Veröffentlicht von am 13. August 2013 3 Kommentare

Auf Augenhöhe

Rotes Schild »Achtung Objekt«

Hinweisschild in unserer Restaurierungswerkstatt, damit niemand ausversehen ein Objekt anfasst oder gar entfernt
© Jüdisches Museum Berlin, Foto: Gelia Eisert

Eigentlich fängt meine Geschichte mit einem Besuch bei uns im Museum an, und sie hebt ein wenig den Vorhang, der das ›Ausstellungsmachen‹ sonst vor den Blicken der Besucher verbirgt. Doch erst muss ich noch eine andere Geschichte erzählen, damit sich beide Erzählungen, die aus der Gegenwart und die aus der Vergangenheit, überhaupt berühren können.

Quer durch unsere Dauerausstellung ist nämlich eine kleine Spur ausgelegt, die auf David Friedländer (1750-1834) hinweist. Friedländer war nicht nur ein wohlhabender Seidenfabrikant, sondern auch ein sprachbegabter und aufgeklärter Mann mit vielen Talenten. Er wirkte erfolgreich für das Reformjudentum, gründete gemeinsam mit seinem Schwager 1778 die Jüdische Freischule für mittellose Kinder und wurde 1809 zum ersten jüdischen Stadtrat von Berlin gewählt. Man findet ihn in unserer Dauerausstellung daher in verschiedenen Themenbereichen: im Kreis der Aufklärer um den Philosophen Moses Mendelssohn, aber auch in unserem »Schulzimmer«, das sich der Geschichte jüdischer Bildung und Erziehung widmet. Dort liegt ein Blätterbuch auf einer alten hölzernen Schulbank und darin finden sich die revolutionären Forderungen der jüdischen Aufklärer nach einem modernen jüdischen Unterricht: Naturwissenschaften und Handwerke sind zu lehren, Kinder müssen kein Schulgeld zahlen und die Unterrichtssprache soll Deutsch sein, um die Integration zu fördern.

Jedenfalls – und nun beginnt sich der Vorhang zu heben – stieß eine unserer Besucherinnen auf diese ausgelegten Spuren und war hellauf begeistert. In ihrem Familienbesitz befindet sich nämlich ein schönes Ölgemälde von David Friedländer, das zu dessen Lebenszeit entstand. Die Besucherin selbst ist eine Nachfahrin von Friedländer. Postwendend bot sie dem Museum dieses Gemälde als Leihgabe an. Nach einigem Hin und Her, das immer zur Klärung notwendig ist und viele Menschen hinter den Kulissen involviert, gelangte das Gemälde nun zu uns ins Museum. Und früh morgens, lange bevor wir wieder die Türen für unsere Gäste aus aller Welt öffnen, brachten wir es nach allen Regeln der Kunst an der Wand in unserem Schulzimmer an, direkt neben der Schultafel, auf ›Augenhöhe‹ für den Betrachter.

Gelia Eisert, Dauerausstellung

Hier haben wir den Vorgang für Sie fotografisch festgehalten:

Vier Hände und ein Paar weiße Handschuhe

Weiße Handschuhe werden immer getragen, wenn Sammlungsobjekte angefasst werden, um diese vor Schweiß und Fett der menschlichen Hand zu schützen
© Jüdisches Museum Berlin, Foto: Gelia Eisert

Wagen mit Rollen, auf dem das Gemälde transportiert wird

Heino Goeb von einer externen Ausstellungsfirma ist der Fachmann für die Installation von Gemälden. Gemeinsam mit unserer Restauratorin Barbara Decker bringt er das Gemälde in die Dauerausstellung
© Jüdisches Museum Berlin, Foto: Gelia Eisert

Zwei Menschen halten ein gerahmtes Ölgemälde an die Wand

Heino Goeb und Barbara Decker halten das Gemälde in richtiger Höhe – in ›Augenhöhe‹ – vor die Wand. Die Kuratorin, nicht mit im Bild, beurteilt den Gesamteindruck und wirkt korrigierend ein
© Jüdisches Museum Berlin, Foto: Gelia Eisert

Raum mit hölzernen Schulbänken und einer Tafel an der Wand

Das ist unser »Schulzimmer«, dort wird David Friedländer neben der Schultafel gezeigt werden
© Jüdisches Museum Berlin, Foto: Gelia Eisert

Handschriftliche Rechnung auf Papier, Bleistift und ein Taschenrechner

Heino Goeb berechnet die Bohrung, thematisch richtig gleich auf einer unserer Schulbänke. Die Bohrung ist richtig berechnet, der Taschenrechner dient der Kontrolle der mathematisch leichten Berechnung © Jüdisches Museum Berlin, Foto: Gelia Eisert

Ein Mann hält eine Bohrmaschine an die Wand, unter dem Bohrloch hängt eine gefaltete Papiertüte

Beim Bohren kommt die selbst gebaute ›Bohrtüte‹ zum Einsatz, damit der Bohrstaub aufgefangen wird © Jüdisches Museum Berlin, Foto: Gelia Eisert

Neben dem Gemälderahmen wird eine Wasserwage an eine Hinweistafel gehalten

Die Beschriftung muss mittels Wasserwaage ausgerichtet werden
© Jüdisches Museum Berlin, Foto: Gelia Eisert

Werkzeugkasten auf dem eine gefaltete und verklebte Papiertüte liegt

Die ›Bohrtüte‹ wird bei uns aus einem DIN A4-Blatt gefaltet und zusammengeklebt. Wichtig ist die Verklebung der Spitze, damit der Bohrstaub auch in der Tüte bleibt
© Jüdisches Museum Berlin, Foto: Gelia Eisert

Kommentiert von bernd am 16. August 2013, 12:40 Uhr

a o -achtung objekt

Kommentiert von Lilly Friedlaender am 19. August 2013, 09:45 Uhr

Sehr schoene Dokumentation ! Vielen Dank, dass wir auf dieser Art teilnehmen koennen.

Kommentiert von Brigitte am 12. Februar 2014, 15:34 Uhr

Prima – Bohrtüte – eine fertige Filtertüte ist auch prima !!
Schon ausprobiert – bloß keinen Kaffee mehr damit kochen !!

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