»Wenn man ›Krise‹ als einen ›Wendepunkt‹ definiert, dann scheint das Nachkriegseuropa an einem solchen Punkt angekommen.«

Ein Interview mit Ines Pohl

Portrait von Ines Pohl

Ines Pohl; CC BY-NC 2.0 Deutsche Welle

Die Europäische Union steht momentan vor einer Zerreißprobe: das Austrittsbegehren Großbritanniens, die Zunahme rechtspopulistischer Bewegungen, fehlende Lösungen für die Fluchtbewegungen, Furcht vor Terroranschlägen und wirtschaftlicher Abstieg. In der Debatte um eine zukunftsfähige Politik wird dabei oftmals Bezug auf die Geschichte genommen.

Auf unserer Veranstaltung »Krisenzeiten« am  7. September 2016 möchten wir daher mit internationalen Gästen aus Großbritannien, Frankreich, Polen und Deutschland die Bedeutung der Vergangenheit für die gegenwärtige Politik der europäischen Staaten angesichts der aktuellen Probleme diskutieren. Zu Gast sind Dan Diner, Dietmar Herz, Étienne François, Hans Kundnani und Adam Michnik. Moderiert wird der Abend von  Ines Pohl, der wir vorab vier Fragen gestellt haben und damit den Blick auf die USA erweitern.

Nevin Ekinci: Frau Pohl, Sie sind seit Ende 2015 Korrespondentin der Deutschen Welle in Washington. Wie nehmen Sie aus der Ferne die Debatten um die aktuellen »Krisen« in Europa wahr? Würden Sie überhaupt von »Krisenzeiten« sprechen?
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Veröffentlicht von am 20. Juni 2016 0 Kommentare

Hannah Arendt – eine scharfdenkende Beobachterin ihrer Epoche neu gelesen

Titelblatt des Sonderhefts zu Hannah Arendt vom philosophie Magazin»Da ist irgendetwas passiert, mit dem wir alle nicht mehr fertig werden«, sagte Hannah Arendt über Auschwitz und die Folgen in einem legendären Fernsehinterview mit Günter Gaus. Ein zweiminütiger Ausschnitt aus diesem Interview bildet den Auftakt der Filminstallation zum Auschwitz-Prozess in unserer Dauerausstellung (vgl. den Blogtext zur Neueröffnung dieses Ausstellungskapitels im Sommer 2013). In einer Ausstellung mit Fotografien von Fred Stein (2013/2014) haben wir unter anderem seine berühmten Porträts der politischen Theoretikerin gezeigt, die wir auch hier im Blog vorstellten (ein weiteres finden Sie auf der Ausstellungswebsite).

Hannah Arendt beeinflusst auch zeitgenössische Künstler*innen: Alex Martinis Roe forderte in ihrem Werk für unseren Kunstautomaten mit dem Titel »Brief an die Deutsche Post«, dass die Briefmarke mit der Abbildung Hannah Arendts neu aufgelegt werde (vgl. unser Interview mit der Künstlerin hier im Blog). Im Dezember letzten Jahres fand bei uns im Museum zudem ein Symposium statt, das ausgehend von Hannah Arendt die aktuelle Bedeutung von Pluralität für Theorie und Praxis auslotete (vgl. die Vortragsthemen in unserem Veranstaltungskalender).

Nun hat das Philosophie Magazin der Ausnahmedenkerin unter dem Titel Hannah Arendt. Die Freiheit des Denkens ein Sonderheft gewidmet, das seit dem 16. Juni 2016 erhältlich ist.  weiterlesen

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Der tödliche Anschlag auf eine Vision vom Frieden

Erinnerungen an den 4. November 1995

Porträtzeichnung einem Mannes in Anzug und Krawatte

Jitzchak Rabin, gezeichnet von Chaim Topol
CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Heute vor 20 Jahren, am 4. November 1995, wurde der israelische Ministerpräsident Jitzchak Rabin nach Ende einer Friedenskundgebung im Zentrum von Tel Aviv ermordet. Mirjam Wenzel war damals vor Ort:

»Es war ein lauwarmer Abend und auf dem Kikar Malchei Jisrael (hebr.: ›Platz der Könige Israels‹, heute Jitzchak Rabin Platz genannt) inmitten von Tel Aviv drängten sich Menschen mit Transparenten und Botschaften wie etwa ›Schalom Achschaw‹ oder ›Peace Now‹, um Jitzchak Rabin und Shimon Peres ihre Unterstützung auszusprechen und für den Frieden zu demonstrieren. Die Anfeindungen der nationalreligiösen Bewegung auf die Regierung waren in den Wochen zuvor immer heftiger geworden und die Medien berichteten von Schildern in der Hand von demonstrierenden Männern, die Rabin in SS-Uniform zeigten. Dass diese Angriffe tödlichen Charakter haben könnten, vermochte sich – zumindest in meinem Umfeld – allerdings niemand vorzustellen. Im Tel Aviver Büro der Friedrich Ebert-Stiftung, in dem ich damals ein Praxissemester absolvierte, betrachtete man den Osloer Friedensvertrag in politischer wie ökonomischer Hinsicht als irreversible Tatsache.

Dementsprechend nahm ich an der Kundgebung auch weniger teil, weil ich meinte, die Regierung unterstützen zu müssen, sondern vor allem um den Auftritt von Aviv Geffen zu erleben.  weiterlesen

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