Ein Hammerschlag vor 75 Jahren

Die Anzeige eines Auktionshauses als letztes Lebenszeichen aus Deutschland

Geöffneter Koffer, in dem verschiedene Dokumente und Fotografien liegen

Franziska Bogdanov beim Auspacken des Koffers von Arno Rosenfeld
Jüdisches Museum Berlin CC-BY Katharina Erbe

In unserem Archiv haben wir Bestände mit ganz unterschiedlichen Überlieferungsgeschichten: Wir erhalten Vorlässe von deutsch-jüdischen Emigranten aus der ganzen Welt, oder deren Kinder wenden sich an uns und übergeben die Nachlässe ihrer Eltern. Einige Stiftungen bekommen wir auch aus Deutschland, oft von Menschen, die selbst nicht jüdisch sind, aber in deren Familien Erinnerungsstücke an jüdische Freunde oder Bekannte überliefert sind.

Ende des vergangenen Jahres erhielten wir eine Schenkung aus dem Nachlass eines ehemaligen Berliners, der kurz zuvor in New Jersey, USA verstorben war. Es handelte sich um einen großen Koffer, der mit Dokumenten, Briefen, Fotografien und auch Objekten bis oben hin gefüllt war.  weiterlesen


Faszination Familiengeschichte

Ein Blick in die Fotosammlung der Familie Radzewski

Wir alle haben eine Familie – ob Vater, Mutter, Kinder, Enkel, Großeltern, Tanten und Onkel oder auch nur Verwandte, die man flüchtig von Familienfeiern oder Fotos kennt. »Der Onkel, der im Ausland lebte, der mit der Tochter und den Enkeln – erinnerst du dich denn nicht mehr?« Das haben wir alle wohl schon mal gehört.

Schwarz-weiß Fotografie: Eine Frau im Kleid und ein siebenjähriges Mädchen stehen an einem Gittertor

Die Stifterin Vera de Jong mit ihrer Mutter Meta Krotoschiner vor dem Eingang ihres Hauses in Chile nach der Emigration, Santiago de Chile, 1952
© Jüdisches Museum Berlin, Schenkung von Vera de Jong, geb. Krotoschiner-Radzewski

Doch was passiert, wenn niemand da ist, der einem alle diese Geschichten immer wieder erzählt? Da bleibt nur ein Foto dieser Menschen – falls man Glück hat –, manchmal eine Postkarte, die jedoch schweigt. So geht es Menschen nicht nur im privaten Rahmen. Auch als Museumsmitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen wir Tag für Tag vor der neuen Herausforderung, insbesondere wenn wir von Stiftern eine Sammlung mit ihren Familienfotografien erhalten haben, die wir inventarisieren. Bei jedem Bild fragen wir uns: Wo war das, wer sind diese Menschen, sind sie nur Freunde oder nahe Verwandte? Was für eine Geschichte steckt hinter diesem Bild?

Zum Glück sind wir nicht alleine – denn die Stifterinnen und Stifter schenken uns meist nicht nur ihre Sammlung, sie erzählen und vertrauen uns ebenfalls ihre Erinnerungen an. So war es auch bei der Familiensammlung von Vera de Jong, geb. Krotoschiner-Radzewski. Vor einem Jahr übergab sie etwa 200 Fotografien den Mitarbeiterinnen der Fotografischen Sammlung unseres Museums (mehr Informationen zur Fotografischen Sammlung auf unserer Website). Meine Aufgabe als wissenschaftliche Volontärin war es nun, diese Bilder zu inventarisieren und ihre Geschichte zu recherchieren. Ich war sofort vom Charme der Bilder bezaubert  weiterlesen


Der tödliche Anschlag auf eine Vision vom Frieden

Erinnerungen an den 4. November 1995

Porträtzeichnung einem Mannes in Anzug und Krawatte

Jitzchak Rabin, gezeichnet von Chaim Topol
CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Heute vor 20 Jahren, am 4. November 1995, wurde der israelische Ministerpräsident Jitzchak Rabin nach Ende einer Friedenskundgebung im Zentrum von Tel Aviv ermordet. Mirjam Wenzel war damals vor Ort:

»Es war ein lauwarmer Abend und auf dem Kikar Malchei Jisrael (hebr.: ›Platz der Könige Israels‹, heute Jitzchak Rabin Platz genannt) inmitten von Tel Aviv drängten sich Menschen mit Transparenten und Botschaften wie etwa ›Schalom Achschaw‹ oder ›Peace Now‹, um Jitzchak Rabin und Shimon Peres ihre Unterstützung auszusprechen und für den Frieden zu demonstrieren. Die Anfeindungen der nationalreligiösen Bewegung auf die Regierung waren in den Wochen zuvor immer heftiger geworden und die Medien berichteten von Schildern in der Hand von demonstrierenden Männern, die Rabin in SS-Uniform zeigten. Dass diese Angriffe tödlichen Charakter haben könnten, vermochte sich – zumindest in meinem Umfeld – allerdings niemand vorzustellen. Im Tel Aviver Büro der Friedrich Ebert-Stiftung, in dem ich damals ein Praxissemester absolvierte, betrachtete man den Osloer Friedensvertrag in politischer wie ökonomischer Hinsicht als irreversible Tatsache.

Dementsprechend nahm ich an der Kundgebung auch weniger teil, weil ich meinte, die Regierung unterstützen zu müssen, sondern vor allem um den Auftritt von Aviv Geffen zu erleben.  weiterlesen

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