selbstverständnis, dass die Zeitung nach wie vor im Ausland hochangesehen sei und durch eine angedeutete kritische Berichterstattung dazu beitragen könne, dass Deutschland nicht »in eine geistige Isolierung gerät«.</p>
<p style="margin-top: 10px;">Das seit 1872 erscheinende Berliner Tageblatt war jahrzehntelang die führende liberale Zeitung in Deutschland. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten gerieten der Verlag und der verlegerische Leiter der Zeitung, Hans Lachmann-Mosse, Schwiegersohn des Firmengründers Rudolf Mosse, schnell unter Druck. Innerhalb von drei Monaten sahen sich viele der führenden jüdischen Mitarbeiter genötigt, Deutschland zu verlassen. Mitte Februar floh der Theaterkritiker Alfred Kerr nach Prag, zwei Wochen später der Chefredakteur Theodor Wolff in die Schweiz. Der Ressortleiter für Innenpolitik Ernst Feder ging, wie auch Hans Lachmann-Mosse selbst, nach Paris ins Exil. In den folgenden Monaten verließen weitere Mitarbeiter das Land, während diejenigen, die zunächst in Deutschland blieben, entlassen wurden.</p>
<p style="margin-top: 10px;">So war die Verlagsleitung, als am 12. Mai dieser Brief verfasst wurde, längst eine andere. Ihr Lavieren zwischen journalistischer Unabhängigkeit und handfestem politischen Druck ist zwischen den Zeilen bemerkbar. Der Beschluss, alle Betriebe des Verlegers in eine gemeinnützige Stiftung zu geben, deren Überschüsse dann »den Opfern des Weltkrieges ohne Unterschied der Konfessionen zugute kommen« sollten, war keineswegs hochherziger Natur, sondern ein auferlegter Zwang.</p>
<p style="margin-top: 10px;">Gleichgeschaltet und gebändigt gewährten die Nationalsozialisten dem Berliner Tageblatt dennoch einen schmalen Grat der Unabhängigkeit. Bis Ende Januar 1939 ist es erschienen.</p>
<p style="margin-top: 10px;"><em>Aubrey Pomerance</em></p>
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		<title>Bescheinigung für Sigmar Karplus über seine Tätigkeit während des Ersten Weltkriegs</title>
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		<pubDate>Fri, 10 May 2013 22:00:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michaela Roßberg</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Am 22. April erließ das Reichsarbeitsministerium eine Verordnung, welche »nichtarischen« Ärzten die Kassenzulassung entzog. Der Erlass hatte, wie die CV-Zeitung am 27. April unterstrich, weitreichende Folgen: »Die Verordnung bringt, wie die gleichartigen Gesetzesregelungen der Anwälte und Beamten, für die Betroffenen schwerste materielle Not. Darüber hinaus ist es aber gerade für den Arzt, den sein Beruf [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Am 22. April erließ das Reichsarbeitsministerium eine Verordnung, welche »nichtarischen« Ärzten die Kassenzulassung entzog. Der Erlass hatte, wie die CV-Zeitung am 27. April unterstrich, weitreichende Folgen: »Die Verordnung bringt, wie die gleichartigen Gesetzesregelungen der Anwälte und Beamten, für die Betroffenen schwerste materielle Not. Darüber hinaus ist es aber gerade für den Arzt, den sein Beruf zum unpolitischen, jedem leidenden Menschen gewidmeten Dienst erzogen hat, eine besonders große seelische Belastungsprobe.«</p>
<p style="margin-top: 10px;">Von dieser Regelung ausgenommen waren Mediziner, die vor Beginn des Ersten Weltkriegs ihre Arbeit aufgenommen hatten, sowie Ärzte, die entweder selbst oder deren Väter bzw. Söhne im Krieg Frontkämpfer gewesen waren. Ausnahmen galten auch für Sanitäter, die ihren Dienst an der Front versehen hatten.</p>
<p style="margin-top: 10px;">Der Facharzt für Radiologie Sigmar Karplus (1878–1962) erfüllte zwei dieser Bedingungen. Approbiert wurde er im Jahre 1902 und war, wie hier vom Zentralnachweiseamt für Kriegerverluste und Kriegergräber bescheinigt, acht Monate als leitender Arzt in einem Lazarett in Thorn tätig. Die Beglaubigung musste Sigmar Karplus offenbar bei den Behörden vorlegen. Infolgedessen konnte er weiterhin Kassenpatienten in seiner Praxis am Kaiserdamm in Berlin behandeln, durfte aber keine Radiologen mehr ausbilden.</p>
<p style="margin-top: 10px;">Ende September 1938 wurde allen jüdischen Ärzten in Deutschland die Approbation entzogen. Hiernach erhielt nur noch eine kleine Zahl ausgewählter Mediziner die Erlaubnis, weiter tätig zu sein. Sie mussten sich »Krankenbehandler« nennen und konnten ausschließlich jüdische Patienten betreuen. Zu ihnen zählte Sigmar Karplus, dessen Praxis somit offen blieb. Den Verhaftungen während der Novemberpogrome entging er dank dem Hinweis eines früheren nichtjüdischen Patienten.</p>
