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	<title>Blogerim בלוגרים</title>
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	<description>Aus dem Alltag des Jüdischen Museums Berlin</description>
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		<title>Der unfreiwillige Elch – und andere religiöse Verwandlungen</title>
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		<pubDate>Sun, 19 May 2013 07:00:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>naomi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
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		<description><![CDATA[Im Sommer letzten Jahres ging ein globales Kichern durch die jüdische Onlinegemeinde, als ein eBay-Händler einen Navajoanhänger in Form eines Elchs zum Verkauf anbot. Dieses als »einzigartiger, originaler Navajo Elchanhänger, 925 Silber, 0,8 Gramm« beschriebene Schmuckstück war  eigentlich ein jüdisches &#8230; <a href="http://www.jmberlin.de/blog/2013/05/der-unfreiwillige-elch-und-andere-judische-verwandlungen/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1229" class="wp-caption alignright" style="width: 190px"><a href="http://www.jmberlin.de/blog/jmbblog-de/wp-content/uploads/2013/05/chai.jpg"><img class=" wp-image-1229 " alt="Anhänger in Form der Buchstaben Chet und Jod" src="http://www.jmberlin.de/blog/jmbblog-de/wp-content/uploads/2013/05/chai-300x178.jpg" width="180" height="118" /></a><p class="wp-caption-text">Der unfreiwillige Elch</p></div>
<p>Im Sommer letzten Jahres ging ein globales Kichern durch die jüdische Onlinegemeinde, als ein eBay-Händler einen Navajoanhänger in Form eines Elchs zum Verkauf anbot. Dieses als »<a title="Link zur Anzeige bei eBay - öffnet in neuem Fenster" href="http://www.ebay.com/itm/ws/eBayISAPI.dll?ViewItem&amp;_trksid=p4340.l2557&amp;hash=item2a210a6510&amp;item=180942955792&amp;nma=true&amp;pt=US_Fine_Necklaces_Pendants&amp;rt=nc&amp;si=NYLwrZb%252BlHP77UDmkohUGbLQQ5o%253D&amp;orig_cvip=true&amp;rt=nc#ht_4162wt_984" target="_blank">einzigartiger, originaler Navajo Elchanhänger, 925 Silber, 0,8 Gramm</a>« beschriebene Schmuckstück war  eigentlich ein jüdisches Amulett in Form des hebräischen Worts »chai«. Das Motiv, das übersetzt »Leben« bedeutet, ist beliebt und unter jüdischem Schmuck häufig zu finden. Es besteht aus den zwei Buchstaben <i>Chet</i> und <i>Jod</i>, die eigentlich kaum mit einem Tier zu verwechseln sind. Doch bei diesem Anhänger waren die Buchstaben schematisch und miteinander verbunden dargestellt, so dass sie tatsächlich wie ein Tier mit Hörnern im typisch indianischen Stil aussahen. <span id="more-1226"></span></p>
<div id="attachment_1342" class="wp-caption alignleft" style="width: 235px"><a href="http://www.jmberlin.de/blog/jmbblog-de/wp-content/uploads/2013/05/JMS-1143.jpg"><img class="size-medium wp-image-1342 " alt="Anhänger in Form einer Hand" src="http://www.jmberlin.de/blog/jmbblog-de/wp-content/uploads/2013/05/JMS-1143-225x300.jpg" width="225" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Der Anhänger ist mit Psalm 67 graviert. Handförmige Amulette sind im Judentum und Islam in Nordafrika und im Nahen Osten verbreitet, aber auch im orientalischen Christentum.<br />© Jüdisches Museum der Schweiz, Foto: D. Hofer</p></div>
<p>Gerade weil es unabsichtlich geschah, illustriert dieses Versehen, wie Symbole und Zeichen von einer Kultur in eine andere gelangen, sich dabei verwandeln und neue Mythen entstehen lassen können. Offensichtlich sind insbesondere Talismane, Amulette und Glücksbringer dazu bestimmt, kulturelle Grenzgänger zu sein. In der Ausstellung »1001 Amulett. Schutz und Magie – Glaube oder Aberglaube?« des <a title="Link zur Website des Jüdischen Museums der Schweiz - öffnet in neuem Fenster" href="http://www.juedisches-museum.ch/content.php" target="_blank">Jüdischen Museums in Basel </a>(in Zusammenarbeit mit dem Freiburger <a title="Link zur Website des Bibel+Orient Museums - öffnet in neuem Fenster" href="http://www.bible-orient-museum.ch/index.php/de/component/content/article/12-wanderausstellungen/210-1001-amulette" target="_blank">Bibel + Orient Museum</a>), wird gezeigt, wie unterschiedliche Kulturen über Jahrtausende hinweg ihre jeweiligen Motive miteinander getauscht, sie abgewandelt und sich zu eigen gemacht haben. Das »1001« im Titel spielt dabei auf die mittelalterlich-arabische Geschichtensammlung <em>1001 Nacht</em> an.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div id="attachment_1343" class="wp-caption alignright" style="width: 190px"><a href="http://www.jmberlin.de/blog/jmbblog-de/wp-content/uploads/2013/05/JMS-1708.jpg"><img class=" wp-image-1343 " alt="Anhänger in Käferform" src="http://www.jmberlin.de/blog/jmbblog-de/wp-content/uploads/2013/05/JMS-1708-225x300.jpg" width="180" height="240" /></a><p class="wp-caption-text">Der Skarabäus wurde nachträglich auf der Rückseite graviert und als Amulett getragen. Naher Osten, 5.-10. Jahrhundert<br />© Jüdisches Museum der Schweiz, Foto: D. Hofer</p></div>
<p>Folglich zeigen viele der ausgestellten Amulette Motive, die sowohl in der jüdischen als auch in der arabischen Kultur beheimatet sind. Dazu gehört der Skarabäuskäfer ebenso wie die Hand der Fatima (<i>chamsa</i>), die auf dem Ausstellungsposter abgebildet ist.</p>
<p>Auch in Europa kam es zwischen Juden und Christen häufiger zum religiösen, ikonografischen Austausch. In seiner umfangreichen Studie über jüdische Magie und Aberglauben aus dem Jahr 1939 zeigt Joshua Trachtenberg unter anderem, dass auch diverse christliche Artefakte mit jüdischen und angeblich magischen Motiven versehen wurden.</p>
<p>Dazu gehörten Psalmverse, aber auch Buchstaben, die, wenn die Kenntnisse nicht ausreichten, die hebräische Schrift zu imitieren versuchten.</p>
<div id="attachment_1344" class="wp-caption alignleft" style="width: 235px"><a href="http://www.jmberlin.de/blog/jmbblog-de/wp-content/uploads/2013/05/JMS-0017.jpg"><img class="size-medium wp-image-1344" alt="Anhänger in Kreuzform" src="http://www.jmberlin.de/blog/jmbblog-de/wp-content/uploads/2013/05/JMS-0017-225x300.jpg" width="225" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Der Anhänger hat die Form eines vierschenkligen Kreuzes. Auf der Vorderseite ist hebräisch der Gottesname Schaddai vermerkt, rückseitig ה . Vermutlich christliche Herkunft, 19./20. Jahrhundert.<br />© Jüdisches Museum der Schweiz, Foto: D. Hofer</p></div>
<p>In der Spätantike hielten immer wieder Tierkreiszeichen und andere griechisch-römische Symboliken Einzug in jüdische Gotteshäuser, wie etwa in die Synagoge Beit Alfa aus dem 6. Jahrhundert, die in der Nähe von Beit-Sche&#8217;an liegt. Auf einem Bodenmosaik ist hier bis heute der Sonnengott Helios im Zentrum einer kreisförmigen Anordnung von Sternbildern zu sehen – eine Darstellung des heidnischen Polytheismus, die gegen das jüdische Bilderverbot verstößt. Jean Seznec, dessen Hauptwerk <em>Das Fortleben der antiken Götter</em> ein Jahr nach Trachtenbergs Studie erschien, zeigte anhand von Anverwandlungen wie etwa in dem Mosaik der Synagoge Beit Alfa, dass die griechische und römische Götterwelt keinesfalls mit dem Ende der antiken Weltordnung verschwand. In der Kunst des Mittelalters nahm sie allerdings zum Teil christliche Züge, wie etwa Heiligenscheine, an. Pluto, der Gott der Unterwelt, wurde dabei mit einer eigenartigen Requisite versehen: In einem Manuskript des Bischofs Hrabanus Maurus aus dem 9. Jahrhundert hält er einen Krug im Arm. Seznec führt dies auf einen Lesefehler zurück: <i>orca</i> (Krug) statt <i>orcus</i> (Reich der Toten).</p>
<p>Angesichts der Geschichte religiöser Tauschaktionen ist es beinahe schade, dass die wahre Natur des auf eBay angebotenen Navajo-Elchs enthüllt wurde. Wer weiss, welche neuen Erzählungen er sonst hervorgebracht hätte?</p>
