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23. März bis 15. Juli 2012 Jüdische Migranten aus Osteuropa in den 1920er Jahren
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Schlüterstr. 36/37


Familie Kahan

gelbe Häuserfassade mit Autos und Bäumen
Schlüterstraße 36 im März 2012 © Jüdisches Museum Berlin, Foto: Gelia Eisert

Hier das Audio (Dvora Rosenfeld) als mp3 aufrufen

Dvora Rosenfeld, geb. 1914 in Jekaterinoslaw, flüchtete mit ihren Eltern vor russischer Revolution und Bürgerkrieg. Nach zwei Jahren in Berlin wanderte die Familie nach Palästina aus. Dvora lebt in Tel Aviv und erinnert sich an die Berliner Jahre.


Gemälde mit Porträt eines Mannes
Das Porträt von Hermann Struck (1876–1944) zeigt Chaim Kahan kurz vor seinem Tod 1916. Als überaus erfolgreicher Unternehmer hatte er sich am Aufschwung der russischen Ölindustrie gegen Ende des 19. Jahrhunderts beteiligt. Tel Aviv, Giza Haimi-Cohen
Visitenkarte
Nitag-Visitenkarte, um 1924 © Tanhum Cohen-Mintz, Tel-Aviv

Statement der Wissenschaftlerin Verena Dohrn

»Das Berliner Zimmer in der Wohnung Schlüterstrasse 36, erstes Obergeschoss links, in Berlin-Charlottenburg, wo die Familie des Ölimporteurs Chaim Kahan von 1913 bis 1933 residierte, ist der Ort, an dem mich die Geschichte der osteuropäisch-jüdischen Migranten in Berlin besonders berührte. Es diente der Familie als Synagoge. An Feiertagen versammelten sich dort bis zu hundert Personen, darunter so Prominente wie Salman Schasar, später Präsident Israels. Aber das Berliner Zimmer diente noch anderen Zwecken. Zu Schabbes war es auch Nachtasyl für Rabbiner aus dem östlichen Europa, die in der Schlüterstraße 36 zu Gast waren. Sie sollen dort auf Tischen geschlafen haben. Im Alltag war es das Herrenzimmer. Zuweilen verwandelte sich das Zimmer in einen Salon, wo Migranten und deutsche Juden zu geselligen Veranstaltungen zusammentrafen. Außer Familienüberlieferungen bürgt die anderthalb Meter hohe Nussbaumtäfelung ringsherum an den Wänden bis auf den heutigen Tag für diese Geschichte.«

Verena Dohrn ist Koordinatorin des Projekts »Charlottengrad und Scheunenviertel« an der FU Berlin


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