Eine Bibliothek springt über die Straße

Endlich ein Freihandbereich – mit Schwung sind wir in unser Glück gestoßen worden. Nach einigen baulichen Verzögerungen hatten wir einen festen Umzugstermin. Aus den abgeschiedenen Räumen im 3. Stock des Libeskind-Baus sollte es in die ebenfalls von Daniel Libeskind gestaltete Akademie gegenüber dem Museum gehen.

Im Vordergrund eine Wand mit der Aufschrift »Lesesaal«, im Hintergrund Bücherregale und Lesetische

Der Lesesaal von Bibliothek und Archiv des Jüdischen Museums Berlin
© Jüdisches Museum Berlin, Foto: Mirjam Bitter

Während die einen noch die Bücherpacker im Depot dirigierten, stellte sich für die anderen die Frage, wie dieser neue Lesesaal mit Freihandbereich zu bespielen sei. Die Besucher sollten nun schließlich ohne Anmeldung kommen und gehen können. Fehlende Regalschilder mussten durch provisorische Ausdrucke der Systematik ersetzt werden, an die Eingangstür gehörte eine Information zu den Öffnungszeiten. Außerdem wollte der Shuttle der empfindlichen Rara aus dem Depot über die Straße in den Lesesaal organisiert werden. Zwischendurch trudelten auch noch die Pakete einer umfangreichen Schenkung ein, die zwischen all den Umzugskisten nicht untergehen durfte. Als wir dann eröffneten, erfuhren wir, dass auch ein Pressetermin geplant war. Die Fotografen begeisterten sich sofort für das RFID-Gate, das so schön rot leuchtet, wenn man ein Buch entwenden will. Für die RBB-Abendschau haben wir schließlich die Tür noch einmal symbolisch geöffnet und den Fortschritt verkündet: endlich direkten Zugang zu den Büchern.

Und dann kamen sie tatsächlich, unsere neuen Besucher. Sie guckten sich neugierig zwischen den Regalen entlang der schrägen Wände um, stöberten an unserem Neuerwerbungsregal, fanden etwas, setzten sich an einen Arbeitstisch oder auf die gemütlichen roten Sessel bei den Zeitschriften, fragten, ob sie die Bücher auch entleihen könnten (nein) oder ob wir einen Tipp für ihre Recherche hätten (meistens ja). Sie kamen und gingen, grüßten freundlich, wisperten leise miteinander und zogen dann in den Garten der Diaspora weiter. Wenn wir demnächst auch noch schnellere Computer, neue Tischlampen und ein Kopiergerät haben, kommen sie hoffentlich alle wieder und freuen sich mit uns, dass wir den Sprung über die Straße geschafft haben.

Bernhard Jensen, Bibliothek

Veröffentlicht unter Architektur, Im Jüdischen Museum Berlin, Literatur, Medien
Verschlagwortet mit , ,

Kommentiert von Boris Schneider am 2. August 2013, 14:32 Uhr

Sehr schön, so eine Entwicklung. Ich wünsche der neuen Bibliothek viel Erfolg und zahllose Spenden und Schenkungen!

Pingbacks und Trackbacks

Einen Kommentar hinterlassen