Kunst zum Mitnehmen

Ein grauer, leicht rostiger, alter Warenautomat

So sah der Automat anfangs aus.
© Jüdisches Museum Berlin, Foto: Gelia Eisert

Normalerweise ist ein Museum ein Ort, an dem man Kunst aus einem gesicherten Abstand betrachtet. Das wird mit dem »Kunstautomaten«, den wir heute in unserer Dauerausstellung aufstellen, anders: Durch den Einwurf von 4 Euro können Sie nun Kunst aus dem Museum mit nach Hause nehmen!
Wenn Sie sich unter einem »Kunstautomaten« ein High-Tech-Gerät vorstellen, das Kunst produziert, die man sich wie bei einem Getränkeautomaten aus einem Sortiment ziehen kann, liegen Sie allerdings falsch. Unser Kunstautomat beherbergt viele kleine Kunstwerke, die von Künstlern extra dafür hergestellt wurden.

Weil so ein Apparat nicht handelsüblich ist, ersteigerte ich im Internet einen alten Warenautomaten aus den 1970er Jahren. Er befand sich in einem Sportcenter in Rheinland-Pfalz und musste von dort antransportiert werden.

Ein weiß lackierter Warenautomat mit der Aufschrift »Kunst / Art«, mit pinken Bändern an eine Wand mit der Aufschrift »Schteh-Café« gebunden

So sollte der Automat nach der Umgestaltung aussehen.
© Entwurf: Hanno Dannenfeldt

Im Anschluss erarbeitete der Graphiker Hanno Dannenfeldt ein Gestaltungskonzept, denn der Automat sollte nicht nur ›Hülle‹ für die Kunstwerke in den kleinen Fächern sein, sondern zugleich selbst ein Ausstellungsobjekt. Der Entwurf »Hanging« kleidete den Automaten in schlichtes, deckendes Weiß mit prägnanter schwarzer Aufschrift. Mit pinken Slacklines wird er an die Wand geschnürt.

Die nächsten Arbeitsschritte stellten mich als Museumsmitarbeiterin vor ungewöhnliche Fragen:  weiterlesen


Veröffentlicht von am 3. April 2013 1 Kommentar

Exponate auf Reisen

Ein Museum besitzt 1000 Dinge, doch manchmal fehlt es genau an dem einen!
Als ich letztes Frühjahr eine Vitrine in der Dauerausstellung zum Nobelpreisträger Paul Ehrlich umgestaltete, mangelte es mir sogar an mehreren Exponaten, um eine stimmige Präsentation zusammenzustellen.
Ich wollte Paul Ehrlichs Verdienste auf dem Gebiet der Medizin durch Arbeitsutensilien und Dokumente veranschaulichen, fand diesbezüglich in unserer Sammlung aber keine geeigneten Objekte. Trotzdem sollte dieser bedeutende Wissenschaftler Eingang in unsere Ausstellung finden. Schließlich hatte er ein Heilmittel gegen Syphilis entwickelt, die moderne Krebsforschung begründet und viele wichtige und zukunftsweisende Forschungsergebnisse zutage gefördert.

Vier Glasfläschchen mit Glasstöpseln und alten Etiketten

Farbfläschchen, die Paul Ehrlich für seine berühmten Färbeversuche benötigte, Paul-Ehrlich-Institut Langen
© Foto: Christiane Bauer, Jüdisches Museum Berlin

Ich machte mich also auf die Suche nach geeigneten Ausstellungsstücken und wurde in Hessen fündig: Sowohl das Paul-Ehrlich-Institut in Langen als auch das Georg-Speyer-Haus in Frankfurt – Paul Ehrlichs letzte und bedeutende Arbeitsstätte – besitzen eine beeindruckende Zahl an Exponaten zu seinem Wirken. Aber wie kommen diese Objekte zu uns ins Museum nach Berlin?  weiterlesen


Fahne, Tamburin und Ester-Taschen – Purim einmal anders

In unserer Dauerausstellung gibt es einen Ort, der immer wieder neu zu aktuellen Themen bespielt wird: drei prominent platzierte, dickbauchige Vitrinen, die wir im Jargon des Museums auch »Raviolis« nennen.

Die »Raviolis«-Vitrinen in der Dauerausstellung des Jüdischen Museums Berlin, bestückt zu Purim

Die »Ravioli«-Vitrinen mit neuen Objekten zu Purim © Jüdisches Museum Berlin, Foto: Christiane Bauer

Zu Purim wurden diese Vitrinen im Segment »Tradition und Wandel« nun mit neuen Exponaten gefüllt. Die Neubestückung wirft einen feministischen Blick auf das Fest und richtet das Augenmerk auf die neuesten Entwicklungen, die maßgeblich von jüdischen Frauen in den USA geprägt werden.

Im Fokus der Präsentation stehen die beiden weiblichen Personen der Purim-Geschichte, die während des Gottesdienstes in der Synagoge vorgelesen wird: Ester und Waschti. Letztere fand lange Zeit wenig Beachtung. Sie war die erste Frau des persischen Königs Ahasverus, die wegen ihres Ungehorsams von ihm verstoßen wurde. Daraufhin nahm er die schöne Jüdin Ester zur Frau, die schüchtern und still – so ganz anders als die aufmüpfige Waschti – war. Doch im Laufe der Zeit trat Ester aus ihrer Zurückhaltung, fasste immer mehr Mut und verwandelte sich in die Heldin, die den Mordkomplott an den persischen Juden vereiteln konnte.  weiterlesen