Nachruf auf Rafael Roth

Rafael Roth im Jahr 2003

Rafael Roth, 2003
© Jüdisches Museum Berlin, Foto: Bildschön

Lange vor der Eröffnung, gegen Ende des Jahres 1998, entschied sich der Berliner Unternehmer Rafael Roth, das Jüdische Museum Berlin finanziell zu unterstützen. Er drückte damit sein Vertrauen in die Vision von W. Michael Blumenthal aus, einen bedeutenden Ort für die Erforschung und Vermittlung der jüdischen Geschichte in Deutschland zu schaffen. Die Unterstützung von Rafael Roth galt insbesondere der Idee, den Museumsbesuchern mit der Errichtung eines multimedialen Centers eine zeitgemäße Möglichkeit zu eröffnen, jüdische Geschichte in Deutschland interaktiv zu erleben. Seine großzügige Spende ermöglichte sowohl die architektonische wie auch die konzeptionelle und technische Entwicklung dieses Centers im Untergeschoss des Gebäudes von Daniel Libeskind. Als das »Rafael Roth Learning Center« zusammen mit der Dauerausstellung am 9. September 2001 eröffnet wurde, entsprach es genau dem, was man sich zum Ziel gesetzt hatte: »das modernste, eindrucksvollste und wichtigste Center seiner Art«. Auch zwölf Jahre später begeistert es als Medienlounge und Studiensaal noch immer viele Besucher.

Rafael Roth ist am 21. September gestorben. Das Jüdische Museum Berlin ist ihm zu großem Dank verpflichtet und wird sein Andenken ehren.

Mirjam Wenzel und Henriette Kolb, Medien


Veröffentlicht von am 9. Mai 2013 0 Kommentare

Ein »Denkmal gegen den Schwachsinn der Nazis«

Einblick in die leere Bibliothek unter dem Bebelplatz

Denkmal der Bücherverbrennung
Dieses Foto von Charlotte Nordahl steht unter einer Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Lizenz

Der 10. Mai bildete den Höhepunkt der »Aktion wider den undeutschen Geist«, mit der die deutsche Studentenschaft im Frühjahr 1933 gegen politisch unliebsame oder jüdische Professoren und das ›zersetzende Schrifttum‹ zu Felde zog. Wir alle kennen die Aufnahmen von der sorgfältig vorbereiteten Bücherverbrennung in Berlin und das Denkmal von Micha Ullmann auf dem heutigen Bebelplatz, das den damaligen Flammenrufen eine mahnend stille wie leere Bibliothek entgegen setzt.

Das Jüdische Museum Berlin zeigt nun einige Bücher, die damals aus den Regalen entfernt und den Flammen überantwortet wurden. Es stellt damit Teile der Büchersammlung von George Warburg vor.

Es ist ein Vergnügen, die Einbände, die Gestaltung und den Drucksatz dieser Werke zu betrachten, besonders berührt aber hat uns das Anliegen, das George Warburg mit seiner Sammlung verband: In diesem Videointerview erzählt er nicht nur, welche Werke ihm besonders am Herzen liegen. Er beschreibt seine Sammlung auch als einen Versuch, jene Bücher, die von den Nationalsozialisten verbrannt, verboten oder ausgesondert wurden, nachträglich den Flammen zu entreißen.

Warburgs »Denkmal gegen den Schwachsinn der Nazis« holt das, was Ullmanns unterirdische Bibliothek erinnert, wieder ans Tageslicht.

Mirjam  Wenzel, Medien


Veröffentlicht von am 18. Januar 2013 5 Kommentare

Namen sind von Bedeutung…

Sie verraten die Hoffnungen, Vorstellungen, Projektionen von Vätern und Müttern, folgen Trends und deuten auf die Herkunft ihrer Träger hin.
Für Juden sind mit der Namensgebung eines Kindes viele Entscheidungen verbunden: Soll der Name die Zugehörigkeit unterstreichen, nur für andere Juden kenntlich sein, oder gerade nicht? Ist er geläufig in der Sprache des Landes, aus dem eine Familie kam oder in das ein Kind geboren wird? Welche Übersetzungen hat er erlebt? An wen soll er erinnern? Kolleginnen und Kollegen sowie Freundinnen und Freunde des Jüdischen Museums Berlin teilen in diesem Blog ihre Gedanken zu diesen und anderen Fragen mit.

Kinderzeichnung der Prophetin Miriam mit Tambourin

Miriam tanzt © Miriam Lubrich

Miriam / Mirjam
Bald wird es auf dem Flur, in dem sich mein Büro befindet, vier Frauen geben, die den gleichen Vornamen tragen wie ich: Mirjam bzw. Miriam. Auch wenn die Etymologie nicht eindeutig geklärt ist, dürfte dennoch jene triumphierende Prophetin mit der Pauke unser aller Namenspatin sein, die die Frauen zum Freudentanz animierte, nachdem die Israeliten aus Ägypten geflohen und das Rote Meer durchquert hatten (2. Mose 14, 20). Dabei gehört die Schwester von Moses und Aron durchaus zu jenen weiblichen Figuren, die – wie etwa die beiden Frauen des ersten Mannes Adam, Lillith und Eva – rebellische Züge haben:  weiterlesen

Veröffentlicht unter Im Jüdischen Museum Berlin, Religion
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