Weder König David noch Cilly Kugelmann können das Problem lösen

Über die Schwierigkeit der Ausstellungsmacher*innen von »Welcome to Jerusalem«, dem Ideal der Gerechtigkeit gerecht zu werden

Auf dem Farbfoto ist die Fassade des Jüdischen Musuems Berlin mit dem einem Verkehrsschild nachempfundenen Schild mit der Aufschrift Welcome to Jerusalem in den Spachen Englisch, Arabisch und Hebräisch zu sehen.

Das viel diskutierte Schild an der Museumsfassade; Jüdisches Museum Berlin, Foto: Jule Roehr

In der islamischen Tradition bzw. im Koran selbst wird die biblische Geschichte von David und Urija in einer von der Bibel abweichenden metaphorischen Form erzählt (Koran: Sure 38/21-25): Zwei Brüder kommen zu König David und fordern ihn auf, einen Streit zwischen ihnen zu entscheiden. Einer von beiden skizziert den Sachverhalt. Er erzählt David, dass sein Bruder 99 weibliche Schafe besitze, er selbst jedoch nur eines. Nun habe ihn sein Bruder unter Druck gesetzt, ihm dieses einzige weibliche Schaf auch noch zu überlassen. Unmittelbar nach dieser knappen Schilderung verkündet David sein Urteil: Mit seinem Wunsch, das eine Schaf den 99 hinzufügen zu wollen, habe der eine Bruder dem anderen Unrecht getan. Der Richterspruch könnte der Erzählung ein Ende setzen, würde David nicht schlagartig von der Erkenntnis getroffen, dass sein Urteil ungerecht war. Er bereut seine Entscheidung zutiefst.  Zahllose muslimische Korankommentatoren diskutierten über die plötzliche Wendung in der Erzählung. Eine Erklärung für die Bewertung des Urteils als ungerecht trotz des sich so eindeutig darstellenden Sachverhalts lautet, dass David sein Urteil gefällt habe, nachdem er nur einer Seite zugehört habe. Die Moral der Geschichte ist gemäß dieser Interpretation, dass man in Konflikten oder Streitfällen die Perspektiven und Argumente beider Seiten in seinem Handeln berücksichtigen muss.  weiterlesen


Veröffentlicht von am 19. Dezember 2017 0 Kommentare

Chanukka meets Weihnachten: Weihnukka

Chanukka und Weihnachten haben einiges gemeinsam: Zu beiden Festen zündet man Lichter an, um die dunkle Jahreszeit etwas erträglicher zu machen. Beide Feste fallen auf den 25. eines Monats – Weihnachten auf den 25. Dezember, Chanukka auf den 25. Kislew, den neunten Monat im jüdischen Kalender. Beide Feste entwickelten sich zwischen Tradition, Familienfeier und Konsumspektakel.

Wir Mitarbeiter*innen des Jüdischen Museums Berlin begingen jene Crossover-Fete, auf der man sich zwischen Dreidel und Krippenspiel, Lebkuchen und Latkes nicht zu entscheiden braucht:

Charakter Seth Cohen in der Fernsehserie O.C., California

Chrismukkah! respektive Weihnukka!

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Veröffentlicht von am 18. Dezember 2017 0 Kommentare

Chanukka kommerzialisiert

Traditionell werden an Chanukka keine Geschenke verteilt. Dennoch ist auch um das jüdische Weihefest mittlerweile eine kleine Industrie entstanden. Kein Wunder also, dass einige Objekte in unserer Sammlung blau-weiß-plüschig sind – und »made in China« …

Das Bild zeigt eine Puppe aus hautfarbenem Plüschsamt. Die Figur ist mit einer ärmellosen, knielangen blauen Baumwoll-Tunika bekleidet, die in der Taille mit einem violetten Stoffband gegürtet und geknotet ist. An den Füßen trägt die Figur Sandalen aus braunem Kunstleder; Haare und Bart sind aus braunem frotteartigem Stoff; über den schwarz mit kleinen weißen Pupillen maschinell aufgestickten Augen große brauneAugenbrauen; der schmale lächelnde Mund besteht aus einer maschinell aufgestickten schwarzen Linie. Auf dem Kopf trägt die Puppe einen hohen Hut (Kippa?) aus violettem, straff ausgestopftem Baumwollstoff.

Judas Makkbäus-Stoffpuppe JUDAH MACCABEE / The Hanukkah Hero!; Jüdisches Museum Berlin, Foto: Jens Ziehe

 

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