»Go down Moses« und die Orange auf dem Seder-Teller

Bunt verzierter Seder-Teller

Seder-Teller von Harriete Estel Berman, USA 2003
© Foto: Jens Ziehe, Jüdisches Museum Berlin

Pessach ist ein Fest, das nicht nur in ritualisierter Form an ein historisches Ereignis erinnert. Es appelliert auch daran, den Auszug aus Ägypten nachzuleben und sich die göttliche Gnade zu vergegenwärtigen, aus der Fronarbeit befreit worden zu sein. Wie viele jüdische Feste wurde und wird die biblische Ursprungsgeschichte mit anderen historischen Ereignissen in Beziehung gesetzt. Das Ägypten aus der Exodus-Geschichte wurde im 17. Jahrhundert zur Ukraine und zu Weißrussland, wo der Kosakenhauptmann Bogdan Chmielnicki im Zuge seines Befreiungskampfes von Polen mehrere Hunderttausend Juden ermorden ließ. Im 20. Jahrhundert wurde Deutschland unter der Nazi-Herrschaft zum Land, aus dem es zu fliehen galt.

Der Seder-Abend, an dem die Erzählung – kulinarisch unterstrichen – vorgetragen und diskutiert wird, bildet den Rahmen für die jeweiligen Aktualisierungen. Diese zeigen sich zunächst beim Essen: Auch wenn die symbolischen Speisen durch die Pessach-Haggada festgelegt sind, variieren die Lebensmittel je nach Geographie und kulturellen Konventionen des Ortes, an dem gefeiert wird.  weiterlesen

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»Ask the Rabbi«

Darf man am Schabbat mit dem Auto zum Gottesdienst in die Synagoge fahren? Was bin ich, wenn mein Vater Jude und meine Mutter Christin ist? Kann ein unbeschnittener Mann Jude sein?

Porträt-Collage der sieben Rabbiner/innen

Sieben Rabbiner (v.l.): Joshua Spinner, Irith Shillor, Daniel Katz, Julien-Chaim Soussan, Jonah Sievers, Avichai Apel, Gábor Lengyl
© Jüdisches Museum Berlin, Fotos: Thomas Valentin Harb

Die neue Sonderausstellung »Die ganze Wahrheit … was Sie schon immer über Juden wissen wollten« dreht sich um alltägliche und nicht-alltägliche Fragen an das Judentum. Einige dieser Fragen haben wir sechs Rabbinern und einer Rabbinerin gestellt und ihre Antworten gefilmt. Alle sieben amtieren in Deutschland und stehen für ein breites Spektrum religiöser Strömungen: orthodox, liberal, konservativ, progressiv.

Inspiriert von der Recherche in etlichen Internetforen mit Namen wie »Ask the Rabbi«, »Askmoses« oder »Dear Rabbi«, in denen Rabbiner in aller Welt Fragen zum Umgang mit dem religiösen Gesetz im Alltag beantworten, haben wir uns an die Dreharbeiten gemacht,  weiterlesen


Strapazen einer Wahrheitssucherin (Teil zwei)

Durch eine Vitrine sieht man eine andere Vitrine, die mit Essen gefüllt ist

Aufbau der Vitrinen für die Ausstellung »Die ganze Wahrheit«
© Jüdisches Museum Berlin, Foto: Michal Friedlander

Die Ausstellung »Die ganze Wahrheit … was Sie schon immer über Juden wissen wollten« wird nächste Woche eröffnet. Das Kuratorinnenteam tritt ein paar Schritte zurück, um die schönen Schaukästen zu bewundern, und wir beglückwünschen uns reihum zu dem gelungenen Ergebnis unserer Arbeit.

Schön wär’s. Folgen Sie mir durch meinen Nachmittag:

13:45    Nachdem wir in der Kantine unsere Essenstabletts weggebracht haben, Gedränge an der Eistruhe. Ich weiche zum Süßigkeitenständer aus. Abwägungen; Beratung mit den Kolleginnen. M&Ms, Toblerone und Ritter Sport. Verpackungen aufgerissen, noch ehe wir den Raum verlassen.

Eine Vitrine in magenta, daneben eine Leiter und zwei Menschen

Aufbau der Vitrinen für die Ausstellung »Die ganze Wahrheit«
© Jüdisches Museum Berlin, Foto: Michal Friedlander

14:00    Schaue die 13-seitige Liste mit Fragen durch, die Museumsbesucher zu Juden, zum Judentum und zum Jüdischen Museum Berlin gestellt haben. Vieles wiederholt sich. Die Liste muss für die Ausstellung ausgemistet werden. Hier ein paar Auszüge:

Warum gibt es so viele jüdische Museen, und wer zahlt das alles?
Sind Juden normal?
Haben Juden Hörner?
Warum glauben Juden, dass sie was Besonderes seien?
Warum leben nicht alle Juden in Israel?
Warum haben die Juden sich nicht gegen die Nazis gewehrt?
…?

Zeit für die nächste Zuckerdosis.  weiterlesen