Veröffentlicht von am 25. Februar 2015 6 Kommentare

Eine Beschneidung für den Familienfrieden

In manchen Familien ist das Thema Beschneidung Auslöser intensiver Diskussionen, wie auch in den Filmbeispielen in unserer aktuellen Sonderausstellung »Haut ab! Haltungen zur rituellen Beschneidung« deutlich wird. Oliwia kennt diese schwierige Situation: Während der Eingriff für ihren muslimischen Mann selbstverständlicher Teil der Tradition ist, argumentiert vor allem ihr katholischer Vater heftig dagegen. Soll also ihr vierjähriger Sohn beschnitten werden? Und wie sieht Oliwia die Praxis selbst? Über diese Fragen und ihre letztendliche Entscheidung habe ich mit Oliwia gesprochen.

Oliwia*, aus welcher Konstellation speist sich bei Euch der Streit über die Beschneidung?

Schwarz-weiß Fotografie: kleine Jungen in Uniform stehen auf einer Bühne

»Jungen vor ihrer Beschneidung«, Köln, 1983 © Henning Christoph / Soul of Africa Museum, zu sehen in der JMB-Sonderausstellung »Haut ab!«

Mein Mann ist Marokkaner und Moslem, ich komme aus einem römisch-katholischen Elternhaus, bin allerdings 2006 zum Islam konvertiert. Nun haben wir vor vier Jahren einen Sohn bekommen. Für meinen Mann war von Anfang an klar, dass Jamal beschnitten wird. Das ist für ihn Teil der Tradition und ein Symbol der Zugehörigkeit zum Islam.

Für Dich war die Sache aber gar nicht so klar?

Nein. Eigentlich bin ich  weiterlesen

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Veröffentlicht von am 17. Februar 2015 3 Kommentare

»Teil von etwas Ganzem«: Ein Gespräch über eine rituelle Beschneidung, mit der die Geschichte überwunden wurde

Farbfotografie einer Beschneidungsfeier in der Synagoge mit mehreren Personen

»Eine Feier mit Familie und Freunden«: Die Brit von Jaal, Foto: William Noah Glucroft

In den vergangenen Wochen haben wir auf »Blogerim« von den Diskussionen berichtet, die das Thema Beschneidung nach sich ziehen kann. Dabei sollte allerdings nicht aus den Augen verloren werden, dass für die meisten jüdischen und muslimischen Familien der Ritus eine Selbstverständlichkeit ist – so auch für Amitay und Meital aus Israel. Das Paar lebt in Berlin und hat Anfang Dezember einen Jungen bekommen. Ich habe die beiden gefragt, wie sie die Brit Mila des kleinen Jaal erlebt haben.

Mitte Dezember habt Ihr Jaal in der Synagoge Fraenkelufer von einem Mohel beschneiden lassen. Habt Ihr lange überlegt, ob Ihr diesen Schritt geht?

Meital: Für mich war es gar keine Frage.
Amitay: Für mich auch nicht. Als der Moment immer näher rückte, kamen mir aber doch einige Fragen.  weiterlesen


Im Hamsterrad der Argumentation

Wie spät es ist, weiß ich nicht, aber es ist bereits hell. Mein Wecker wird bald klingeln, meine Augen sind auf, der Himmel trägt sein tägliches Grau. Hinter meinen Augen drehen sich Argumente – rechtliche, religiöse, soziale, medizinische. Meine Zunge zuckt kaum, aber meine Gedanken sprechen zweistimmig. Ich bin wieder im Hamsterrad der Argumentation, in das ich während meiner Führung durch die Sonderausstellung »Haut ab! Haltungen zur rituellen Beschneidung« am Vortag gezerrt wurde. So oft ich mich mit der hartnäckigen Besucherin darauf verständigt hatte, dass zwischen der rituellen Knabenbeschneidung und der weiblichen Genitalverstümmelung schwerwiegende Unterschiede bestehen, so oft führte sie letztere dennoch immer wieder in ihren Argumentationsspiralen an.

Viele Meschen stehen vor einer erhöhten Plattform auf der verschiedene nackte männliche Statuen stehen

Ausstellungsbesucher im Raum »Auf Messers Schneide« © JMB, Foto: Jule Roehr

Trotz der Erklärung von Cilly Kugelmann, dass wir mit der »Haut-Ab!«-Ausstellung die Debatte von 2012 über die rituelle Knabenbeschneidung nicht fortführen wollen; trotz einer Ausstellung, die vor allem die kulturhistorischen Hintergründe des Rituals thematisiert; trotz meiner behutsamen Präsentation in den Führungen, mit der ich zum Schauen und Verstehen und nicht zum Urteilen und Streiten anregen möchte; trotz der vielen Besucher, die mit großer Offenheit und Interesse meine Anregungen annehmen:
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