Veröffentlicht von am 20. Mai 2015 0 Kommentare

»Wenn Zivilisation scheitert, fließt Blut«: ein Gedankenaustausch mit Peter Greenaway

In wenigen Stunden eröffnet die Ausstellung »Gehorsam. Eine Installation in 15 Räumen von Saskia Boddeke & Peter Greenaway«. Sie bezieht sich auf die biblische Geschichte von Stammvater Abraham, der bereit ist, Gottes Befehl zu befolgen und seinen Sohn zu opfern – dies aber schließlich doch nicht tut. Während die Installation noch aufgebaut wird, ist der Katalog soeben frisch aus dem Druck gekommen. Er umfasst einen Bildband, der von Peter Greenaway gestaltet wurde, sowie eine Essaysammlung. Inmitten des Trubels legte der Künstler und Filmemacher nun eine kurze Pause ein, um sich mit Mirjam Wenzel über die Bedeutung der biblischen Geschichte und den Zusammenhang von Text, Bild und Blut zu unterhalten.

Mirjam Wenzel: Die biblische Geschichte in Genesis 22 nimmt eine unbequeme Stellung innerhalb der jüdischen Erinnerung ein und hat jahrhundertelang theologische Debatten und künstlerische Interpretationen provoziert. Schon lange haben wir darüber nachgedacht, eine Ausstellung über diese Geschichte und ihre Rezeption zu machen. Was war Ihr erster Gedanke, als wir mit dieser Idee an Sie herangetreten sind? Wie verstehen Sie den Bibeltext?

Peter Greenaway: Ich denke, wenn man eine Ausstellung macht, sind Form und Sprache mindestens genauso bedeutend wie der Inhalt. Inhalte sind immer beweglich, veränderbar und stets subjektiv. Der Inhalt dieser Geschichte hat sehr viele Bedeutungen und unendliche Variationen und Interpretationen erfahren, die  weiterlesen

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Veröffentlicht von am 20. März 2015 0 Kommentare

Saskia Boddeke: »Ihr Schmerz wird unser aller Schmerz sein«

Ab dem 22. Mai 2015 zeigt das Jüdische Museum Berlin die Ausstellung »Gehorsam« des Filmregisseurs Peter Greenaway und der Multimedia-Künstlerin Saskia Boddeke. »Gehorsam« basiert auf der biblischen Geschichte vom Urvater Abraham, der dem göttlichen Befehl folgt und sich aufmacht, um seinen Sohn zu opfern. Die beiden Künstler inszenieren diese Geschichte mit Filmprojektionen, kostbaren Objekten, Soundeffekten und raumgreifenden Installationen als eindringliches Schaustück in fünfzehn Räumen. Für Saskia Boddeke bildet die Filminstallation »I’m Isaac / I’m Ishmael« zu Beginn der Ausstellung zugleich das »Herzstück« des gesamten Projekts: Kinder und junge Erwachsene aus aller Welt sind eingeladen, Teil dieser Installation zu werden:

Um unsere Leserinnen und Leser diese Einladung ans Herz zu legen, habe ich mich mit Saskia Boddeke über die Idee der Installation und ihre künstlerische Vision unterhalten.

Mirjam Wenzel: Die biblische Geschichte im Buch Genesis, Kapitel 22  beginnt mit der Stimme Gottes, die Abraham anweist, nach Moriah zu gehen und seinen Sohn zu opfern. Aber die Geschichte, die Sie mit der Installation »Gehorsam« erzählen, rückt die Perspektive von Isaak und Ismael an den Anfang. Warum?  weiterlesen


Veröffentlicht von am 27. Januar 2015 0 Kommentare

Von internationalen und anderen Gedenktagen

Schwarz-weiß Fotografie mit Kindern in Kleidung der Konzentrationslager in Auschwitz hinter einem Stacheldrahtzaun stehend

Überlebende Kinder im Stammlager Auschwitz, Still aus der filmischen Dokumentation von Alexander Voronzow. Im Bild zu sehen sind: Tomasz Szwarz; Alicja Gruenbaum; Solomon Rozalin; Gita Sztrauss; Wiera Sadler; Marta Wiess; Boro Eksztein; Josef Rozenwaser; Rafael Szlezinger; Gabriel Nejman; Gugiel Appelbaum; Mark Berkowitz; Pesa Balter; Rut Muszkies; Miriam Friedman; Miriam und Eva Mozes. Als Public Domain lizensiert von United States Holocaust Memorial Museum.

Seit nunmehr 10 Jahren gilt der Tag, an dem die sowjetische Armee nach erbitterten Kämpfen in das Konzentrations– und Vernichtungslager Auschwitz I und II vordrang, als Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. Obwohl ich mich jahrelang mit der Darstellung des Holocaust in Kunst, Literatur und Philosophie beschäftigt habe, berührt mich dieser Tag, der 27. Januar, irritierend wenig. In den meisten europäischen Ländern werden dieses Jahr erneut offizielle Veranstaltungen stattfinden, um kollektiv den Zivilisationsbruch in Erinnerung zu rufen und derer zu gedenken, die vor mehr siebzig Jahren systematisch ermordet wurden. So auch in Deutschland. Hier entschied man sich bereits 1996, den Tag der Befreiung von Auschwitz zum offiziellen Gedenktag zu erklären – nicht zuletzt auch,

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