Walter Frankensteins Leben in Bildern

Auftakt der Blogserie »Erinnerungen aus dem Leben Walter Frankensteins«

Walter Frankenstein mit Anna Rosemann und Theresia Ziehe in Stockholm 2017, Foto: Theresia Ziehe

Walter und Leonie Frankenstein durfte ich bereits 2008 in Stockholm kennenlernen. Schon damals war ich nachhaltig von unserer Begegnung und der innigen Partnerschaft der Frankensteins beeindruckt. Nach 66 Jahren Ehe strahlte das Paar noch immer Verliebtheit und einen tief empfundenen Respekt füreinander aus. Der Autor Klaus Hillenbrand, der in Nicht mit uns die Lebensgeschichte der Frankensteins erzählt, bringt diesen Eindruck ganz am Ende seines Buches mit einer Frage an das Paar treffend auf den Punkt: »›Gibt es das: die ideale Liebe?‹ Leonie sieht Walter an. Und Walter Leonie. Und dann kommt wie aus einem Mund die kürzestmögliche Antwort: ›Ja!‹«

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»Und nächsten Sonntag denkt niemand mehr an die Wahl«

– Die Reichstagswahl von 1930

Schwarz-Weiß-Fotografie eines Mannes im Anzug und mit Brille, zeitungslesend an einem Tisch sitzend

Heinz Arzt beim Zeitunglesen, 1920; Jüdisches Museum Berlin, Schenkung von Hilde Pearton, geb. Bialostotzky

Kürzlich ging ich ein Findbuch zu einer Familiensammlung durch, die bereits seit vielen Jahren hier im Archiv ist. Ich wollte das Verzeichnis entsprechend des heutigen Standards überarbeiten. Die Sammlung umfasst Dokumente, Fotografien und Objekte zu den Familien Arzt und Bialostotzky. In dem 23-seitigen Findbuch war bei dem Berliner Likörfabrikanten Heinz Arzt (1866–1931) in der Kategorie »Korrespondenz« ein Brief einsortiert, zu dem aber weder Absender*in noch Adressat*in angegeben, geschweige denn der Inhalt des Briefes benannt war. Die äußerst knappe Information lautete: »Brief: handschriftlich, 14.09.1930.«

Ich ging also in das Archivdepot und holte das Dokument mit der Signatur 2001/219/28 aus dem Karton 451 heraus, um die Angaben zu vervollständigen. Plötzlich hielt ich ein spannendes Stück Zeitgeschichte in Händen.  weiterlesen

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Veröffentlicht von am 5. September 2017 0 Kommentare

Als ein Trauschein nicht bloß ein Stück Papier war

Wie jüdische Erinnerungsstücke chinesische Geschichte bewahren

Eine der später im Text beschriebenen, reich verzierten chinesischen Heiratsurkunden

Chinesische Heiratsurkunde für Irma Bielschowsky (1902–2000) und Albert Elias Less (1887–1952) von 1944; Jüdisches Museum Berlin, Schenkung von Gert und Brigitte Stroetzel

Vor einer Weile teilte ich in diesem Blog meine Gedanken zu einigen Objekten aus Schanghai in der Sammlung des Jüdischen Museums Berlin. Nun möchte ich Sie noch auf drei Heiratsurkunden aufmerksam machen, die mir nicht nur wegen ihrer eleganten Ausführung ins Auge sprangen – und weil sie nach über 70 Jahren so gut erhalten sind –, sondern auch, weil es mich erstaunte zu sehen, wie Elemente der chinesischen Kultur in das Leben von Jüdinnen*Juden, die vor dem Nationalsozialismus geflohen waren, Einzug gehalten hatten; und das, obwohl sie in Schanghai weitgehend ihre eigenen kulturellen und pädagogischen Aktivitäten aufrecht erhielten, mit Zeitungen, jüdischen Schulen, Konzerten, Sportveranstaltungen, Theateraufführungen (z. B. Delila und Nathan der Weise) und Festen (z. B. eine nicht ganz nüchterne Purim-Feier).

Im heutigen China ist ein Trauschein ein Stück Papier, so groß wie ein Ausweis, mit einem schmucklosen Text, Schwarz auf Weiß.  weiterlesen

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