<p style="text-align: right;"><em>Naomi Lubrich, Medien</em></p>
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		<title>Die lange Nacht des Tikkun oder was wir von liebenden Frauen lernen können</title>
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		<pubDate>Tue, 14 May 2013 12:25:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Avner Ofrath</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alte Riten, neue Bräuche]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
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		<category><![CDATA[Schawuot]]></category>
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		<category><![CDATA[Symposium]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor Kurzem entdeckten wir beim Stöbern im Netz, dass drei junge Jüdinnen eine Gruppe gegründet haben, die sich »für die Vielfalt an unterschiedlichen Facetten jüdischer Identität und … ein sinnstiftendes jüdisches Leben in Berlin« einsetzen möchte. Sie nennt sich Hamakom &#8230; <a href="http://www.jmberlin.de/blog/2013/05/die-lange-nacht-des-tikkun-oder-was-wir-von-liebenden-frauen-lernen-konnen/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Vor Kurzem entdeckten wir beim Stöbern im Netz, dass drei junge Jüdinnen eine Gruppe gegründet haben, die sich »für die Vielfalt an unterschiedlichen Facetten jüdischer Identität und … ein sinnstiftendes jüdisches Leben in Berlin« einsetzen möchte. Sie nennt sich <em>Hamakom</em> (hebräisch: ›der Ort‹) und will unter anderem die Begegnung von Israelis und jüdischen Deutschen fördern. Als erste Veranstaltung führt diese Gruppe nun einen <em>Tikkun lel Schawuot</em> zum Thema »<a title="Link zur Veranstaltungsankündigung auf Hamakom.de - öffnet in neuem Fenster" href="http://www.hamakom.de/de/?p=8" target="_blank">Frauen &amp; Liebe</a>« durch. Der Veranstaltungsname ist Programm: Er knüpft an die Tradition an, in der Nacht zu Schawuot bestimmte biblische Texte und deren Auslegungen zu studieren und zu diskutieren. Diese Wahl zeigt, welche Bedeutung das Fest in diskursiv angelegten jüdischen Selbstverständigungsprozessen hat.</p>
<div id="attachment_1305" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://www.jmberlin.de/blog/jmbblog-de/wp-content/uploads/2013/05/img_out.php_.png"><img class="size-medium wp-image-1305  " alt="Holzschnitt: Rut und Noomi im Feld" src="http://www.jmberlin.de/blog/jmbblog-de/wp-content/uploads/2013/05/img_out.php_-300x225.png" width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Jakob Steinhardt, Illustration zum Buch Rut, 1955-1959, Holzschnitt <br />© Jüdisches Museum Berlin, Schenkung von Josefa Bar-On Steinhardt, Naharyia, Israel</p></div>
<p>Schawuot beginnt dieses Jahr am Abend des 14. Mai und endet zwei Tage später. Es ist ein Feiertag von ungewöhnlich vielfältiger Bedeutung, der in jeder Epoche neu entdeckt und definiert wurde. Ursprünglich war er dem Beginn der Erntezeit gewidmet, die eine Pilgerreise in den Jerusalemer Tempel umfasste. Dort brachte man Erstlingsfrüchte und zwei Weizenbrote dar. Im Talmud gilt Schawuot als das Fest, an dem das Volk Israel die Tora empfing. Um sich auf diese Gabe vorzubereiten, wird  der Feiertag hier auch als <em>Azeret</em> beschrieben, eine feierliche Versammlung, die vor allem eine Nacht des gemeinsamen Nachdenkens und Diskutierens währt. Das <em>Tikkun lel Schawuot</em>, wie dieses nächtliche Symposium im Hebräischen heißt, bedeutet wörtlich übersetzt: ›die Verbesserung in der Nacht des Wochenfests‹. Es wurde zum ersten Mal im kabbalistischen <em>Sohar</em>-Buch erwähnt und gewann im 16. Jahrhundert an Bedeutung.</p>
<p>Die jüdische Version des gemeinsamen Studierens und Diskutierens unterscheidet sich von ihrem griechischen Pendant, <span id="more-1296"></span>denn das <em>Tikkun lel Schawuot</em>  kreist vor allem um die Lektüre der hebräischen Bibel, des Talmud und des Sohar. Wer mit dem Wort ›Symposium‹ also den platonischen Dialog und das Gastmahl assoziiert, missversteht zwar den Charakter der nächtlichen Versammlung, liegt aber dennoch im Trend: Denn das Spektrum des <em>Tikkun</em> wurde in jüngster Zeit deutlich erweitert, so dass diese Tradition nun auch im progressiven Judentum, ja selbst in säkularen Kreisen gepflegt wird.</p>
<p>Diese Entwicklung mag unter anderem auf das biblische Buch Rut zurückzuführen sein, das an Schawuot gelesen wird. Es erzählt, wie das Thema des kommenden <em>Tikkun lel Schawuot</em> in Berlin unterstreicht, von weiblicher Solidarität. Im Zentrum des Buchs stehen Noomi, eine israelitische Frau, und ihre Schwiegertochter Rut, die dem Volk Moab angehört. Nachdem Noomis Sohn – Ruts Mann also – gestorben ist, folgt diese ihrer Schwiegermutter mit den Worten: »Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott« (Rut 1:16).</p>
<p>Der israelische Künstler Adi Nes widmete dieser Geschichte im Jahr 2007 ein Werk, das Teil eines Zyklus zu biblischen Figuren ist. Noomi und Rut werden hier beim Sammeln von übriggebliebenen Zwiebeln im armen Süden von Tel Aviv gezeigt und mit marginalisierten Gruppen im sozialen Gefüge Israels assoziiert.</p>
<div id="attachment_1297" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.jmberlin.de/blog/jmbblog-de/wp-content/uploads/2013/05/Ruth_Naomi_w.jpg"><img class="size-full wp-image-1297" alt="Künstlerisch inszeniertes Photo: zwei weibliche Figuren sammeln übriggebliebene Zwiebeln" src="http://www.jmberlin.de/blog/jmbblog-de/wp-content/uploads/2013/05/Ruth_Naomi_w.jpg" width="600" height="478" /></a><p class="wp-caption-text">Adi Nes, Rut und Noomi, 2007<br />© Adi Nes 2007, gezeigt in diesem Beitrag mit freundlicher Genehmigung des Künstlers</p></div>
<p>Dass die nicht-jüdische Rut in der Bibel ohne Weiteres im israelitischen Bethlehem aufgenommen wird und König David, aus dessen Haus einst der Messias stammen soll, einer ihrer Nachfahren ist, stellt eine außergewöhnliche Öffnung gegenüber dem Fremden dar. Es wäre schön, wenn diese biblische Geschichte von weiblicher Solidarität und gesellschaftlicher Integration eines Tages den Sprung von der langen Nacht des <em>Tikkun</em> in den heutigen Alltag schaffen könnte.</p>
<p style="text-align: right;"><em>Mirjam Wenzel und Avner Ofrath, Medien</em></p>
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		<title>Protest – Ja. Aber wie?</title>
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		<pubDate>Sun, 12 May 2013 12:00:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>naomi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Performance]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Korea]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Populärkultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Sommer 2012 protestierte der koreanische Musiker PSY mit seiner Musik gegen das Konsumverhalten in Gangnam, einem wohlhabenden Stadtteil Seouls. Sein Musikvideo zeigt, wie er in Gegenwart betucht aussehender Männer und leicht bekleideter Frauen eine Art Reitertanz vollführt, hopsend und &#8230; <a href="http://www.jmberlin.de/blog/2013/05/protest-ja-aber-wie/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Im Sommer 2012 protestierte der koreanische Musiker PSY mit seiner Musik gegen das Konsumverhalten in Gangnam, einem wohlhabenden Stadtteil Seouls. Sein Musikvideo zeigt, wie er in Gegenwart betucht aussehender Männer und leicht bekleideter Frauen eine Art Reitertanz vollführt, hopsend und Zügel schwingend. Aus Gründen, die uns die Nachwelt nennen mag, entwickelte sich <em>Gangnam Style</em> zum meist gesehenen Clip bei YouTube. Organisationen wie Greenpeace und NASA, die von Gangnam (geographisch wie ideologisch) entfernter nicht hätten sein können, entwickelten eine Reihe von Parodien.</p>
