Zugang – oder auch nicht

Ein sitzender Teddybär

Teddybär aus dem Besitz von Ilse Jacobson (1920-2007), Textil, Stroh, Glas, ca. 1920 bis 1930, in unserer Online-Sammlung

56.250. Das ist die Zahl, die mir unsere Sammlungsdatenbank anzeigt, wenn ich nach allen unseren Beständen suche. 56.250 Datensätze, die zum größten Teil einzelne Objekte beschreiben, zum Teil aber auch ganze Sammlungskonvolute. 6.300 davon sind mittlerweile online zu sehen. Die Freigabe der einzelnen Datensätze ist von gemischten Gefühlen begleitet: Zu vielen unserer Objekte hätten wir sehr viel zu sagen. Und viele unserer Objekte sprechen nicht für sich selbst. Dem Teddybär sieht man nicht an, dass er in die Emigration mitgenommen wurde. Wie er gewinnen viele Dokumente und Fotografien ihre Bedeutung nur aus dem biografischen oder dem politischen Zusammenhang. Sie brauchen also eine ausführliche Beschreibung und Schlagworte, die dem Besucher unserer Seite helfen, weitere Objekte zum selben Thema zu finden.

Gleichzeitig müssen wir pragmatisch vorgehen. 15-30 Minuten Arbeitszeit pro Objekt sind schon viel, wenn man ein Konvolut von 250 Einheiten zu inventarisieren hat. Auch Informationen, die uns spontan einfallen, wollen verifiziert werden. Immer arbeiten wir im Bewusstsein, dass es mehr zu sagen und manches zu korrigieren gäbe, wenn wir denn die Zeit hätten, gründlicher zu recherchieren. Ein Ausflug in die Bibliothek oder gar in Archive ist nur für Sonderprojekte oder für besonders wichtige Objekte möglich; umso mehr nutzen wir digitale Quellen.  weiterlesen


Der Reiz des Begrenzten

Seit Ende August gibt es in unserer Dauerausstellung einen Kunstautomaten, in dem man für vier Euro kleine Kunstwerke von jüdischen Künstlern kaufen kann, die in Berlin leben und arbeiten.

Papier-Mesusa mit ausziehbarem Comic-Strip von Zara Verity Morris

Papier-Mesusa mit ausziehbarem Comic-Strip von Zara Verity Morris
© Jüdisches Museum Berlin, Foto: Jens Ziehe

Heute stellen wir eine der Künstlerinnen vor: Zara Verity Morris aus London, die zurzeit am Institut »Kunst im Kontext« der Universität der Künste ihren Master macht, hat für den Kunstautomaten einen Comic-Strip auf einer ausziehbaren Papierrolle angefertigt und der Arbeit den Namen »The Mezuzah« gegeben. (Als Mesusa bezeichnet man das kleine Gefäß, das an den Türpfosten eines jüdischen Haushaltes angebracht wird. In ihm befindet sich eine handgeschriebene Pergamentrolle mit dem hebräischen Gebet »Höre Israel«).

Christiane Bauer: Zara, kannst Du mir zum Einstieg kurz erläutern, warum Du genau dieses Objekt für den Kunstautomaten angefertigt hast?

Zara Morris: Ich fand es interessant, mit dem begrenzten Platz im Automaten zu spielen und wollte eine Arbeit machen, die sich entfaltet, wenn man sie aus dem Automaten nimmt. Der formale Zusammenhang zwischen einer Tora und einer Mesusa brachte mich dann auf die Idee einer langen Papierrolle.
Als kleines Kind fand ich in einer Schublade mehrere Mesusot, die in unterschiedlich gutem Zustand waren; bei ein paar hatte sich das Gehäuse geöffnet. Ich war überrascht zu entdecken, dass in einer Mesusa eine Pergamentrolle mit hebräischer Schrift steckt, und dachte, dass sie einer kleinen Spiel-Tora gleicht. Der spannendste Teil des Gottesdienstes war für mich als Kind das Vorbereiten der Tora, bevor aus ihr gelesen wurde. Dazu braucht es immer zwei Personen; eine, um die schwere Tora von unten festzuhalten, die andere, um den Samtbezug und den Schmuck abzunehmen, um die schlichte Papierrolle zu enthüllen. Ich entschied mich, ausgehend von diesen Kindheitserinnerungen einen Comic zu entwickeln.

Wie passt »The Mezuzah« in Deine bisherige Arbeit?   weiterlesen


So viel Raum muss sein

Von verborgenen Kulturschaffenden

Plakat mit der Aufschrift »Die Weltliteratur wird von Übersetzern gemacht.« José Saramago, Literatur-Nobelpreisträger 1998

© VdÜ Die Literaturübersetzer,
Design: Christian Hoffmann

Heute ist die Giornata mondiale della traduzione bzw. Międzynarodowy Dzień Tłumacza, Journée mondiale de la traduction, Uluslararası Çeviri Günü, Día Internacional de la Traducción, International Translation Day – also: Internationaler Übersetzertag.

1991 von der Fédération Internationale des Traducteurs (FIT) ausgerufen, soll der Tag die Bedeutung von Übersetzungen für unsere Kultur bewusst machen. Der 30. September ist nämlich der Todestag von Hieronymus (gestorben 420 n. u. Z.), der die Hebräische Bibel ins Lateinische übersetzte. Seit der Antike haben Übersetzungen die jeweilige Zielsprache beeinflusst und in unserer heutigen, international vernetzten Welt sind sie unsere täglichen Begleiter. »Wo immer gesprochen, geschrieben, gelesen, ja selbst gesungen wird, hatten und haben Übersetzer ihre Hand im Spiel, und ihnen verdanken wir es, dass die ganze Welt in der eigenen Sprache aufgehoben ist«, bringt es der Verband der Literaturübersetzer (VdÜ) auf den Punkt.  weiterlesen

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