<p style="margin-top: 10px;"><em>Aubrey Pomerance</em></p>
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		<title>Brief von Lili Cassel an ihr ehemaliges Kindermädchen</title>
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		<pubDate>Tue, 07 May 2013 22:00:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michaela Roßberg</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Kurz nach ihrem 9. Geburtstag schreibt Lili Cassel (geb. 1924) an ihr ehemaliges Kindermädchen Leni. Sie erzählt, wer alles zu ihrer »Kindergesellschaft« gekommen ist, und verziert den Brief mit Zeichnungen ihrer Geburtstagsgeschenke. Aus allem sprechen die Freude und das Glück einer unbeschwerten Kindheit. Malen und Zeichnen sind Lilis große Leidenschaft, ihre Eltern hatten ihr eine [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Kurz nach ihrem 9. Geburtstag schreibt Lili Cassel (geb. 1924) an ihr ehemaliges Kindermädchen Leni. Sie erzählt, wer alles zu ihrer »Kindergesellschaft« gekommen ist, und verziert den Brief mit Zeichnungen ihrer Geburtstagsgeschenke. Aus allem sprechen die Freude und das Glück einer unbeschwerten Kindheit. Malen und Zeichnen sind Lilis große Leidenschaft, ihre Eltern hatten ihr eine Schachtel neuer Buntstifte geschenkt, die sie für Leni ganz genau abmalt.</p>
<p style="margin-top: 10px;">Die Familie Cassel lebt in Berlin, wo der Vater als Dermatologe arbeitet und im bürgerlichen Bezirk Wilmersdorf Patienten versorgt. Bald nach ihrem Geburtstag erreicht die judenfeindliche Gesetzgebung der Nationalsozialisten auch das Leben von Lili. Sie muss ihre Schule in Wilmersdorf verlassen, da seit dem 25. April der Anteil jüdischer Kinder in den Schulen begrenzt wird. Drei Jahre verbringt Lili auf einer katholischen Schule, bevor sie von der reformpädagogischen Privaten Jüdischen Waldschule Kaliski aufgenommen wird.</p>
<p style="margin-top: 10px;">Nach den Novemberpogromen 1938 emigriert die Familie nach England und 1940 dann weiter in die USA. 1952 heiratet Lili Erich Wronker, den sie schon seit ihrer Kindheit kennt. Wronkers Familie besaß unter dem Namen »Hermann Wronker AG« mehrere Warenhäuser in verschiedenen deutschen Städten, bis der Betrieb 1934 »arisiert« wurde.</p>
<p style="margin-top: 10px;">In den USA studiert Lili Wronker Kunst und wird eine erfolgreiche Buchillustratorin. Als Stifterin ist sie seit dem Jahr 2000 dem Jüdischen Museum verbunden und hat 2008 als Zeitzeugin an Workshops des Archivs teilgenommen, bei denen sie Jugendlichen aus ihrem Leben berichtete.</p>
<p style="margin-top: 10px;"><em>Michaela Roßberg</em></p>
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		<title>Entlassung Heinrich Zieglers aus dem Dienst in der Mütterberatungsstelle</title>
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		<pubDate>Sat, 04 May 2013 22:00:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michaela Roßberg</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Arzt Heinrich Ziegler ist 35 Jahre alt, verheiratet und hat einen Sohn. Er lebt seit 1925 in der nordwestlich von Berlin gelegenen Stadt Velten und führt eine eigene Praxis. Daneben übt er mehrere Ämter im öffentlichen Gesundheitswesen aus, die man ihm alle im Laufe der Monate April und Mai 1933 in schneller Folge entzieht. [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Der Arzt Heinrich Ziegler ist 35 Jahre alt, verheiratet und hat einen Sohn. Er lebt seit 1925 in der nordwestlich von Berlin gelegenen Stadt Velten und führt eine eigene Praxis. Daneben übt er mehrere Ämter im öffentlichen Gesundheitswesen aus, die man ihm alle im Laufe der Monate April und Mai 1933 in schneller Folge entzieht.</p>
<p style="margin-top: 10px;">Zu Beginn der NS-Diktatur sind mehr als 10 % aller Mediziner in Deutschland jüdischer Herkunft. Sie aus ihren Berufen zu drängen, setzen sich die Nationalsozialisten gleich nach ihrer Machtübernahme zum Ziel. Die Berufsorganisationen werden gleichgeschaltet und jüdische Funktionäre und Mitglieder aus den Verbänden hinausgeworfen. Als am 7. April 1933 das »Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums« in Kraft tritt, verlieren die jüdischen Ärzte ihre Positionen im Gesundheitswesen. Nur wenig später werden ihnen die kassenärztlichen Zulassungen entzogen, so dass sie nur noch Privatpatienten behandeln können.</p>