<p><iframe id="ytVideo" src="http://www.youtube-nocookie.com/embed/tcjFzmWLEdQ?wmode=opaque&amp;rel=0&amp;autoplay=0&amp;showinfo=0&amp;modestbranding=1&amp;fs=0" height="315" width="560" frameborder="0"></iframe></p>
<p>Der Protest im Gangnam-Stil wurde auch in der Kunstszene begeistert aufgenommen. Der chinesische Aktivist Ai Weiwei veröffentlichte ein Video im Gangnam-Stil, um gegen die Zensur in seinem Land zu protestieren. Als Reaktion auf dieses Video regte der jüdisch-indische Künstler Anish Kapoor – dessen Werke eine <a title="Link zur Anish Kapoor-Ausstellung im Martin-Gropius-Bau - öffnet in neuem Fenster" href="http://www.berlinerfestspiele.de/de/aktuell/festivals/gropiusbau/programm_mgb/mgb13_kapoor/ausstellung_kapoor/veranstaltungsdetail_56920.php" target="_blank">Ausstellung im Berliner Martin-Gropius-Bau</a> ab dem 18. Mai 2013 würdigt – Kunstmuseen in England und den USA an, ein Video zur Unterstützung von Ai Weiwei zu drehen.</p>
<p>Kurz darauf stellte das Philadelphia Museum of Art ein Video ins Netz, das seine Belegschaft beim Gangnam-Tanz zeigt, wobei nicht ganz ersichtlich ist, worauf ihr Protest abzielt:<span id="more-832"></span><br />
<iframe id="ytVideo" src="http://www.youtube-nocookie.com/embed/yBJwL3cvrSw?wmode=opaque&amp;rel=0&amp;autoplay=0&amp;showinfo=0&amp;modestbranding=1&amp;fs=0" height="315" width="560" frameborder="0"></iframe></p>
<p>Das Jüdische Museum Berlin engagiert sich für vergleichsweise viele Initiativen und Zwecke, für die es sich zu protestieren lohnt. Und da wir grundsätzlich zivile Einmischung befürworten, vor allem mit Einsatz moderner Medien, gibt es immer wieder Anlässe, um ein eigenes Protestvideo zu lancieren, das dann den Gangnam-Stil oder auch den Harlem Shake aufgreifen könnnte, der seit Februar 2013 Gangnam in Beliebtheit abgelöst hat.</p>
<p><a href="http://www.jmberlin.de/blog/jmbblog-de/wp-content/uploads/2013/05/gangnam-im-exilgarten-neu_w.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1259" alt="Collage mit PSY vor dem Jüdischen Museum Berlin" src="http://www.jmberlin.de/blog/jmbblog-de/wp-content/uploads/2013/05/gangnam-im-exilgarten-neu_w-300x203.jpg" width="300" height="203" /></a>Allerdings bestünde die Möglichkeit, dass PSYs Einsatz von Kontrast-Performance – er verwendet Bilder, die eben jenen Konsum darstellen, den er anprangert – in einem Clip für soziale und religiöse Toleranz zu unangenehmen Fehldeutungen führt. Es könnte zu unliebsamen Missverständnissen kommen, wenn die Ironie eines Films, in dem, sagen wir, Angestellte des Jüdischen Museums auf eine Gruppe von angetrunkenen Männern zutraben und schulterklopfend deren Bier austrinken, sich dem Zuschauer entziehen würde&#8230; Oder nicht? Wir reichen die Frage an Euch weiter: Was könnte eine angemessene Handlung für ein im Gangnam-Stil produziertes Protestvideo des Jüdischen Museums sein?</p>
<p style="text-align: right;"><em>Naomi Lubrich, Medien</em></p>
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		<title>Ein »Denkmal gegen den Schwachsinn der Nazis«</title>
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		<pubDate>Thu, 09 May 2013 16:00:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mirjam Bitter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Im Jüdischen Museum Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Bücherverbrennung]]></category>
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		<description><![CDATA[Der 10. Mai bildete den Höhepunkt der »Aktion wider den undeutschen Geist«, mit der die deutsche Studentenschaft im Frühjahr 1933 gegen politisch unliebsame oder jüdische Professoren und das ›zersetzende Schrifttum‹ zu Felde zog. Wir alle kennen die Aufnahmen von der &#8230; <a href="http://www.jmberlin.de/blog/2013/05/ein-denkmal-gegen-den-schwachsinn-der-nazis/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1271" class="wp-caption alignright" style="width: 250px"><a href="http://www.jmberlin.de/blog/jmbblog-de/wp-content/uploads/2013/05/Denkmal_der_Buecherverbrennung_w.jpg"><img class=" wp-image-1271 " alt="Einblick in die leere Bibliothek unter dem Bebelplatz" src="http://www.jmberlin.de/blog/jmbblog-de/wp-content/uploads/2013/05/Denkmal_der_Buecherverbrennung_w-300x225.jpg" width="240" height="180" /></a><p class="wp-caption-text">Denkmal der Bücherverbrennung<br />Dieses Foto von <span>Charlotte Nordahl</span> steht unter einer <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0" rel="license">Creative Commons Namensnennung &#8211; Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Lizenz</a></p></div>
<p>Der 10. Mai bildete den Höhepunkt der »Aktion wider den undeutschen Geist«, mit der die deutsche Studentenschaft im Frühjahr 1933 gegen politisch unliebsame oder jüdische Professoren und das ›zersetzende Schrifttum‹ zu Felde zog. Wir alle kennen die Aufnahmen von der sorgfältig vorbereiteten Bücherverbrennung in Berlin und das Denkmal von Micha Ullmann auf dem heutigen Bebelplatz, das den damaligen Flammenrufen eine mahnend stille wie leere Bibliothek entgegen setzt.</p>
<p>Das <a title="Link zur Ausstellungswebsite - öffnet in neuem Fenster" href="http://www.jmberlin.de/main/DE/01-Ausstellungen/02-Sonderaustellungen/2013/george-warburg.php" target="_blank">Jüdische Museum Berlin zeigt</a> nun einige Bücher, die damals aus den Regalen entfernt und den Flammen überantwortet wurden. Es stellt damit Teile der Büchersammlung von George Warburg vor.</p>
<p>Es ist ein Vergnügen, die Einbände, die Gestaltung und den Drucksatz dieser Werke zu betrachten, besonders berührt aber hat uns das Anliegen, das George Warburg mit seiner Sammlung verband: In diesem Videointerview erzählt er nicht nur, welche Werke ihm besonders am Herzen liegen. Er beschreibt seine Sammlung auch als einen Versuch, jene Bücher, die von den Nationalsozialisten verbrannt, verboten oder ausgesondert wurden, nachträglich den Flammen zu entreißen.</p>
<p><span class="Apple-style-span" style="font-family: 'Helvetica Neue', Helvetica, Arial, 'Nimbus Sans L', sans-serif;"><iframe id="ytVideo" src="http://www.youtube-nocookie.com/embed/u1AXIN209W8?wmode=opaque&amp;rel=0&amp;autoplay=0&amp;showinfo=0&amp;modestbranding=1&amp;fs=0" height="315" width="560" frameborder="0"></iframe></span></p>
<p>Warburgs »Denkmal gegen den Schwachsinn der Nazis« holt das, was Ullmanns unterirdische Bibliothek erinnert, wieder ans Tageslicht.</p>
<p style="text-align: right;"><em>Mirjam  Wenzel, Medien</em></p>
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		<title>Frage des Monats: »Warum beugen sich manche Juden beim Beten?«</title>
		<link>http://www.jmberlin.de/blog/2013/05/frage-des-monats-warum-beugen-sich-manche-juden-beim-beten/</link>
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		<pubDate>Mon, 06 May 2013 12:01:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mirjam Bitter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Die ganze Wahrheit]]></category>
		<category><![CDATA[Im Jüdischen Museum Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Beten]]></category>
		<category><![CDATA[Fragen]]></category>
		<category><![CDATA[Judentum]]></category>
		<category><![CDATA[Rabbi]]></category>
		<category><![CDATA[Schokeln]]></category>
		<category><![CDATA[Sohar]]></category>

