Von Drahtgänsen und Fahrstuhlschildern

Objekte zur Geschichte unseres Museums

Junge Frau mit blauen Handschuhen schaut sich bunte Schilder von Mitarbeitern des Museums an

Volontärin Lisa Renner bei der Inventarisierung; Jüdisches Museum Berlin, Foto: David Studniberg

Ich erinnere mich noch gut an einen meiner ersten Arbeitstage im Museum vor einigen Monaten. Zusammen mit meinen beiden neuen Kolleginnen fuhr ich mit dem Aufzug ein Stockwerk tiefer. Wir passierten zwei gesicherte Türen und waren angekommen: im Depot. Dort türmten sich auf zwei Regalen aus Eisen prall gefüllte Kisten und Schachteln sowie Gegenstände aller Art — und damit meine Aufgabe für die nächsten acht Monate als wissenschaftliche Volontärin im Jüdischen Museum Berlin: der Aufbau einer kleinen Spezialsammlung zur Geschichte des Hauses.

Etwas ratlos wühlte ich in dem Sammelsurium von Ausstellungsfaltblättern, Einladungen und Fotos, die mir unbekannte Menschen zeigten, und fragte mich, was eigentlich eine Drahtgans auf Skateboard-Rollen oder ein altes Fahrstuhlschild im Museum machen.  weiterlesen

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Brot und Golems

Sechs Golem-Tonfiguren in einem Ladenregal

Souvenirshop in Prag, 2016; Foto: Katharina Schmidt-Narischkin

In den Prager Souvenirläden sind sie allgegenwärtig: die klobigen, mechanisch-massigen Golem-Figuren, die ihre Popularität dem Film Der Kaiser und sein Bäcker von 1951 verdanken. Der tschechische Komödien-Klassiker heißt im Original Císařův pekař – Pekařův císař und wurde von Martin Frič and Jiří Krejčík als Verwechslungskomödie mit politischer Botschaft konzipiert. Ein cholerischer Kaiser Rudolf II. und sein korrupter Hofstaat suchen mal nach dem Elixier ewiger Jugend, mal nach einem Rezept, um aus Blei Gold zu machen – vor allem aber wollen sie den legendären Golem finden. Denn dieses Sammlungsstück fehlt in der kaiserlichen Wunder- und Kuriositätenkammer noch. Auf der Suche nach dem Golem kommt es zu einem fulminanten Rollentausch zwischen Rudolf und seinem kaiserlichen Bäcker Matej. Ein Seitenwechsel, von dem beide auf ihre Weise profitieren:  weiterlesen

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Halbzeit für (den) GOLEM – was sagen unsere Besucher*innen?

Ein weißgestrichener Raum mit Zeichnungen an den Wänden und einem Spiegel in der Raummitte

Blick in einen Raum der Ausstellung GOLEM; Jüdisches Museum Berlin, Foto: Yves Sucksdorff

Laura, 23, Rumänien, Architekturstudentin

Welchen Eindruck haben Sie von der Ausstellung?

Sie ist faszinierend und zugleich irgendwie gruselig. Man hat das Gefühl, die ausgestellten Kreaturen könnten jeden Moment zum Leben erwachen.

Welcher Raum oder welches Objekt hat Sie besonders angesprochen?

Der Raum mit den Spiegeln hat mir gefallen. Meine Freundin und ich hatten viel Spaß dabei, unsere Spiegelbilder zu fotografieren. Später habe ich dann überlegt, ob die Raumgestaltung eine Metapher für das »Über-sich-selbst-hinaussehen« sein soll.

Wer oder was sind Ihrer Meinung nach die Golems von heute?

Als Kind hat man Puppen, Spielfiguren und manchmal unsichtbare Freunde. Mit ihnen können wir reden und sie dazu bringen, das zu tun, was wir wollen.

Edgar (49), Deutschland, Informatiker

Welchen Eindruck haben Sie von der Ausstellung?  weiterlesen