Von der Reklamemarke zur Tiersammelkarte: Über kleine Sammler und große Leidenschaften

»Reklamemarken?« Kurze Pause, leicht ratloses Gesicht. »Und… was sind Reklamemarken?« So oder ähnlich reagierten sämtliche meiner Freunde und Bekannten, wenn ich ihnen in den letzten Monaten erzählte, ›an was ich denn gerade im Museum so arbeite‹: an einer Ausstellung zu Reklamemarken nämlich.

Ein Mann, aus dessen Hut Reklamemarken fallen

Reklamemarke des Verlags M. Fickel
© Jüdisches Museum Berlin, Foto: Jens Ziehe, Schenkung von Peter-Hannes Lehmann

Reklamemarken, antwortete ich dann, sind kleine Werbebildchen, etwas größer als Briefmarken, mit denen vor ziemlich genau hundert Jahren Werbung für Produkte und Geschäfte gemacht wurde. Einige dieser Marken wurden sogar von bekannten Künstlern wie Lucian Bernhard gestaltet und außerdem auch gesammelt – vor allem von Kindern.

Sehr viel mehr wusste ich selbst auch nicht über Reklamemarken, bevor ich für unsere Kabinettausstellung »Sammelwut und Bilderflut – Werbegeschichte im Kleinformat« zu recherchieren begann, die vom 4. Dezember 2014 bis zum 31. Mai 2015 im Rafael Roth Learning Center zu sehen ist. Um mehr darüber herauszufinden, welche Bedeutung Reklamemarken vor dem Ersten Weltkrieg hatten, recherchierte ich in zeitgenössischen Reklamehandbüchern und Zeitschriften.
In ersteren fand ich relativ wenig zum Thema, denn  weiterlesen


Frage des Monats:
»Warum müssen die Frauen die Haare nach der Hochzeit entweder mit Perücke oder mit Kopftuch bedecken?«

Wand voller rosa Notizzettel

Fragemauer, Ausstellung “Die ganze Wahrheit” © Jüdisches Museum Berlin, Foto: Thomas Valentin Harb

Vor über einem Jahr endete am Jüdischen Museum die Sonderausstellung mit dem Titel »Die ganze Wahrheit…was Sie schon immer über Juden wissen wollten«. Übrig blieben – neben regen Diskussionen und leeren Schaukästen – Tausende pinkfarbener Post-its, die wir aufbewahrt und sorgfältig gelesen haben. Einige der Fragen, Kommentare und Eindrücke, die Besucher uns hier hinterließen, wollen wir in den kommenden Monaten in diesem Blog beantworten, so auch diese:
Orthodoxe Frauen zeigen nach der Hochzeit ihre Haare nicht mehr in der Öffentlichkeit.  weiterlesen


Die Welt im Kleinformat – Restaurierung und Verpackung eines Briefmarkenalbums

Eine Briefmarke mit einem angelösten Falz

Eine Briefmarke mit einem angelösten Falz © Jüdisches Museum Berlin, Schenkung von Kurt W. Roberg, Foto: Kirsten Meyer

In diesem Jahr erhielt das Jüdische Museum Berlin eine Schenkung von Kurt Roberg (geb. 1924), die unter anderem auch ein Briefmarken-Album umfasst. Das Album gehört zu den wenigen Dingen, die Roberg im Mai 1941 bei seiner Flucht von Berlin über Lissabon nach New York begleiteten. Da es jüdischen Emigranten untersagt war, ihr eigenes Hab und Gut aus Deutschland auszuführen, wurde es für Roberg zu einem Symbol seines persönlichen Sieges gegen die nationalsozialistische Diktatur.

Das Album besteht  weiterlesen