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		<description><![CDATA[Unsere aktuelle Sonderausstellung »Die ganze Wahrheit … was Sie schon immer über Juden wissen wollten« baut auf 30 Fragen auf, die an das Jüdische Museum Berlin oder dessen Mitarbeiter gerichtet wurden. In der Ausstellung haben unsere Besucherinnen und Besucher selbst &#8230; <a href="http://www.jmberlin.de/blog/2013/05/frage-des-monats-warum-beugen-sich-manche-juden-beim-beten/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Unsere aktuelle Sonderausstellung »<a title="Link zur Ausstellungswebsite - öffnet in neuem Fenster" href="http://www.jmberlin.de/main/DE/01-Ausstellungen/02-Sonderaustellungen/2013/ganze-wahrheit.php" target="_blank">Die ganze Wahrheit … was Sie schon immer über Juden wissen wollten</a>« baut auf 30 Fragen auf, die an das Jüdische Museum Berlin oder dessen Mitarbeiter gerichtet wurden. In der Ausstellung haben unsere Besucherinnen und Besucher selbst die Möglichkeit, auf Post-its Fragen oder Kommentare zu hinterlassen. Einige dieser Fragen beantworten wir hier im Blog. Nach der Frage: »<a title="Link zu unserem Blogtext »Wie hält die Kippa auf dem Kopf?«" href="http://www.jmberlin.de/blog/2013/04/frage-des-monats-wie-halt-die-kippa-auf-dem-kopf/">Wie hält die Kippa auf dem Kopf?</a>«, kommt die Frage dieses Monats von Boris: »Warum beugen sich manche Juden beim Beten?«</p>
<div id="attachment_1234" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://www.jmberlin.de/blog/jmbblog-de/wp-content/uploads/2013/05/Boris_w.jpg"><img class="size-medium wp-image-1234 " alt="Post it-Zettel mit der Frage des Monats und der Zeichnung eines sich bewegenden Mannes" src="http://www.jmberlin.de/blog/jmbblog-de/wp-content/uploads/2013/05/Boris_w-300x190.jpg" width="300" height="190" /></a><p class="wp-caption-text">»Warum Beugen sich manche Juden beim beten. Boris«<br />© Foto: Thomas Valentin Harb, Jüdisches Museum Berlin</p></div>
<p>Lieber Boris,<br />
Deine Frage, warum sich religiöse Juden während des Betens hin und her bewegen, wird von vielen Menschen gestellt. Dieser sehr alte <a title="Link zu einem YouTube-Video vom »Schokln« - öffnet in neuem Fenster" href="http://www.youtube.com/watch?v=IsX5t_wYoYM" target="_blank">Brauch</a> wird im Jiddischen »Schokln« genannt und bedeutet wackeln, schütteln oder schaukeln. Wie bei manchen Bräuchen ist es leichter zu beschreiben, wann und wo etwas ausgeübt wurde, als eindeutig zu beantworten, warum beim Lernen aus der Tora und beim Beten geschokelt wird.<span id="more-1233"></span></p>
<p>Aufgefallen war diese Gewohnheit schon dem Propheten Mohammed, der seinen Anhängern geraten haben soll, sich beim Gottesdienst nicht hin und her zu bewegen.</p>
<p>Aus dem Spanien des 12. Jahrhunderts berichtet Rabbi Jehuda Halevi, dass oft zehn oder mehr Männer gleichzeitig aus einem Buch lesen mussten: Deshalb traten sie einzeln an das Buch heran, beugten sich zum Lesen darüber und traten wieder zurück, um für den nächsten Platz zu machen.</p>
<p>Auch der Psalm 35,10 »Alle meine Gebeine sollen sagen: Herr, wer ist dir gleich?« wird so gedeutet, dass sich der ganze Körper am Gebet beteiligen kann.</p>
<div id="attachment_1243" class="wp-caption alignleft" style="width: 250px"><a href="http://www.jmberlin.de/blog/jmbblog-de/wp-content/uploads/2013/05/Fragenwand_w.jpg"><img class=" wp-image-1243  " alt="Eine Wand mit pinken Post-its beklebt, davor zwei liegende Vitrinen mit der Aufschrift »Noch Fragen?«" src="http://www.jmberlin.de/blog/jmbblog-de/wp-content/uploads/2013/05/Fragenwand_w-300x188.jpg" width="240" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">Fragenwand in der Sonderausstellung »Die ganze Wahrheit«<br />© Foto: Thomas Valentin Harb, Jüdisches Museum Berlin</p></div>
<p>Eine andere Erklärung sieht das Schokeln als Weg, um sich auf das Studium oder das Gebet zu konzentrieren und durch Bewegungen ablenkende Gedanken abzuwehren.<br />
Für den <em>Sohar</em>, ein mystisches Werk, stammt die Seele des Menschen vom göttlichen Licht ab. Jedes Mal, wenn sich ein Jude mit der Tora beschäftigt, entzündet sich das Licht seiner Seele, weshalb er sich wie die Flamme einer Kerze hin und her bewegt. Dieses eindringliche Bild veranschaulicht den Wunsch vieler religiöser Juden durch Lernen und <a title="Link zu einem entsprechenden Video auf Vimeo - öffnet in neuem Fenster" href="http://vimeo.com/37906629" target="_blank">Beten</a> in eine direkte Verbindung mit Gott zu treten.</p>
<p>Zu allen Zeiten gab es auch Rabbiner, die das Schokeln nur zu bestimmen Gebeten zulassen wollten. Den deutschen Juden wurde es im 19. Jahrhundert sehr wichtig, sich angepasst zu benehmen, deshalb lehnte die Mehrheit das Schokeln eher ab. Heute wird das Schokeln von vielen als eine körperliche Begleitung des Gebetrhythmus verstanden oder als eine Methode, um sich besser auf das Gebet konzentrieren zu können.</p>
<p style="text-align: right;"><em>Miriam Goldmann, Kuratorin der Sonderausstellung »Die ganze Wahrheit«</em></p>
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		<title>Sicherstellung einer Katze – Absurditäten aus dem Museumsalltag</title>
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		<pubDate>Thu, 02 May 2013 08:43:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mirjam Bitter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Im Jüdischen Museum Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Anekdote]]></category>
		<category><![CDATA[Erbe]]></category>
		<category><![CDATA[Stifter]]></category>
		<category><![CDATA[Tiere]]></category>

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		<description><![CDATA[Manchmal hält die alltägliche Arbeit im Museum Überraschungen bereit. Letzte Woche etwa lag ein Schreiben der Landeshauptstadt Stuttgart, Amt für öffentliche Ordnung, in meinem Postfach. Bußgeldbescheide landen ab und zu auf meinem Tisch, da ich für ein Team verantwortlich bin, &#8230; <a href="http://www.jmberlin.de/blog/2013/05/sicherstellung-einer-katze-absurditaten-aus-dem-museumsalltag/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Manchmal hält die alltägliche Arbeit im Museum Überraschungen bereit. Letzte Woche etwa lag ein Schreiben der Landeshauptstadt Stuttgart, Amt für öffentliche Ordnung, in meinem Postfach.</p>
<div id="attachment_1204" class="wp-caption alignright" style="width: 235px"><a href="http://www.jmberlin.de/blog/jmbblog-de/wp-content/uploads/2013/04/katzenbild_iris_w.jpg"><img class="size-medium wp-image-1204  " alt="Eine kleine Katze sitzt geduckt im Gras neben einem Zaun." src="http://www.jmberlin.de/blog/jmbblog-de/wp-content/uploads/2013/04/katzenbild_iris_w-225x300.jpg" width="225" height="300" /></a><p class="wp-caption-text"><a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/deed.de" rel="license"><img style="border-width: 0;" alt="Creative Commons Lizenzvertrag" src="http://i.creativecommons.org/l/by-nc-sa/3.0/80x15.png" /></a><br />Dieses Foto von <span>Iris Blochel-Dittrich</span> steht unter einer <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/deed.de" rel="license">Creative Commons Namensnennung &#8211; Nicht-kommerziell &#8211; Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported Lizenz</a>.</p></div>
<p>Bußgeldbescheide landen ab und zu auf meinem Tisch, da ich für ein Team verantwortlich bin, das mit unserem Museumsbus in Deutschland unterwegs ist und <a title="Link zu aktuellen Stationen des Jüdischen Museums Berlin &quot;on.tour&quot; - öffnet in neuem Fenster" href="http://www.jmberlin.de/ksl/ontour/aktuelles/aktuelles_DE.php" target="_blank">mobile Bildungsarbeit</a> an Schulen leistet. Im Kampf gegen Unwissenheit und Antisemitismus ist meist Eile angesagt. Ich blättere also gleich auf Seite zwei, um den Betrag zu ermitteln, um den es dieses Mal geht: 104,80 Euro. Darunter Verwahr- und Tierarztkosten?! Das ist kein Zu-schnell-fahr-Knöllchen &#8230;</p>
<p>Ich blättere zurück und gehe das Schreiben nun von oben nach unten durch: »Sicherstellung der Katze von Frau K.« Haben die Kollegen eine Katze angefahren oder gefunden und ins Tierheim gebracht?<span id="more-1203"></span> Ich lese und rätsle weiter. Schließlich erfahre ich, dass Frau K. gestorben und ihre Katze in den städtischen Tiernotdienst gebracht worden ist. Als Teilerbe hat das Jüdische Museum Berlin die Hälfte der entstandenen Kosten zu tragen. Frau K. war also eine Stifterin und das Museum hat geerbt – eben auch die Verantwortung für die Katze. Und ich habe zu Unrecht mein Team verdächtigt, zu schnell unterwegs gewesen zu sein.</p>
