Über Zugehörigkeiten und familiäre Kontroversen: ein Gespräch über eine Beschneidung, die nicht stattfand

Säugling, der Mittel- und Ringerfinger spreizt

Noch bevor die Beschneidungfrage endgültig geklärt ist, übt der Sohn schon einmal … © privat

Signe und Darrell sind seit Langem ein Paar. Sie haben sich in den USA kennengelernt, leben seit 15 Jahren in Berlin und haben mittlerweile zwei Töchter und einen Sohn. Signe stammt mütterlicherseits aus einer amerikanisch-jüdischen Familie, ihr Vater kommt aus einer deutsch-evangelischen; Darrell ist 100 % Nordamerikaner – in seiner Familie gibt es puritanische Pastoren, Unitarian Ministers, Mormonen, katholische Befreiungstheologen, liberale Muslime, säkulare Juden. Ich habe mich mit den beiden über die Beschneidung unterhalten und darüber, welche Rolle für sie die jüdische Tradition bei der Erziehung ihrer Kinder spielt.

Ihr habt zuerst eine Tochter und dann Zwillinge bekommen, von denen einer ein Junge ist. Hat euch die Frage, ob ihr euren Sohn beschneiden lassen wollt, während der Schwangerschaft sehr beschäftigt?
Signe: Als ich erfahren habe, dass einer der Zwillinge ein Junge wird, war mein erster Gedanke,  weiterlesen


Eine Preview als #TweetUp zu #Hautab

»Wortraum« zum abrahamitischen Bundschluss auf Hebräisch, Arabisch, Deutsch und Englisch  © Jüdisches Museum Berlin, Foto: Yves Sucksdorff

»Wortraum« zum abrahamitischen Bundschluss auf Hebräisch, Arabisch, Deutsch und Englisch
© Jüdisches Museum Berlin, Foto: Yves Sucksdorff

Am Abend vor der Ausstellungseröffnung von »Haut ab! Haltungen zur rituellen Beschneidung« konnten einige Blogger und Twitterer einen Blick hinter die Kulissen im Jüdischen Museum Berlin werfen. In der Endphase des Aufbaus führten Programmdirektorin Cilly Kugelmann und Kuratorin Martina Lüdicke die Gruppe erstmals durch die neue Ausstellung. In konzentrierter und ruhiger Atmosphäre wurden originelle, ernste und auch mal ironische Tweets in 140 Zeichen verfasst, die wir nun zu einem virtuellen Rundgang in drei Sprachen zusammengestellt haben. Fotos und Tweets spiegeln die vielen Aspekte der großen Ausstellung um das kleine Stück Vorhaut – von der Installation »Auf Messers Schneide« über die Objekte und Kunstwerke aus Judentum, Islam und Christentum bis hin zum abschließenden »Resonanzraum«.

Katharina Schmidt-Narischkin und Sylvia Winkler, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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Nach der Ausstellung ist vor der Ausstellung

Wand voller rosa Notizzettel

Fragemauer, Ausstellung »Die ganze Wahrheit«
© Jüdisches Museum Berlin, Foto: Thomas Valentin Harb

Vor über einem Jahr endete am Jüdischen Museum die Sonderausstellung mit dem Titel »Die ganze Wahrheit…was Sie schon immer über Juden wissen wollten«. Übrig blieben – neben regen Diskussionen und leeren Schaukästen – Tausende pinkfarbener Post-its. Besucher hatten ihre Fragen, Kommentare und Eindrücke nach dem Ausstellungsbesuch an eine Betonwand geklebt und dem Museum hinterlassen. Entstanden war eine Art analoges Facebook, das über die Ausstellungsinhalte hinausging. Besucher kommentierten sich gegenseitig und warfen neue Fragen auf: zur Geschichte der Juden in Deutschland, zum Nahostkonflikt, zum Verhältnis von Christentum und Judentum und immer wieder zum Thema Beschneidung. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Jüdische Museum Berlin schon beschlossen, dem brisanten Thema nicht nur einen weiteren Blogbeitrag in der Serie »Frage des Monats«, sondern eine ganze Ausstellung zu widmen.
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