<p style="margin-top: 10px;">Dies betrifft auch Heinrich Ziegler. In dem vorliegenden Schreiben des Bezirksfürsorgeverbands für den Kreis Osthavelland wird ihm mitgeteilt, dass seine Mitarbeit als Arzt in der Mütterberatungsstelle »mit sofortiger Wirkung« beendet sei, und begründet dies mit seiner »nichtarischen Abstammung«. Zudem fordert man ihn auf, den bereits ausgezahlten Lohn für den April wegen »Nichtwahrnehmung des ärztlichen Dienstes« zurückzuzahlen. Vermutlich war er schon im Monat zuvor darauf hingewiesen worden, dass seine Mitarbeit nicht mehr erwünscht sei.</p>
<p style="margin-top: 10px;">Weil er Frontkämpfer im Ersten Weltkrieg war, ist es Heinrich Ziegler in den darauffolgenden Jahren zunächst erlaubt, seinen Beruf in der eigenen Praxis weiter auszuüben. Als im Jahr 1938 fast allen jüdischen Ärzten die Approbationen entzogen werden, wandert er mit seiner Familie nach Britisch-Indien aus. Ein bereits emigrierter Onkel seiner Frau hilft mit den Einreisegenehmigungen.</p>
<p style="margin-top: 10px;">Heinrich Ziegler ist weiter als Arzt tätig und führt in Karatschi wieder eine eigene Praxis. Nach der Gründung Pakistans wird er pakistanischer Staatsbürger. Doch 1960, nach über 20 Jahren im Exil, entscheidet er sich, nach Deutschland zurückzukehren. Er stirbt 1971 in München.</p>
<p style="margin-top: 10px;"><em>Franziska Bogdanov</em></p>
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		<title>Aufforderung des Bismarck-Lyzeums an die Eltern, die Abstammung der Schülerinnen nachzuweisen</title>
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		<pubDate>Thu, 02 May 2013 22:00:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michaela Roßberg</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Honoria Plesch (1919–1990) besucht das Bismarck-Lyzeum in Berlin-Grunewald. Für sie beginnt das Schuljahr mit einem ungewöhnlichen Rundschreiben ihres Schuldirektors an die Elternschaft. Der Grund dafür ist das seit dem 25. April geltende »Gesetz gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen«. Doch was hat das mit Fräulein Plesch zu tun? Oberflächlich betrachtet soll das Gesetz die [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Honoria Plesch (1919–1990) besucht das Bismarck-Lyzeum in Berlin-Grunewald. Für sie beginnt das Schuljahr mit einem ungewöhnlichen Rundschreiben ihres Schuldirektors an die Elternschaft. Der Grund dafür ist das seit dem 25. April geltende »Gesetz gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen«. Doch was hat das mit Fräulein Plesch zu tun?</p>
<p style="margin-top: 10px;">Oberflächlich betrachtet soll das Gesetz die Schülerzahlen auf höheren Schulen begrenzen und die Zahl der Studenten an Hochschulen dem allgemeinen Bedarf anpassen. Doch § 4 enthüllt eine ganz andere Absicht. Er sieht vor, dass bei Neuaufnahmen die Zahl der jüdischen Schüler an einer Schule den an der Gesamtzahl der reichsdeutschen Bevölkerung gemessenen Anteil nicht übersteigen darf. In der am selben Tage erlassenen Ausführungsverordnung wird diese Quote mit 1,5 % angegeben. Es gibt Ausnahmen: Ähnlich dem »Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums« werden hier die Nachkommen der Frontkämpfer des Ersten Weltkriegs von der Regelung ausgenommen. Auch bleiben die Kinder aus interkonfessionellen Ehen »bei der Berechnung der Anteilszahlen « unberücksichtigt.</p>
<p style="margin-top: 10px;">Um den Anteil der Jüdinnen an seiner Schule zu bestimmen, sieht sich der Direktor des Bismarck-Lyzeums also genötigt, mittels Rundschreiben Erkundigungen über seine Schülerinnen einzuholen – ob sie »arischer oder nicht-arischer Abstammung« sind, ob sie die deutsche oder eine ausländische Staatsangehörigkeit besitzen und ob der Vater im Ersten Weltkrieg an der Front gekämpft hat. Honoria Plesch gehört nach Auffassung des neuen Gesetzes zu den »Reichsdeutschen nichtarischer Abstammung«.</p>
<p style="margin-top: 10px;">Als der Medizinprofessor János Plesch diesen Brief der Schule seiner Tochter in den Händen hält, ist das nicht der erste Schlag gegen die Familie. Obwohl der gebürtige Ungar seit 1910 die deutsche Staatsbürgerschaft besaß und kurz vorher zum Katholizismus konvertiert war, hatte er gleich nach Inkrafttreten des Berufsbeamtengesetzes seine öffentlichen Ämter verloren. Es half ihm auch nicht, dass er im Ersten Weltkrieg als Sanitätsarzt für Deutschland gedient hatte. Jetzt wenden sich die Gesetze auch gegen seine Kinder.</p>
<p style="margin-top: 10px;">Professor Plesch zieht rasch die Konsequenzen: Schon im Juni 1933 emigriert er mit seiner Familie nach England. Honoria Plesch kann ihre Ausbildung dort fortsetzen und wird später eine geschätzte Kostümbildnerin.</p>
<p style="margin-top: 10px;"><em>Ulrike Neuwirth</em></p>
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