<p>Ich öffne den nächsten Brief. Bußgeldbescheid der Hansestadt Rostock wegen überhöhter Geschwindigkeit um 8 km/h. Na, also.</p>
<p style="text-align: right;"><em>Ariane Kwasigroch, Bildung</em></p>
<p>PS: Der sichergestellten Katze von Frau K. geht es übrigens gut. Sie wurde nach sieben Tagen von ihrer Züchterin aus dem Tiernotdienst abgeholt.</p>
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		<title>Hitzige Kälte</title>
		<link>http://www.jmberlin.de/blog/2013/04/hitzige-kalte/</link>
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		<pubDate>Mon, 29 Apr 2013 09:00:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mirjam Bitter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Junge jüdische Autorinnen und Autoren]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Burgtheater]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerung]]></category>
		<category><![CDATA[Kurt Waldheim]]></category>
		<category><![CDATA[Nachkriegszeit]]></category>
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		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<description><![CDATA[Ein kalter Wind weht Ziegel von Dächern und Hüte vom Kopf. Stürmisch beginnt Robert Schindels neuer Roman Der Kalte, dessen Einstieg man sich hier vom Autor vorlesen lassen kann. Schon in seinem Roman Gebürtig von 1992 überzeugte der 1944 geborene, &#8230; <a href="http://www.jmberlin.de/blog/2013/04/hitzige-kalte/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ein kalter Wind weht Ziegel von Dächern und Hüte vom Kopf. Stürmisch beginnt Robert Schindels neuer Roman <em>Der Kalte</em>, dessen Einstieg man sich <a title="Link zur Website des Suhrkamp Verlags – öffnet in neuem Fenster" href="http://www.suhrkamp.de/mediathek/robert_schindel_der_kalte_lesung_604.html?utm_source=Newsletter&amp;utm_medium=auf%2BMediatheksbeitrag&amp;utm_term=18506&amp;utm_campaign=nl_374" target="_blank">hier </a>vom Autor vorlesen lassen kann. Schon in seinem Roman <em>Gebürtig</em> von 1992 überzeugte der 1944 geborene, österreichische Romanautor, Lyriker und Essayist durch eindrückliche Bilder und poetische Sprache. Auch hier erinnert die Anfangsstimmung an den Beginn des expressionistischen Gedichts »Weltende«: »Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut, in allen Lüften hallt es wie Geschrei« (Jakob van Hoddis).</p>
<div id="attachment_1158" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://www.jmberlin.de/blog/jmbblog-de/wp-content/uploads/2013/04/meidner_apokalyptische_landschaft.jpg"><img class="size-medium wp-image-1158" alt="Expressionistisches Gemälde einer apokalyptischen Landschaft" src="http://www.jmberlin.de/blog/jmbblog-de/wp-content/uploads/2013/04/meidner_apokalyptische_landschaft-300x253.jpg" width="300" height="253" /></a><p class="wp-caption-text">Apokalyptische Landschaft von Ludwig Meidner, 1913<br />© Ludwig Meidner-Archiv, Jüdisches Museum der Stadt Frankfurt am Main</p></div>
<p>Mit der ersten Szene von Schindels Roman eröffnet sich allerdings eine Welt: die der sogenannten ›Waldheim-Jahre‹ 1985 bis 1989 in Wien. Im österreichischen Wahlkampf entbrannte damals eine Debatte um den Kandidaten der Konservativen, Kurt Waldheim, und dessen mögliche Beteiligung an Kriegsverbrechen. In seiner Autobiografie hatte er nämlich die Zeit als Wehrmachtsoffizier verschwiegen. Im Roman durch die Figur Johann Wais dargestellt, beteuert er, »dass er nichts anderes getan habe wie hunderttausend andere Österreicher auch.« Gerade deshalb funktioniert er »als unfreiwillige Aufklärungsmaschine«. <span id="more-1157"></span>Diesem prototypischen Österreicher, der zugleich stolzer Pflichterfüller und doch immer nur Zuschauer und eigentlich ›Hitlers erstes Opfer‹ gewesen sein wollte, stellten sich vor allem Künstler und Intellektuelle als »das andere Österreich« entgegen. Entsprechend spielen im Roman Theater und Literatur eine große Rolle, insbesondere das Wiener Burgtheater, das erstmals einen deutschen Direktor hat und mit politischen Stücken Kontroversen auslöst. Außerdem greift Schindel historische Debatten um das Antifaschismusmahnmal in Wien auf.</p>
<div id="attachment_1159" class="wp-caption alignleft" style="width: 190px"><a href="http://www.jmberlin.de/blog/jmbblog-de/wp-content/uploads/2013/04/Cover_DerKalte_c_SuhrkampVerlag_w.jpg"><img class="size-medium wp-image-1159" alt="Buchcover: Robert Schindel, Der Kalte, abgebildet ist ein Mann in Mantel und Hut" src="http://www.jmberlin.de/blog/jmbblog-de/wp-content/uploads/2013/04/Cover_DerKalte_c_SuhrkampVerlag_w-180x300.jpg" width="180" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">© Suhrkamp Verlag</p></div>
<p>Der Autor bedient sich also aus dem ›Steinbruch der Geschichte‹. Er baut aus diesem Material aber eigenständige Figuren, die sich von den historischen Personen emanzipieren und auch ohne das Wissen um die politischen Bezüge funktionieren. Rund um die literarisierten Entsprechungen zu Waldheim, Peymann und Hrdlicka oder auch Simon Wiesenthal gibt es eine Vielzahl weiterer Figuren ohne konkrete historische Vorbilder. An dem jüdischen Spanienkämpfer und Auschwitzüberlebenden Edmund Fraul und seiner Frau Rosa, ebenfalls jüdische Überlebende, wird dabei etwa die historische Erfahrung deutlich, dass ›Überleben‹ keine einmal erledigte Angelegenheit ist. Vielmehr ist das <em>weiter leben</em> (so der Titel von Ruth Klügers Autobiographie) eine Herausforderung – insbesondere, wenn man ständig ehemaligen Peinigern begegnen kann, die nur kurze Haftstrafen und gar Freisprüche bekamen. Die Gefühls- und reale Kälte, die den titelgebenden Protagonisten umgibt, ist beim Lesen geradezu spürbar, ein plastisches Bild für die Nachwirkungen von Auschwitz. Ebenso greifbar werden der »Gedankenmorast« oder der »Ameisenhaufen unter der Schädeldecke«, die das Ehepaar insbesondere im Schlaf unwillkürlich heimsuchen.</p>
<p>Ungewöhnlich und auf schroffe Art nahezu rührend ist, dass Fraul ausgerechnet in der Begegnung mit dem ehemalgien KZ-Aufseher Rosinger seinen Kältepanzer soweit öffnet, dass er am Ende »Eistränen« weinen kann. Obwohl Rosinger ebenfalls schlecht schläft, läuft der Roman nie Gefahr, den Unterschied zwischen Tätern und Verfolgten zu verwischen. Indem »die beiden Auschwitzbewohner« einander aus ihrer jeweiligen Perspektive Geschichten »über unser Daheim«  erzählen, wird diese Vergangenheit für die Lesenden ebenfalls präsent gehalten.</p>
<div id="attachment_1164" class="wp-caption alignright" style="width: 250px"><a href="http://www.jmberlin.de/blog/jmbblog-de/wp-content/uploads/2013/04/Buchstabengerichte_Struktur_w.jpg"><img class=" wp-image-1164 " alt="»nahrhafte Buchstabengerichte«" src="http://www.jmberlin.de/blog/jmbblog-de/wp-content/uploads/2013/04/Buchstabengerichte_Struktur_w-300x225.jpg" width="240" height="180" /></a><p class="wp-caption-text">»nahrhafte Buchstabengerichte«</p></div>
<p>Die Gegenwart des Romans ist demgegenüber mit viel Humor und noch größerer Perspektivenvielfalt erzählt. Da viele Figuren auch als Ich-Erzähler fungieren, erzeugt jedes Kapitel aufs Neue die Spannung, wer nun wohl spricht. Das große Figurenensemble entstammt hauptsächlich dem Kultur- und Politikbetrieb, zur Gefühlsthematik passend gibt es aber auch ein paar Kardiologen. Vertreten sind verschiedene Generationen, Geschlechter und Verortungen in der sogenannten Erinnerungslandschaft, die oft zutreffender eine Vergessenslandschaft ist. Dabei gehen die Figuren nicht in ihrer Funktion als bestimmte Typen auf. Im Gegenteil, nur wenige Romane schaffen es, ihre Figuren mit solcher Lebensenergie und Liebeslust auszustatten, wie Robert Schindel es tut. So macht etwa die junge Dolores mit dem Davidstern auf dem üppigen Dekolleté ihrem schmerzhaften Namen gar keine Ehre. Wie ihr nichtjüdischer Freund Stefan in seinem Tagebuch notiert, ist sie leidenschaftlich im Bett und lädt ihn zudem zum »Freudenfest« <a title="Link zum Blogtext »Go down Moses« und die Orange auf dem Seder-Teller" href="http://www.jmberlin.de/blog/2013/03/go-down-moses-und-die-orange-auf-dem-seder-teller/">Pessach</a> ein. Das erotische Begehren vieler Figuren erzeugt ›Unübersichtlichkeiten‹, und gerade diese rücken den Roman näher an das Leben als jede soziologische Kategorisierung. Der Autor scheint seine Figuren selbst zu lieben, ist doch sogar Johann Wais mit gewisser Sympathie geschildert.</p>
