Israelische Popkultur in der hessischen Provinz

Ich reagiere schon mit Kopfschütteln, wenn deutsche Freunde aus dem hessischen Darmstadt in die umliegende Provinz ziehen. Umso absurder und wagemutiger erscheint die Entscheidung einer israelischen Familie, ihren Wohnsitz von Tel Aviv nicht etwa wie viele Israelis nach Berlin zu verlegen (vgl. den Blogtext »Von Israelis für Israelis. Zehn Regeln für Berlin« auf Spree-Aviv.de), sondern ins hessische Niederbrechen zu ziehen. Genau dies aber ist die Ausgangssituation von Sarah Diehls Debütroman Eskimo Limon 9. Sie erlaubt es ihr, einen »Culture-Clash der besonderen Art« darzustellen, wie es im Klappentext heißt.

Buchcover des Romans Eskimo Limon 9, auf dem ein Wald vor einem schwarzen Nachthimmel mit Sternen zu sehen ist

Buchcover
© Atrium Verlag

Da sind auf der einen Seite die israelischen Figuren. Die sind alles andere als versessen auf Gespräche über die deutsche Vergangenheit oder die Geschichte der europäischen Jüdinnen und Juden.

»Das Einzige, was mich im Jüdischen Museum an meine Lebenswelt erinnern wird, werden wahrscheinlich die Metalldetektoren sein, durch die man am Eingang gehen muss.«

Dem israelischen Familienvater Chen wäre es lieber, die Deutschen »würden uns mit Eskimo Limon in Verbindung bringen als mit sechs Millionen Toten.« Der Romantitel bezieht sich also auf die gleichnamige Filmserie, die hierzulande in den achtziger Jahren unter dem Titel Eis am Stiel lief, »eines der wenigen Ereignisse der israelischen Popkultur […], die einem deutschen Publikum bekannt wurden«. Allerdings dachten viele, die Filme kämen aus Italien, was zeigt – so die Autorin im Nachwort –, wie selektiv nichtjüdische Deutsche Israel wahrnehmen und wie beschränkt ihre Vorstellung von Jüdischkeit häufig ist.

Auf der anderen Seite stehen die Eingeborenen Niederbrechens.  weiterlesen

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Oj, wej, Meschugge

– oder bist du bereit für den Plan?

In der Woche vom 21. bis 27. Oktober 2013 finden in der Akademie des Jüdischen Museums Berlin Lesungen, Workshops und ein Publikumstag unter dem Titel »VielSeitig. Eine Buchwoche zu Diversität in Kinder- und Jugendliteratur« in Kooperation mit Kulturkind e.V. statt. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verschiedener Abteilungen haben dafür zahlreiche Bücher gelesen, diskutiert und ausgewählt. Einige dieser Bücher wurden in den vergangenen Wochen hier bereits vorgestellt.
Aufgereihte Buchrücken von Kinder- und Jugendbüchern›Meschugge‹, das ist eines der Worte in dem Jugendroman Opa und der Hunde-Schlamassel, mit denen Ace Dinge kommentiert. Er ist der »Ausnahme-Opa« von Zelda Fried, auch Zelly, Zellybelly, Zeldale oder Zelly-bean genannt. Komplett meschugge und total bescheuert findet Zelly wiederum den Plan ihres Opas. Aber was soll sie machen? Sie hat ihrem Opa gesagt, dass sie »bereit ist für den Plan« und Ace würde nicht verstehen, wenn sie jetzt einen Rückzieher macht und nicht die Chuzpe* hat, den Plan umzusetzen. Es könnte nämlich sein, dass der Plan von Opa Ace aufgeht. Dann würde sich vielleicht endlich ihr größter Wunsch erfüllen!? Und das vielleicht noch vor ihrem 11. Geburtstag.  weiterlesen


So viel Raum muss sein

Von verborgenen Kulturschaffenden

Plakat mit der Aufschrift »Die Weltliteratur wird von Übersetzern gemacht.« José Saramago, Literatur-Nobelpreisträger 1998

© VdÜ Die Literaturübersetzer,
Design: Christian Hoffmann

Heute ist die Giornata mondiale della traduzione bzw. Międzynarodowy Dzień Tłumacza, Journée mondiale de la traduction, Uluslararası Çeviri Günü, Día Internacional de la Traducción, International Translation Day – also: Internationaler Übersetzertag.

1991 von der Fédération Internationale des Traducteurs (FIT) ausgerufen, soll der Tag die Bedeutung von Übersetzungen für unsere Kultur bewusst machen. Der 30. September ist nämlich der Todestag von Hieronymus (gestorben 420 n. u. Z.), der die Hebräische Bibel ins Lateinische übersetzte. Seit der Antike haben Übersetzungen die jeweilige Zielsprache beeinflusst und in unserer heutigen, international vernetzten Welt sind sie unsere täglichen Begleiter. »Wo immer gesprochen, geschrieben, gelesen, ja selbst gesungen wird, hatten und haben Übersetzer ihre Hand im Spiel, und ihnen verdanken wir es, dass die ganze Welt in der eigenen Sprache aufgehoben ist«, bringt es der Verband der Literaturübersetzer (VdÜ) auf den Punkt.  weiterlesen

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