Mensch oder Macht?

Eindrücke von der Ausstellung »Gehorsam« aus muslimischer und christlicher Sicht

Eine Frau mit kurzen Haaren steht links im Hintergrund, im Vordergrund eine Frau mit blauem Kopftuch, die in ein Mikrofon spricht

Silke Radosh-Hinder und Emine Erol im »Golden Room« © Jüdisches Museum Berlin, Foto: Svea Pietschmann

Während der Langen Nacht der Museen konnten unsere Besucherinnen und Besucher die aktuelle Sonderausstellung »Gehorsam. Eine Installation in 15 Räumen von Saskia Boddeke & Peter Greenaway« auf besondere Art und Weise neu entdecken. Die Imamin Emine Erol und die Pfarrerin Silke Radosh-Hinder boten gemeinsame Führungen an. Wir haben die beiden gefragt, welche Erfahrungen sie dabei gemacht haben und ob ihnen die gemeinsamen Führungen neue Erkenntnisse und Perspektiven auf die biblische Geschichte eröffnet hat.

Frau Erol, Frau Radosh-Hinder, wie würden Sie die Ausstellung mit eigenen Worten beschreiben?

Silke Radosh-Hinder: Für mich ist die Ausstellung vor allem ein multiperspektivischer Näherungsparcours an die Erzählung  der Bindung Isaaks.

Emine Erol: Im Zentrum der Ausstellung »Gehorsam« steht die seelische Verfassung von Ismael/Isaak und seinem Vater Abraham. Über das menschliche Fühlen und Denken sollen auch die Besucherinnen und Besucher am Schluss begreifen, dass solche Hingabe gefährlich und fast tödlich erscheint und was dahinter steckt.  weiterlesen


Veröffentlicht von am 13. Oktober 2015 0 Kommentare

»Bisher wurde immer über uns gesprochen und geschrieben«

In der Reihe »Neue deutsche Geschichten« sind am 14. Oktober 2015 die »Daughters and Sons of Gastarbeiters« (www.gastarbeiters.de) in der Akademie des Jüdischen Museums Berlin zu Gast. Die Berliner Autorinnen und Autoren folgten als Kinder ihren Eltern aus den Dörfern Anatoliens, Südeuropas und des Balkans nach Deutschland oder kamen in einem Arbeiterviertel der Bundesrepublik zur Welt. Ihre Mütter und Väter sollten in Deutschland als »Gastarbeiter« den Wirtschaftsaufschwung beflügeln. Die Autorinnen und Autoren erzählen persönliche Geschichten, blicken zurück, verfolgen die Spuren ihrer Eltern und leisten damit einen Beitrag zur deutschen Erinnerungskultur. Wir haben Çiçek Bacık, Co-Initiatorin und Leiterin des Projekts, vorab drei Fragen gestellt:

Portrait einer Frau mit braunen Haaren vor blauem Hintergrund

Çiçek Bacık © Neda Navaee

Frau Bacık, wie ist das Projekt »Daughters and Sons of Gastarbeiters« entstanden und welche Motivation steckt hinter dem Erzählen dieser sehr persönlichen Geschichten?

Letztes Jahr war ich mit einer Freundin, der Journalistin Ferda Ataman, bei einer Lesung. Danach saßen wir in einer Bar. »Ferda, wir müssen anfangen, unsere Geschichten zu erzählen und diese mit anderen  zu teilen. Wir müssen selbst Licht in ein dunkles Kapitel unserer Vergangenheit bringen, das wir erfolgreich verdrängt haben«, sagte ich. »Ja, was hält uns denn davon ab?« Das war der Startschuss für die »Daughters and Sons of Gastarbeiters« und unsere erste Lesung fand im Januar 2015 im Wasserturm Kreuzberg statt.  weiterlesen


»Ich wünsche mir, dass man mir mehr in die Augen schaut als auf das Tuch«

Ein Gespräch mit Fereshta Ludin über Kopftuch-Debatten, Diskriminierungen und Wünsche für die Zukunft

Für das Recht, als Lehrerin mit Kopftuch unterrichten zu dürfen, ist Fereshta Ludin bis vor das Bundesverfassungsgericht gezogen (siehe unten). Am 17. September 2015 stellt sie bei uns im Rahmen der Reihe »Neue deutsche Geschichten« ihr Buch Enthüllung der Fereshta Ludin. Die mit dem Kopftuch vor. Rafiqa Younes und Julia Jürgens haben vorab mit ihr gesprochen.

Buchcover zeigt eine Frau mit Kopftuch

Buchcover © Deutscher Levante Verlag

Frau Ludin, haben Sie geahnt, dass Ihre erste Klage, die Sie 1998 im Alter von 25 Jahren gegen Ihren Arbeitgeber einreichten, eine bundesweite Debatte über das Kopftuchverbot auslösen würde?

So etwas kann man nicht ahnen, denn ich war noch sehr jung und auch sehr idealistisch. Ich wollte meinen Beruf als Lehrerin ausüben und weder die Öffentlichkeit noch irgendeinen Politiker mit meinem Vorhaben ärgern.

Hat sich aus Ihrer Sicht der lange Weg durch die Instanzen gelohnt, in dessen Verlauf Sie eine öffentliche Person geworden sind – »die mit dem Kopftuch«, wie der wohl ironisch gemeinte Untertitel Ihres Buches lautet?

Ich bereue keinen Schritt. Vielmehr hätte ich es bereut, Ungerechtigkeiten ertragen zu müssen. Mit dem Gang durch die Instanzen habe ich mich aktiv gegen Diskriminierung eingesetzt. Viele Frauen waren ebenso betroffen wie ich. Eine öffentliche Person zu werden, war dabei nie meine Absicht.  weiterlesen