Veröffentlicht von am 30. Oktober 2015 0 Kommentare

Was außerdem in der Box geschah …

Die vielen Gesichter von Isaak und Ismael, Teil 4

Noch bis 15. November 2015 läuft unsere Ausstellung »Gehorsam. Eine Installation in 15 Räumen von Saskia Boddeke & Peter Greenaway«. Die multimediale Kunstinstallation blickt aus der Perspektive der Söhne auf die biblische Erzählung von Abraham, der auf Gottes Befehl hin seinen Sohn opfern soll. In einer Filmprojektion zum Auftakt der Ausstellung begrüßen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene die Besucherinnen und Besucher in vielen Sprachen mit den Worten »Ich bin Isaak« oder »Ich bin Ismael«.

Als interaktives Pendant dazu steht in der Eric F. Ross Galerie im Erdgeschoss des Libeskind-Baus eine Videobox, in der sich unsere Besucherinnen und Besucher diese Worte zu eigen machen können. So identifizieren sie sich ebenfalls mit der kindlichen Perspektive auf die Erzählung der Beinahe-Opferung. In den vergangenen Monaten haben wir bereits eine kleine Auswahl der vielen so entstandenen Videoclips hier im Blog präsentiert.

Die Zusammenstellung der Clips besorgte erneut Lisa Albrecht, die feststellen konnte, dass Isaak und Ismael nicht nur viele Gesichter, sondern auch viele Namen haben.

Doch nicht alle Museumsgäste sind so ›gehorsam‹, den eigentlichen Auftrag der Box zu erfüllen:  weiterlesen


Mensch oder Macht?

Eindrücke von der Ausstellung »Gehorsam« aus muslimischer und christlicher Sicht

Eine Frau mit kurzen Haaren steht links im Hintergrund, im Vordergrund eine Frau mit blauem Kopftuch, die in ein Mikrofon spricht

Silke Radosh-Hinder und Emine Erol im »Golden Room« © Jüdisches Museum Berlin, Foto: Svea Pietschmann

Während der Langen Nacht der Museen konnten unsere Besucherinnen und Besucher die aktuelle Sonderausstellung »Gehorsam. Eine Installation in 15 Räumen von Saskia Boddeke & Peter Greenaway« auf besondere Art und Weise neu entdecken. Die Imamin Emine Erol und die Pfarrerin Silke Radosh-Hinder boten gemeinsame Führungen an. Wir haben die beiden gefragt, welche Erfahrungen sie dabei gemacht haben und ob ihnen die gemeinsamen Führungen neue Erkenntnisse und Perspektiven auf die biblische Geschichte eröffnet hat.

Frau Erol, Frau Radosh-Hinder, wie würden Sie die Ausstellung mit eigenen Worten beschreiben?

Silke Radosh-Hinder: Für mich ist die Ausstellung vor allem ein multiperspektivischer Näherungsparcours an die Erzählung  der Bindung Isaaks.

Emine Erol: Im Zentrum der Ausstellung »Gehorsam« steht die seelische Verfassung von Ismael/Isaak und seinem Vater Abraham. Über das menschliche Fühlen und Denken sollen auch die Besucherinnen und Besucher am Schluss begreifen, dass solche Hingabe gefährlich und fast tödlich erscheint und was dahinter steckt.  weiterlesen


Veröffentlicht von am 13. Oktober 2015 0 Kommentare

»Bisher wurde immer über uns gesprochen und geschrieben«

In der Reihe »Neue deutsche Geschichten« sind am 14. Oktober 2015 die »Daughters and Sons of Gastarbeiters« (www.gastarbeiters.de) in der Akademie des Jüdischen Museums Berlin zu Gast. Die Berliner Autorinnen und Autoren folgten als Kinder ihren Eltern aus den Dörfern Anatoliens, Südeuropas und des Balkans nach Deutschland oder kamen in einem Arbeiterviertel der Bundesrepublik zur Welt. Ihre Mütter und Väter sollten in Deutschland als »Gastarbeiter« den Wirtschaftsaufschwung beflügeln. Die Autorinnen und Autoren erzählen persönliche Geschichten, blicken zurück, verfolgen die Spuren ihrer Eltern und leisten damit einen Beitrag zur deutschen Erinnerungskultur. Wir haben Çiçek Bacık, Co-Initiatorin und Leiterin des Projekts, vorab drei Fragen gestellt:

Portrait einer Frau mit braunen Haaren vor blauem Hintergrund

Çiçek Bacık © Neda Navaee

Frau Bacık, wie ist das Projekt »Daughters and Sons of Gastarbeiters« entstanden und welche Motivation steckt hinter dem Erzählen dieser sehr persönlichen Geschichten?

Letztes Jahr war ich mit einer Freundin, der Journalistin Ferda Ataman, bei einer Lesung. Danach saßen wir in einer Bar. »Ferda, wir müssen anfangen, unsere Geschichten zu erzählen und diese mit anderen  zu teilen. Wir müssen selbst Licht in ein dunkles Kapitel unserer Vergangenheit bringen, das wir erfolgreich verdrängt haben«, sagte ich. »Ja, was hält uns denn davon ab?« Das war der Startschuss für die »Daughters and Sons of Gastarbeiters« und unsere erste Lesung fand im Januar 2015 im Wasserturm Kreuzberg statt.  weiterlesen