Eine Bibliothek springt über die Straße

Endlich ein Freihandbereich – mit Schwung sind wir in unser Glück gestoßen worden. Nach einigen baulichen Verzögerungen hatten wir einen festen Umzugstermin. Aus den abgeschiedenen Räumen im 3. Stock des Libeskind-Baus sollte es in die ebenfalls von Daniel Libeskind gestaltete Akademie gegenüber dem Museum gehen.

Im Vordergrund eine Wand mit der Aufschrift »Lesesaal«, im Hintergrund Bücherregale und Lesetische

Der Lesesaal von Bibliothek und Archiv des Jüdischen Museums Berlin
© Jüdisches Museum Berlin, Foto: Mirjam Bitter

Während die einen noch die Bücherpacker im Depot dirigierten, stellte sich für die anderen die Frage, wie dieser neue Lesesaal mit Freihandbereich zu bespielen sei. Die Besucher sollten nun schließlich ohne Anmeldung kommen und gehen können. Fehlende Regalschilder mussten durch provisorische Ausdrucke der Systematik ersetzt werden, an die Eingangstür gehörte eine Information zu den Öffnungszeiten. Außerdem wollte der Shuttle der empfindlichen Rara aus dem Depot über die Straße in den Lesesaal organisiert werden. Zwischendurch trudelten auch noch die Pakete einer umfangreichen Schenkung ein, die zwischen all den Umzugskisten nicht untergehen durfte. Als wir dann eröffneten, erfuhren wir, dass auch ein Pressetermin geplant war.  weiterlesen

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Veröffentlicht von am 14. September 2012

Die Bibliothek als Heimat

Kitaj hat einmal gesagt, für ihn seien die Bücher das, was die Bäume für einen Landschaftsmaler sind.

Mann mit Kisten, durch ein Schlüsselloch gesehen

R.B. Kitaj, Unpacking my Library, 1990-1991 © R.B. Kitaj Estate

Seine Ateliers im Londoner Stadtteil Chelsea und in Westwood, Los Angeles waren mit Büchern vollgestopft, die in Regalen, aber auch rund um seine Staffelei auf dem Boden sich türmten. Schon als Student an der Cooper Union streifte er auf dem Weg zur Kunstschule durch die billigen Buchläden in der 4. Avenue, der größten Bücherstraße der Welt. Hier fand er nicht nur die Klassiker der Moderne wie James Joyce, Ezra Pound, T.S. Eliot und Kafka, sondern vor allem Zeitschriften wie die »Partisan Review« und das amerikanische Surrealisten-Magazin »View«. In Oxford entdeckte er über seinen Lehrer Edgar Wind die Warburg-Schule und kaufte den kompletten Satz des berühmten »Journals of the Warburg Institute«. Die Illustrationen zum »Nachleben der Antike« in Form von Kupferstichen nach antiken Vorlagen regten seine visuelle Phantasie an.  weiterlesen