<p>Glücklicherweise über 600 Seiten lang darf man sich an den »nahrhaften Buchstabengerichten« laben. Man trifft nebenbei auf alte Bekannte aus <em>Gebürtig</em>, und nach beendeter Lektüre ist es, als habe man neue Bekanntschaften geschlossen. Da Schindel kürzlich von einer Trilogie sprach, dürfen wir auf einen weiteren Roman dieses sympathischen Sprach- und Erzählkünstlers hoffen.</p>
<p>Robert Schindel, <em>Der Kalte</em>, Berlin: Suhrkamp 2013.</p>
<p style="text-align: right;"><em>Mirjam Bitter, Medien</em></p>
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		<title>Eiserne Kreuze in Kreuzberg</title>
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		<pubDate>Tue, 23 Apr 2013 13:00:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mirjam Bitter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Im Jüdischen Museum Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[19. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmal]]></category>
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		<category><![CDATA[Reichsbund jüdischer Frontsoldaten]]></category>
		<category><![CDATA[Schinkel]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Jüdische Museum liegt im bekannten Berliner Bezirk Kreuzberg, ebenso wie ein 66 Meter hoher Berg, nach dem der Stadtteil 1920 benannt worden ist. Knapp 100 Jahre früher wurde ein Denkmal Friedrich Schinkels zur Erinnerung an die Befreiungskriege gegen Napoleon &#8230; <a href="http://www.jmberlin.de/blog/2013/04/eiserne-kreuze-in-kreuzberg/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Das Jüdische Museum liegt im bekannten Berliner Bezirk Kreuzberg, ebenso wie ein 66 Meter hoher Berg, nach dem der Stadtteil 1920 benannt worden ist. Knapp 100 Jahre früher wurde ein Denkmal Friedrich Schinkels zur Erinnerung an die Befreiungskriege gegen Napoleon auf dem Berliner Hügel errichtet. Dekoriert war und ist es bis heute an seiner Spitze mit einem Eisernen Kreuz. Dessen Geburtsstunde war der 10. März 1813: Am Geburtstag seiner verstorbenen Königin Luise stiftete es der Preußische König Friedrich Wilhelm III. vor gut 200 Jahren. In der Sammlung des Kupferstichkabinetts ist eine <a title="Link zur Entwurfszeichnung auf der Website des Kupferstichkabinetts - öffnet in neuem Fenster" href="http://www.smb.museum/schinkel/index.php?id=1505461" target="_blank">Entwurfszeichnung von Schinkel zum Eisernen Kreuz</a> überliefert. Sowohl 1870 als auch 1914 erfolgten weitere Stiftungen des Eisernen Kreuzes durch die Kaiser Wilhelm I. und II. als Auszeichnung für besondere Verdienste deutscher Soldaten.</p>
<p>Zahlreiche Eiserne Kreuze befinden sich auch in der Sammlung des Jüdischen Museums, in vielen Fällen mit den dazugehörigen Verleihungsurkunden.</p>
<div id="attachment_1117" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.jmberlin.de/blog/jmbblog-de/wp-content/uploads/2013/04/Eiserne-Kreuze_Blick-in-die-Datenbank_w.jpg"><img class="size-full wp-image-1117" alt="Abbildungen von 50 Eisernen Kreuzen" src="http://www.jmberlin.de/blog/jmbblog-de/wp-content/uploads/2013/04/Eiserne-Kreuze_Blick-in-die-Datenbank_w.jpg" width="600" height="332" /></a><p class="wp-caption-text">Eiserne Kreuze in Kreuzberg – Blick in die Objektdatenbank des Jüdischen Museums<br />© Jüdisches Museum Berlin</p></div>
<p>Sie beziehen sich fast ausschließlich auf die Zeit des Ersten Weltkriegs, an dem auf deutscher Seite ca. 100.000 jüdische Soldaten teilnahmen. Unter ihnen waren auch <a title="Link zum Sammeldatensatz in der Objektsuche Online des Jüdischen Museums Berlin - öffnet in neuem Fenster" href="http://objekte.jmberlin.de/object/jmb-obj-6131" target="_blank">Julius Fliess</a> (1876-1955) und <a title="Link zur Beschreibung der Ordenssammlung von Max Haller auf der Website des Jüdischen Museums Berlin - öffnet in neuem Fenster" href="http://www.jmberlin.de/main/DE/03-Sammlung-und-Forschung/00-LPdetails/haller-orden-content.php " target="_blank">Max Haller</a> (1892-1960), deren Orden zum Bestand des Jüdischen Museums gehören.<span id="more-1116"></span></p>
<div id="attachment_1119" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.jmberlin.de/blog/jmbblog-de/wp-content/uploads/2013/04/Orden_Max_Haller_w.jpg"><img class="size-medium wp-image-1119 " alt="Samtkissen mit Ordenssammlung" src="http://www.jmberlin.de/blog/jmbblog-de/wp-content/uploads/2013/04/Orden_Max_Haller_w-300x230.jpg" width="300" height="230" /></a><p class="wp-caption-text">Orden von Max Haller (1892-1960), 1915-1918<br />© Jüdisches Museum Berlin, Schenkung von <br />I. Dinah Haller, Foto: Jens Ziehe</p></div>
<p>Eine besondere Spielart der Eisernen Kreuze sind die sogenannten »Ehrenkreuze«. Diese wurden im Juli 1934 von Reichspräsident Hindenburg anlässlich des 20. Jahrestages des Kriegsbeginns 1914 gestiftet und an ehemalige Weltkriegsteilnehmer und die Witwen und Eltern gefallener Soldaten verliehen. In der C.V.-Zeitung, einem Wochenblatt der deutsch-jüdischen Presse mit hoher Auflage, hieß es im Artikel »Das Ehrenkreuz« vom 19. Juli 1934:</p>
<blockquote><p>»[…] Die deutschen Juden, auf die die Bestimmungen der Stiftung zutreffen, aber über sie hinaus alle deutschen Juden, werden das Ehrenkreuz mit Stolz tragen und damit die Erinnerung an eine große Zeit gemeinsamer deutscher Geschichte lebendig erhalten.«</p></blockquote>
<p>Zwanzig dieser Ehrenkreuze aus den Jahren 1934-1937 befinden sich in der Sammlung des Jüdischen Museums. Peu à peu werden sie in nächster Zeit zusammen mit biografischen Informationen zu ihren früheren Besitzern in der <a title="Link zur Online-Suche in den Sammlungen des Jüdischen Museums Berlin - öffnet in neuem Fenster" href="http://www.jmberlin.de/main/DE/03-Sammlung-und-Forschung/Sammlungen-durchsuchen.php" target="_blank">Online-Datenbank des Jüdischen Museums Berlin</a> der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.</p>
<div id="attachment_1118" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://www.jmberlin.de/blog/jmbblog-de/wp-content/uploads/2013/04/Orden_Julius_Fliess_w.jpg"><img class="size-medium wp-image-1118 " alt="Sammlung von Orden, Ehrenzeichen und Emblemen" src="http://www.jmberlin.de/blog/jmbblog-de/wp-content/uploads/2013/04/Orden_Julius_Fliess_w-300x242.jpg" width="300" height="242" /></a><p class="wp-caption-text">Orden von Julius Fliess (1876-1955), 1914-1918<br />© Jüdisches Museum Berlin, Schenkung von Dorothee Fliess, Foto: Jens Ziehe</p></div>
<p>Im Gedächtnis deutsch-jüdischer Familien, insbesondere bei den Kindern der Kriegsteilnehmer und Stiftern von Familienkonvoluten an das Jüdische Museum haben Erzählungen und die materielle Überlieferung zum Ersten Weltkrieg einen hohen Stellenwert. Häufig wurden diese Memorabilia dem Museum als erste, manchmal auch als einzige Objekte zur Familiengeschichte angeboten. In vielen Gesprächen mit Stiftern war und ist der Erste Weltkrieg ein zentrales Thema. Die Erzählungen dazu sind immer mit der nachfolgenden Katastrophe verknüpft, und ihre Aufzeichnung ist uns ein zentrales Anliegen.</p>
