Veröffentlicht von am 6. August 2014 0 Kommentare

Automatenkunst

Handarbeit für unseren Kunstautomaten

Ein Mann mit weißen Handschuhen zieht an einem Fach des Kunstautomaten

Unser Kunstautomat wird von Jens Eisenberg (Ausstellungstechnikfirma Leitwerk) bestückt.
© Jüdisches Museum Berlin, Foto: Gelia Eisert

Wer durch unsere Dauerausstellung läuft und eine Etage geschafft hat, der wird unweigerlich auf den ›Kunstautomaten‹ stoßen. Leise scheint der Automat ihm zweisprachig zuzuflüstern: »Kauf mich, buy me«. Diese Aufschriften blinken bunt aus den Fächern des Automaten, mehr ist auf den ersten Blick nicht zu sehen. Neugierig geworden, tritt man näher und liest die Beschriftungen: »Kunst / Art« steht in großen Lettern auf dem Automaten und an seinen Seitenflächen findet sich: »60 x Kunst von jüdischen Künstlern in Berlin«. Jetzt wird der Blick auf die Münzschlitze gelenkt, in die man vier Euro einwerfen soll.

Mit dem passenden Kleingeld in der Tasche und etwas Wagemut kann nun das Experiment starten.  weiterlesen

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Veröffentlicht von am 31. Juli 2014 0 Kommentare

»Absendung wegen Kriegszustandes verboten«

Ein Brief aus dem Archiv berichtet über den Kriegsbeginn 1914

Handschriftlicher Brief

Brief von Leo Roos an seine Familie (1. Seite), Frankfurt am Main, 31. Juli 1914
Schenkung von Walter Roos
© Jüdisches Museum Berlin

»Die Situation ist äußerst ernst; heute nachmittag wurde von Seiner Majestät dem Kaiser der Kriegszustand über Deutschland verhängt«. Diese Zeilen schrieb der 18-jährige Leo Roos heute vor 100 Jahren an seine Eltern und Geschwister im westpfälzischen Dorf Brücken. Doch sie sollten den Brief niemals erhalten, wie ein Vermerk auf dem Briefumschlag dokumentiert: Wegen des Kriegszustandes wurde er nicht zugestellt, sondern ging an den Absender zurück.

Roos hatte das Gefühl, schicksalhafte Stunden zu erleben. Er wohnte zu diesem Zeitpunkt in Frankfurt, wo er eine Ausbildung in einem Bankhaus absolvierte. In der Großstadt wähnte er sich näher an den weltgeschichtlichen Ereignissen dran als seine Familie in ihrem abgeschiedenen Dorf. Er schilderte die spannungsgeladene Stimmung:  weiterlesen


Veröffentlicht von am 28. Juli 2014 0 Kommentare

Freundschaft zum Anfassen

Ein Gespräch mit Lina Khesina

Am 30. Juli ist Internationaler Tag der Freundschaft. Wie aber gedenken wir der Freundschaft? Oder wie können wir sie sichtbar machen? Dazu haben wir die Kommunikationsdesignerin Lina Khesina befragt. Sie hat zwei Freundschaftsknöpfe erfunden, die man derzeit mit etwas Glück aus dem Kunstautomaten in unserer Dauerausstellung ziehen kann. Auf dem einen steht in hebräischer Schrift »Tsemed«, auf dem anderen »Chemed«.

Die zwei Knöpfe werden auf der Handfläche liegend gezeigt

Knöpfe mit dem Schriftzug »Tsemed« und »Chemed«.
Foto privat, veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin

Lisa Albrecht: Lina, warum hast Du genau dieses Objekt für den Automaten entwickelt?
Ich hatte die Idee, die Schönheit der hebräischen Sprache zu zeigen und sie in den Alltag zu übertragen. Ich selbst spreche zwar kein Hebräisch, aber vom Klang her ist es für mich neben dem Spanischen die schönste Sprache. Ich wollte das Hebräische also auch für mich entdecken und Wortkonstellationen in dieser Sprache finden, mit denen ich spielen kann. Daraus sind dann die Knöpfe mit diesem Wortspiel entstanden.

Wie bist auf dieses Wortspiel gekommen?
Im Russischen werden beste Freunde oft »nje rasléj wodá« genannt, was so viel bedeutet wie »das Wasser kann diese Verbindung auch nicht zerstören«. Ich habe dann nachgeforscht, ob es im Hebräischen auch so eine Wendung gibt und daraufhin von »Tsemed Chemed« erfahren. Das bedeutet wörtlich übersetzt etwa »süße Verflechtung« oder »entzückendes Paar« und im übertragenen Sinn »dicke Freunde«.

Was haben diese beiden Worte mit den Knöpfen zu tun?
Die Knöpfe werden mit einem Faden angenäht und gehen dann eine Verflechtung mit dem Stoff ein. Eine ähnliche Konstellation besteht auch zwischen Freunden, selbst wenn sie tausende Kilometer voneinander getrennt sind. Sie sind wie die Knöpfe durch Faden und Spruch miteinander verbunden.  weiterlesen