Veröffentlicht von am 27. Mai 2014 0 Kommentare

Auf der Suche nach den neuen Deutschen

Besuch im Lesesaal der Akademie

Was haben Bücher mit Titeln wie Muslime im säkularen Rechtsstaat, Diaspora Identities oder z.B. 650 Jahre Rixdorf im Jüdischen Museum zu suchen? Diese Frage zu beantworten, ist Aufgabe der Akademieprogramme Migration und Diversität. Die Frage dagegen, wie Sie diese Bücher bei uns finden, fällt in die Zuständigkeit der Bibliothek.

Eine Lesesaalbesucherin informiert sich beim Bibliothekar am Informationspult.

Lesesaal der Bibliothek des Jüdischen Museums Berlin
© Jüdisches Museum Berlin, Foto: Mirjam Bitter

Nehmen wir mal an, Sie suchen Informationen über Sozialstruktur, Vereine und Biographien von Migranten in Berlin, am besten über Kreuzberg, wo Sie vor zwei Jahren aus der hessischen Provinz hingezogen sind. Nach Ihrem Museumsbesuch am Sonntagnachmittag wollten Sie sich auch die neue Akademie anschauen, wo vor einiger Zeit diese Veranstaltung über die neuen Deutschen stattfand, von der Ihnen ein Freund erzählt hatte. Die Akademie ist zwar am Wochenende geschlossen, ein Host sagte Ihnen aber, dass es dort auch eine Bibliothek gibt. Gleich am Montag kommen Sie vorbei und fragen im Lesesaal nach Türken in Kreuzberg. Nun würde der Bibliothekar am liebsten sagen: zweites Regal links, hinten durch, da steht, was Sie suchen. Aber so einfach ist es leider doch nicht.  weiterlesen


Veröffentlicht von am 19. Mai 2014 0 Kommentare

Lolek und Bolek

Schwarz-weiß Fotografie von einer Kirchenfassade vor der Menschen auf dem Boden sitzen, im Vordergrund deutsche Soldaten

Foto aus dem Zweiten Weltkrieg, für das ein Erlös von ca. 3000 Euro erwartet wird

Die Finanzkrise von 2007 hat auch die Staaten Osteuropas in Mitleidenschaft gezogen. Der Złoty ist längst nicht mehr die goldene Münze, so der etymologische Ursprung für den Namen der polnischen Währung. Arbeitslosigkeit und stagnierendes Wirtschaftswachstum, steigende Immobilienpreise und sinkende Kaufkraft haben den Wirtschaftsaufschwung in Polen ausgebremst. Auch die Niederlande befinden sich seit Jahren in einer Rezession. Sinkende Wettbewerbsfähigkeit, private Schulden, ein vom Staat subventionierter Hausbesitz, das niedrige Rentenalter und ein teures Gesundheitssystem sorgen für Unsicherheit und den wiederholten Erfolg der Freiheitspartei des xenophoben Populisten Geert Wilders.

Zweiseitiger, maschinengeschriebener Brief

Der polnische Brief mit dem Kaufangebot

Angesichts der Ebbe in den Staatskassen und dem eigenen Portemonnaie haben ein polnisches und ein niederländisches Schlitzohr ein bilaterales Geschäftsmodell entwickelt. Irgendwie waren der findige Dariusz Woźniok und sein windiger niederländischer Auftraggeber als Diebe oder Käufer, wer weiß das schon, an Landser Fotos aus dem Zweiten Weltkrieg gekommen. Vielleicht waren sie verbittert darüber, dass sie keinen Anteil an den Gewinnen aus den Geschäften mit materiellen Gütern wie etwa dem polnischen Export von Gänsen, Erdbeeren, Kartoffeln und Rote Beete oder dem niederländischen Käse- und Tulpenbusiness hatten. Möglicherweise hatten sie auch einfach nur eine Haschischpfeife zu viel geraucht, als sie in einem Amsterdamer Coffeeshop ihre Geschäftsidee ausbrüteten. Auf jeden Fall dachten sie: »Schnappschüsse aus Ghettos und sogenannten ›Judenaktionen‹ in Polen vom Anfang der 1940er Jahre lassen sich doch bestens als ›Holocaust-Ware‹ an Jüdische Museen verkaufen. Warum nicht mit der Ressource Geschichte Gewinn erzielen!«  weiterlesen


Veröffentlicht von am 13. Mai 2014 0 Kommentare

Von der Theorie zur Praxis des Tora-Schreibens

Ein Interview mit Rabbiner Reuven Yaacobov

Miriam Goldmann: Was muss man tun, um ein Tora-Schreiber, ein Sofer, zu werden?

Reuven Yaacobov: Ein Sofer muss zuerst ein paar Jahre in einer Jeschiwa, einer orthodoxen Schule, lernen. Dort zeigt sich, ob der Mann religiös genug für diese Aufgabe ist. Dann fängt er an zu lernen, wie man eine Tora schreibt. Als erstes erlernt er die Theorie. Es gibt Gesetze, die darüber befinden, wer die fünf Bücher Mose, die Sefer Tora schreiben darf. Zum Beispiel darf eine Frau keine Tora schreiben, sondern nur ein Mann. Weiterhin muss diese Person ein orthodoxer Jude sein und ein orthodoxes Leben führen. Außerdem gibt es Gesetze, die bestimmen auf welchem Untergrund und auf welche Art man eine Sefer Tora schreiben soll.


Hier können Sie Rabbiner Reuven Yaacobov im Interview und bei seiner Arbeit sehen.

Nachdem die Theorie erlernt wurde, fängt der Sofer an, die Buchstaben zu lernen, die man beim Schreiben der Tora verwendet. Es gibt eine besondere Art und Weise, wie man jeden Buchstaben schreibt. Nach dem Erlernen der richtigen Schreibweise, schreibt der Sofer zuerst eine Megillat Esther (hebr.: Esther-Rolle), weil sie die leichteste von allen heiligen Schriften ist. Nachdem er die Megilla geschrieben hat, verfasst er die Schriften für Mesusot und Tefillim. Wenn er eine besonders schöne Handschrift erworben hat, fängt er an, eine Sefer Tora zu schreiben. Denn nach dem jüdischen Gesetz muss eine Sefer Tora mit der schönsten Schrift und auf die beste und schönste Art und Weise geschrieben werden.

Mit welchen Schrifttypen schreiben Sie?  weiterlesen