<p>Deutlich steht mir eine Begegnung vor Augen, die am 28. September 2000 in meinem Büro im Libeskind-Bau stattfand, ein Jahr bevor das Museum eröffnete. Eine alte Dame, gebürtige Berlinerin, wohnhaft in Sydney, erzählte von ihrem Vater – Weltkriegsteilnehmer, hoch dekoriert, Mitglied des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten. An dem Tag im Jahr 1938, als die Familie Deutschland Richtung Australien verließ, ging er mit seiner Tochter ein letztes Mal in den Tiergarten. Dort warf er weinend seine Eisernen Kreuze in die Spree. Dieser Moment hatte sich seiner Tochter unauslöschlich eingeprägt, und 62 Jahre später sprach sie darüber, als wäre es gestern geschehen.</p>
<p style="text-align: right;"><em>Leonore Maier, Sammlungen</em></p>
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		<title>Von Wagner bis zum Wetter</title>
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		<pubDate>Fri, 19 Apr 2013 07:00:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mirjam Bitter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Die ganze Wahrheit]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Im Jüdischen Museum Berlin]]></category>
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		<description><![CDATA[Meine zwei Stunden als lebendiges Ausstellungsstück in der Ausstellung »Die Ganze Wahrheit« Das war eine wahrlich außergewöhnliche Erfahrung. Die besten Momente waren die, als die Besucher nicht nur mit mir in der Vitrine, sondern untereinander zu reden anfingen. Diese Gespräch &#8230; <a href="http://www.jmberlin.de/blog/2013/04/von-wagner-bis-zum-wetter/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Meine zwei Stunden als lebendiges Ausstellungsstück in der Ausstellung »<a title="Link zur Ausstellungswebsite - öffnet in neuem Fenster" href="http://www.jmberlin.de/main/DE/01-Ausstellungen/02-Sonderaustellungen/2013/ganze-wahrheit.php" target="_blank">Die Ganze Wahrheit</a>«</h2>
<p>Das war eine wahrlich außergewöhnliche Erfahrung. Die besten Momente waren die, als die Besucher nicht nur mit mir in der Vitrine, sondern untereinander zu reden anfingen. Diese Gespräch führten dann von Wagner bis zum Wetter und kreisten nicht ›nur‹ darum, wie es sich anfühlt, in Deutschland jüdisch – in meinem Fall als Tochter einer amerikanischen Jüdin und eines deutschen, ehemals evangelischen Vaters – aufgewachsen zu sein, und ob es nicht merkwürdig ist, in so einer Glasvitrine zu sitzen.</p>
<div id="attachment_1137" class="wp-caption alignleft" style="width: 263px"><a href="http://www.jmberlin.de/blog/jmbblog-de/wp-content/uploads/2013/04/Signe_vitrine_1_w.jpg"><img class=" wp-image-1137 " alt="Eine Frau sitzt auf einer Bank in einem vorne offenen Glaskasten" src="http://www.jmberlin.de/blog/jmbblog-de/wp-content/uploads/2013/04/Signe_vitrine_1_w-281x300.jpg" width="253" height="270" /></a><p class="wp-caption-text">Signe Rossbach in der Ausstellung »Die Ganze Wahrheit«, 8. April 2013<br />© Jüdisches Museum Berlin, Foto: Michal Friedlander</p></div>
<p>Ich musste plötzlich an meinen Abschied aus New York denken, als ich 1998 nach Deutschland zurückkehrte (obwohl ich mir das damals nicht so eingestehen wollte). Mein Chef, ein deutscher Verleger in New York, war gerade vom neugewählten Kanzler zum ersten deutschen Staatsminister für Kultur ernannt worden, und er hatte mir angeboten, im Kanzleramt weiter für ihn zu arbeiten, erst in Bonn, dann in Berlin. Beim Abschiedsumtrunk im Verlag, also, grinste ein Lektor: »Na, in der deutschen Regierung zu arbeiten, das ist ja der perfekte Job für eine brave kleine Jüdin!« Ich dachte darüber nach und sagte: »Genau.«</p>
<p>So kam ich dann auf Umwegen ins Jüdische Museum Berlin, wo ich seit zwölf Jahren arbeite, und – an einem scheinbar ruhigen Montagmittag – letztendlich auch in diese Vitrine. In meinen zwei Stunden als lebendiges Ausstellungsstück ….<span id="more-1136"></span></p>
<h2>…wurde ich gefragt:</h2>
<p>Von einer deutschen Besucherin: »Ist es im Judentum Pflicht, regelmäßig am Gottesdienst in der Synagoge teilzunehmen?«</p>
<p>Von einer französischen Dame: »Meinen Sie nicht auch, dass es ein großer Fehler war, dass die Alliierten (sic!) nach dem Zweiten Weltkrieg den Staat Israel gegründet haben?«</p>
<p>Von einem deutschen Studenten: »Ist es richtig, dass die Juden keine Belohnung in einem Leben nach dem Tod erwarten, sondern sich in ihrem Handeln auf das Diesseits konzentrieren?«</p>
<p>Von einem Amerikaner, der mich laut und mit starkem amerikanischem Akzent ansprach, auch nachdem ich ihm auf Englisch geantwortet hatte (offensichtlich wandte er sich an ein größeres – wenn auch größtenteils imaginäres – Publikum): »Schämen Sie sich nicht, in dieser Box zu sitzen? Müssen die armen, armen Deutschen sich jetzt von den Juden auch noch das Judentum erklären lassen? Ist das wirklich unser Job?«</p>
<p>Von zwei älteren deutschen Damen: »Das ist ja alles schön und gut, aber ist Ihr Sohn beschnitten?«</p>
<h2>…durfte ich an verschiedenen Unterhaltungen teilhaben, die aus dieser merkwürdigen Konstellation mit der Vitrine erwuchsen:</h2>
<p>Ein amerikanischer Gentleman alter Schule, dessen Eltern um die vorige Jahrhundertwende vor den Pogromen des Zaren aus Kiew in die USA flüchteten, fragte eine Bremer Lehrerin nach ihrer  Kindheit.  Ihr Vater war ein einfacher Tischler mit wenig Schulbildung gewesen, erzählte sie uns. Er weigerte sich, in die NSDAP einzutreten, und daraus seien ihm keine besonderen Nachteile erwachsen. Beide Eltern hätten ihrer Tochter (Jahrgang 1941) gegenüber immer wieder beteuert, dass diejenigen Deutschen, die die Nazis unterstützt hatten, es aus völlig freien Stücken getan hatten, ob aus Überzeugung oder Opportunismus – auch wenn sie es nach dem Krieg gerne anders darstellten.</p>
<p>Eine Gruppe von Deutschen um die zwanzig sprach mit einem israelischen Ehepaar Mitte dreißig, das zum ersten Mal in Deutschland und Berlin war. Ursprünglich hatten sie ein romantisches Wochenende geplant, weil sie so viel von Berlin gehört hatten, meinte die Frau mit steinernem Gesicht. Aber jetzt fühle sie sich ständig unwohl, sie können es nicht ertragen, auf der Straße Deutsch zu hören, vor allem in den Bahnhöfen, die deutschen Stimmen über die Lautsprecher. Sie wisse, dass das unfair und irrational sei, aber sie habe Alpträume, und könne den Rückflug kaum erwarten. »Wie hält man es aus, hier zu leben?«</p>
<p>Ein Rabbiner aus New Jersey erzählte uns von seinen zwei Geburtsurkunden: Ende der 1960er Jahre im Münchner Stützpunkt der US-Armee geboren, steht in der ersten »Religion: Evangelisch«. Als sich sein Vater, ein Militärgeistlicher, beschwerte, bekam er eine zweite ausgehändigt: »Religion: Mosaisch«. Es sei ihnen unmöglich, erklärten die Beamten dazu, das Wort ›Jüdisch‹ oder gar ›Jude‹ auf ein offizielles Dokument zu schreiben.</p>
<p>Eine schüchterne, ältere Frau aus Dresden lächelte mich freundlich an und antwortete, als ich mich zum Gespräch anbot: »Wissen Sie, ich habe ganz viele Fragen, aber keine, bei denen Sie mir helfen könnten. Ich bin voller Fragen an meine Eltern – die waren eifrige, überzeugte Nazis. Jetzt sind sie schon lange tot, und als ich noch die Möglichkeit gehabt hätte, habe ich sie nie gefragt.« Ihre Augen füllten sich mit Tränen, und meine auch, aber dann legte sie mir die Hand auf den Arm und sagte: »Danke, dass sie hier sitzen, in diesem Jüdischen Museum.«</p>
<p>Und, in einem dieser sinnig sinnlosen Zufälle, die man einfach nur feststellen kann, traf ich um 14:30 Uhr ein über achtzigjähriges Ehepaar aus San Francisco, das hier in Berlin war, um den Ring in der Staatsoper zu sehen (ihren fünften kompletten Ring); und um 15:15 Uhr kam eine junge Sängerin von der Upper West Side in New York mit ihren Eltern an meiner Vitrine vorbei, die gerade vor ein paar Tagen im Parsifal an der Deutschen Oper gesungen hatte.</p>
