Veröffentlicht von am 19. März 2014 0 Kommentare

InderKinder

Über den kreativen Umgang mit Zuschreibungen

Buchcover von »InderKinder« mit einem Foto spielender Kinder

Buchcover
© Draupadi Verlag

In der Akademie des Jüdischen Museums stellen Urmila Goel und Nisa Punnamparambil-Wolf morgen das von ihnen herausgegebene Buch InderKinder – Über das Aufwachsen und Leben in Deutschland (Drapaudi Verlag) vor. Es ist die dritte Veranstaltung der Reihe »Neue deutsche Geschichten«, in der wir anhand von Biografien die Geschichte und Gegenwart Deutschlands als Migrationsgesellschaft beleuchten. In der Lesung und Diskussion kommen dieses Mal die Kinder von Migrantinnen und Migranten aus Indien zu Wort, die erst seit der Green-Card-Kampagne im Jahr 2000 auch öffentlich wahrgenommen werden.

Wir haben den beiden Herausgeberinnen Urmila Goel und Nisa Punnamparambil-Wolf vorab drei Fragen gestellt:

Wie kam es zu dem Buchtitel?

Mit dem Buchtitel nehmen wir Bezug auf die ausgrenzende »Kinder statt Inder«-Kampagne aus dem Jahr 2000. Das Wortspiel »InderKinder« geht ironisch damit um, dieser kreative Umgang mit Zuschreibungen war uns wichtig. Mit dem Buch wollen wir zeigen, wie vielfältig Menschen, die in Deutschland aufgewachsen sind und leben, mit der Zuschreibung umgehen, Kind von indischen Migrantinnen und Migranten zu sein.

Das Buch besteht aus zwei Teilen – autobiografischen Erzählungen und Essays. Was für ein Konzept verfolgen Sie damit?   weiterlesen


Kunst, Müll und Einwegrealismus

Gespräch mit Andrei Krioukov

Zwei zerquetsche Coladosen, eine mit hebräischer, eine mit arabischer Aufschrift

Künstlerisch bearbeitete Coca-Cola-Dosen
© Jüdisches Museum Berlin, Foto: Jens Ziehe

Andrei Krioukov hat für den Kunstautomaten Coca-Cola-Dosen mit hebräischer und arabischer Aufschrift bearbeitet und zerquetscht. Ich traf ihn und seine Frau Rita in ihrer gemeinsamen Kunstschule in der Immanuelkirchstraße. Dort unterrichtet Andrei internationale Studenten, die sich bei ihm ausbilden und staatlich anerkannt prüfen lassen.

Im persönlichen Gespräch erzählt Andrei von seiner Faszination für das Design der berühmten Dosen und erklärt, was daran Müll und was daran Kunst ist.

Christiane Bauer: Andrei, was fasziniert dich an einer Coca-Cola-Dose?

Andrei Krioukov: Eine Dose ist typisch für unser Leben heute. Überall findet man sie, aber fast niemand bemerkt sie. Für mich ist dabei auch die Diskrepanz zwischen Müll und Kunst spannend: Wenn eine Dose auf der Straße liegt, ist sie einfach nur Müll. Aber wenn ich sie aufhebe und sie genau betrachte und mir überlege, was ich daraus mache, dann wird daraus Kunst.
Ein Künstler aus dem 19. Jahrhundert malte Knoblauch, eine Zwiebel oder einen Krug. Heute ist unser Leben voll mit den Coca-Cola-Dosen.

Der Krug wurde als Alltagsgegenstand in einem Stillleben abgezeichnet. Welche Wertigkeit hat die Dose? Betrachtest du eine Coca-Cola-Dose als Wegwerfartikel oder als modernes Kulturgut?   weiterlesen


Migration neu denken

Denkanstöße von der Fachtagung zu »Migrations- und Integrationspolitik heute«

Der 18. Dezember wurde im Jahr 2000 von der UNO zum Internationalen Tag der Migranten erklärt. Heute, 13 Jahre später, können wir feststellen: Deutschland ist längst eine Migrationsgesellschaft. Die Bevölkerung ist plural, multireligiös und multiethnisch. Migration und Integration sind daher zukunftsweisende Handlungsfelder der Politik und Wissenschaft. Doch wo steht die Migrations- und Integrationspolitik heute? Und welche Rolle spielt die Wissenschaft dabei? Welche Konzepte sind überholt und welche neuen Perspektiven notwendig?

Ein gefüllter Saal mit fünf Diskutierenden auf dem Podium

Podiumsdiskussion im Saal der Akademie des Jüdischen Museums Berlin
© Jüdisches Museum Berlin, Foto: Ernst Fesseler

Am 22. November 2013 diskutierten ausgewiesene Expertinnen und Experten der Migrationsforschung diese Fragen intensiv und kontrovers in einer gemeinsamen Fachtagung der neuen Akademieprogramme »Migration und Diversität« des Jüdischen Museums Berlin und des Rats für Migration. In einer anschließenden öffentlichen Podiumsdiskussion traf Wissenschaft dann auf Politik: Politische Entscheidungsträgerinnen und -träger debattierten mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unter anderem über die vorläufigen migrationspolitischen Ergebnisse der Koalitionsverhandlungen.  weiterlesen