Eine Jugend im Auerbach’schen Waisenhaus

Zweite Episode unserer Blogserie »Erinnerungen aus dem Leben Walter Frankensteins«

Jesse Owens – dieser Name ist den meisten Menschen heute noch ein Begriff. Der Schwarze US-Athlet entschied sich 1936 – entgegen den Erwartungen und Ängsten seiner Familie, Freund*innen und einer großen Zahl der US-Amerikaner*innen – an der Olympiade in Berlin teilzunehmen. Angesichts des politischen Klimas am Austragungsort, das durch Antisemitismus, Propaganda und Gewalt gegen Minderheiten geprägt war, zweifelte eine internationale Öffentlichkeit an der Chancengleichheit der Teilnehmer*innen.

Die Aufnahme zeigt das Auerbach´sche Waisenhaus von der Schönhauser Allee aus gesehen. Im oberen Teil ist ein Spitzgiebel mit Fenstern zu sehen (Schwarz-Weiß-Fo­to)

Außenansicht des Auerbach´schen Waisenhauses, Berlin ca. 1940-1944; Jüdisches Museum Berlin, Schenkung von Leonie und Walter Frankenstein

Für Walter Frankenstein ist der Name Owens bis heute eng mit seinem Umzug von seiner im damaligen Westpreußen gelegenen Heimatstadt Flatow (heute Złotów) nach Berlin verknüpft. Als er am 27. Juli 1936 mit dem Zug am Bahnhof Alexanderplatz ankam, waren die Vorbereitungen für die Olympischen Sommerspiele in der deutschen Hauptstadt in vollem Gange. Walter besuchte das Spektakel mit einem Onkel mütterlicherseits und hatte so die Möglichkeit, Jesse Owens im Berliner Olympiastadion live zu erleben. Owens ging mit vier Goldmedaillen als erfolgreichster männlicher Sportler aus den Spielen hervor.

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Veröffentlicht von am 8. November 2017 0 Kommentare

Die Liebe zu den Katalogen

Ein Gespräch mit dem Kunsthistoriker, Rabbiner und Literatursammler Drs. Edward van Voolen

Seit mittlerweile dreieinhalb Jahren unterstützt der Kunsthistoriker und Rabbiner Drs. Edward van Voolen das DFG-Projekt, durch das sich unsere Bibliothek zu einer Forschungsbibliothek für jüdische Kunst entwickelt, mittels großzügiger Schenkungen aus seiner Privatsammlung. Inzwischen sind über 500 Publikationen aus dem Bereich Kunst und materielle Kultur des Judentums zusammen gekommen.

Edward van Voolen; Foto: privat

Herr van Voolen war 35 Jahre lang Kurator am Jüdischen Historischen Museum in Amsterdam und ist als Rabbiner in Deutschland tätig. Seit 2003 unterrichtet er am Abraham Geiger Kolleg der Universität Potsdam und publiziert regelmäßig über jüdische Religion, Kunst und Geschichte.

Lea Weik hat ihm einige Fragen zu seiner Sammelleidenschaft und seiner umfangreichen Schenkung  gestellt:

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Eine Kindheit in Flatow

Erste Episode unserer Blogserie: »Erinnerungen aus dem Leben Walter Frankensteins«

Walter Frankenstein im Alter von siebeneinhalb Monaten im Kinderwagen, Flatow Februar 1925; Jüdisches Museum Berlin, Schenkung von Leonie und Walter Frankenstein

Wenn ich das Bild von dem Säugling in seinem Kinderwagen betrachte, ist für mich nur schwer vorstellbar, dass dies dieselbe Person ist, die mir noch vor wenigen Wochen in Stockholm im Alter von beinahe 93 Jahren gegenübersaß. Noch schwerer vorstellbar ist für mich das bewegte Leben, das zwischen diesen Momenten liegt und vielfach von plötzlichen und zum Teil tragischen Wendungen sowie mutigen Neuanfängen geprägt war.

Ich spreche hier von Walter Frankenstein, der dem Jüdischen Museum Berlin über 1.100 Fotografien geschenkt hat. Bilder, die sein gesamtes Leben von den frühesten Tagen seiner Kindheit bis ins hohe Alter abbilden. Die Aufnahme im Kinderwagen ist das älteste Foto in der Sammlung. Es zeigt Walter im Februar 1925 im Alter von siebeneinhalb Monaten auf einem Gehweg in seiner Geburtsstadt Flatow (heute Złotów), in der er am 30. Juni 1924 zur Welt kam. Sein Vater Max Frankenstein besaß dort einen Landhandel und eine Gastwirtschaft, die er von den Eltern seiner ersten Ehefrau, Emma Frankenstein, übernommen hatte. Nachdem Emma 1917 an einer Blutvergiftung gestorben war, hatte er 1923 Walters Mutter, Martha Frankenstein geb. Fein, geheiratet.

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