<h2>…und schließlich habe ich eine Sache gelernt:</h2>
<p>Eine jüdische Mutter fragt ihr Kind nach der Schule nicht: »Was hast Du heute gelernt?«, sondern: »Welche Fragen hast Du heute gestellt?«</p>
<p>Das muss ich mir merken, für die Zeit, wenn meine Töchter und mein (unbeschnittener!) Sohn in die Schule kommen.</p>
<p style="text-align: right;"><em>Signe Rossbach, Kuratorin für Veranstaltungen</em></p>
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		<title>Worüber wir reden, wenn wir über Anne Frank reden – Eine Bestandsaufnahme</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Apr 2013 13:15:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>naomi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Junge jüdische Autorinnen und Autoren]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
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		<description><![CDATA[Bisher haben literarische Texte über jüdische Themen auf unterschiedliche Weise zur Entwicklung der jüdischen Kultur beigetragen. Einige Texte bezweckten die Dokumentation und Wiederbelebung der mündlichen Überlieferung und des Volksmärchens, um sie vor dem Vergessen zu bewahren (z.B. Martin Bubers Die &#8230; <a href="http://www.jmberlin.de/blog/2013/04/woruber-wir-reden-wenn-wir-uber-anne-frank-reden-eine-bestandsaufnahme/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Bisher haben literarische Texte über jüdische Themen auf unterschiedliche Weise zur Entwicklung der jüdischen Kultur beigetragen. Einige Texte bezweckten die Dokumentation und Wiederbelebung der mündlichen Überlieferung und des Volksmärchens, um sie vor dem Vergessen zu bewahren (z.B. Martin Bubers <i>Die Erzählungen der Chassidim</i>). Mit anderen wurden jüdische Themen der Mehrheitsbevölkerung <img class="alignright size-medium wp-image-1053" alt="Seite aus Nathan Englanders Worüber wir reden, wenn wir über Anne Frank reden" src="http://www.jmberlin.de/blog/jmbblog-de/wp-content/uploads/2013/04/englander-ten-girls-300x225.jpg" width="300" height="225" />zugänglich gemacht (wie Sidney Taylors <i>All-of-a-Kind Family</i>), während wieder andere dem Wiederaufbau einer jüdischen Gemeinschaft vor dem Hintergrund gemeinsamer Erfahrungen von Ritual, Emigration und Verfolgung dienten (so Friedrich Torbergs <i>Die Tante Jolesch: oder Der Untergang des Abendlandes in Anekdoten</i>).</p>
<p>Nathan Englander, einer der anspruchsvollsten und provokantesten Autoren der Gegenwart, teilt keine dieser Absichten. Sein neustes Buch, <i>Worüber wir reden, wenn wir über Anne Frank reden</i>, ist eine Sammlung von acht Kurzgeschichten. Lose zusammengehalten werden sie durch den Titel der ersten Geschichte (der zugleich ein Zitat aus dieser ist), in der es um eine hitzige Debatte über den Genozid geht; der Titel bezieht sich auf Anne Frank nicht als historische Figur, sondern als Metonymie des Opfers. In den Geschichten wird über die Auswirkung jüdischer Themen wie Religion, Holocaust und Israel sowie die moderne jüdische Identität reflektiert. Dabei ist der Blick des Autors der eines Insiders – er wurde 1970 als Sohn jüdisch-orthodoxer Eltern in New York geboren – und zudem kritisch. Mit seinen fesselnden, sehr persönlichen und nahegehenden Geschichten, die an Theaterszenen erinnern und von intensiven Dialogen durchdrungen sind, hinterfragt er die Gültigkeit jüdischer kultureller Praxis:<span id="more-1046"></span></p>
<p>Ein Wohnzimmer in Florida. Zwei ehemalige Jeschiwa-Schülerinnen treffen sich wieder, stellen einander ihre ungleichen Ehemänner vor und amüsieren sich über ihre unterschiedlichen Lebensentwürfe: Die eine ist zehnfache Mutter und lebt im ultra-orthodoxen Teil Jerusalems, die andere lebt mit ihrem Mann und einzigem Sohn außerhalb Miamis. Alle Beteiligten achten darauf, ultra-orthodoxe Praktiken genau einzuhalten aus Respekt vor Mark, der seine religiöse Hingabe zusammen mit seinem selbstgewählten Namen, Yerucham, ostentativ zur Schau stellt. Vorsichtig und mit viel gutem Willen gelingt es den Vieren, eine Unterhaltung in Gang zu halten, wobei potenzielle Kontroversen schnell geglättet oder abgebogen werden. Alkohol und Marihuana helfen, die Spannung zu mildern, <a href="http://www.jmberlin.de/blog/jmbblog-de/wp-content/uploads/2013/04/englander-facebook-skype1.jpg"><img class="size-medium wp-image-1055 alignleft" alt="englander-facebook-skype" src="http://www.jmberlin.de/blog/jmbblog-de/wp-content/uploads/2013/04/englander-facebook-skype1-300x225.jpg" width="300" height="225" /></a>doch unter ihrem Einfluss lässt Marks Ehefrau Shoshana durchblicken – oder eher: es gelingt ihr nicht mehr zu verbergen – wie es ihrer Meinung nach wirklich um die moralische Beschaffenheit ihres Mannes steht. Mit einem ehrlichen Blick stellt sie nicht nur ihre Beziehung in Frage, sondern, was schwerer wiegt, zugleich den Sinn, die Ethik und Effektivität sämtlicher jüdisch-religiöser Praktiken.</p>
<p>Ein Sommerlager für jüdische Senioren an der Ostküste der USA. Josh, ein junger, ehrgeiziger Betreuer organisiert Ausflüge, Lesezirkel und Kaffeestündchen, um seinen Schützlingen kulturell angemessene Geselligkeit und Unterhaltung bieten zu können. Dabei wird es gefährlich, weil zwei der Sommergäste in einem dritten einen Nazi-Kapo vom Konzentrationslager Treblinka zu erkennen meinen und nun zu Selbstjustiz greifen wollen.</p>
<p>Ein dünn besiedelter Hügel im Osten Jerusalems. Zwei Familien sind dabei, sich in den noch unerbittlichen, besetzten Gebieten anzusiedeln. Die Lebensbedingungen sind desolat, und den Familien steht ein zusätzlicher Härtetest bevor, als die Männer 1973 in den Jom-Kippur-Krieg ziehen. Unter diesen isolierten und extremen Bedingungen erkrankt ein Kleinkind schwer. Die verzweifelte Mutter greift auf ein altes jüdisches Ritual zurück: Sie verkauft ihre Tochter symbolisch, um ihr Leben zu retten. Das Mädchen überlebt. Etwa zwanzig Jahre später stehen sie und der Hügel in voller Blüte. Doch der Frau, die das Kind ›gekauft‹ hat, ist es schlecht <a href="http://www.jmberlin.de/blog/jmbblog-de/wp-content/uploads/2013/04/englander-coke.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-1052" alt="englander-coke" src="http://www.jmberlin.de/blog/jmbblog-de/wp-content/uploads/2013/04/englander-coke-300x198.jpg" width="300" height="198" /></a>ergangen. Ihr Mann und ihre drei Söhne haben ihr Leben für Israel lassen müssen. Sie will Vergeltung und beruft sich auf das jüdische Gesetz, demzufolge sie das ehemalige Kleinkind für sich beanspruchen kann, auch wenn sie damit das Leben der nun jungen Erwachsenen ruiniert.</p>
<p>Alle Geschichten gehen zunächst von der Prämisse aus, dass die jüdische Religion, die jüdischen Überlebenden und der jüdische Staat gewisse Anstrengungen erfordern und verdienen. Doch die Geschichten enden schließlich mit der Zurückweisung dieses Denkansatzes. Andere Gegenwartsautoren nennen Englander »kühn« (Dave Eggers), »unerschrocken« (Jonathan Safran Foer) und »wagemutig« (Jonathan Franzen), weil er sich weigert, bei der Darstellung des Judentums in der Kunst alten Muster und Traditionen zu folgen. Insbesondere für junge Juden in den USA und in Teilen Europas, die in florierenden Gemeinschaften und mit einer Fülle von jüdischen Filmen, Ausstellungen und jüdischer Kunst aufgewachsen sind, muss Englanders Stimme an das Kind in <i>Des Kaisers neue Kleider</i> erinnern, wenn es listig fragt: Worüber reden wir wirklich, wenn wir über Anne Frank reden?</p>
<p>Nathan Englander, <i>What We Talk About When We Talk About Anne Frank</i>, London: Weidenfeld &amp; Nicolson 2012; <i>Worüber wir reden, wenn wir über Anne Frank reden</i>, übersetzt von Werner Löcher-Lawrence, München: Luchterhand Literaturverlag 2012.</p>
<p style="text-align: right;"><em>Naomi Lubrich, Medien</em></p>
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