»Spannend, ernst, leidenschaftlich und kontrovers«

Ein Interview mit Barbara Rösch über »Lesenswerte Bücher zu Nationalsozialismus und Holocaust«

Vier Frauen sitzen um einen Tisch, auf dem mehrere Bücher liegen

Die Lesegruppe in einer Diskussion © Jüdisches Museum Berlin, Foto: Christine Marth

Seit kurzem gibt es auf unserer Website ein PDF zum Download, das »Lesenswerte Bücher zu Nationalsozialismus und Holocaust« empfiehlt. Zusammengestellt wurde diese Liste von Kolleg*innen aus dem Museum, die über mehrere Jahre hinweg Bücher gelesen, sich ausgetauscht und schließlich auf diese Auswahl geeinigt haben. Ich habe mich darüber mit Dr. Barbara Rösch aus der Bildungsabteilung unterhalten. Sie war Teil der Lesegruppe und hat zudem einige Zeit an den Universitäten Potsdam und Leipzig in der Ausbildung von Grundschulpädagog*innen gearbeitet. Neben ihrer Museumsarbeit schreibt sie zurzeit an einem Buch über Alltagsrassismus in der Grundschule.

Liebe Barbara, auf dem Markt gibt es unzählige Kinder- und Jugendbücher, die Nationalsozialismus und Holocaust thematisieren. Wie habt ihr daraus eine Auswahl getroffen?

Unsere Arbeit orientiert sich vorwiegend an den Bedürfnissen von Lehrkräften, die von uns regelmäßig Buchempfehlungen wünschen, fast schon erwarten. Daher nahmen wir uns sogenannte »Klassiker« vor, die in deutschen Klassenzimmern gelesen werden, aber auch Neuerscheinungen, Bücher aus nicht-deutscher Perspektive und Bücher, die bislang übersehene Themen berühren, wie die Hachschara-Bewegung.  weiterlesen


Veröffentlicht von am 17. April 2015 0 Kommentare

Kohlrabenschwarze Sprache

Ein Mädchen im roten Mantel vor schwarz weißem Hintergrund

Buchcover »Blumen für den Führer« © Verlag cbj

Über die Zeit des Nationalsozialismus gibt es unzählige Publikationen, und immer wieder kommen neue Romane, Sach- und Jugendbücher auf den Markt, die sich mit dem Thema befassen. Dazu gehört auch Jürgen Seidels »Blumen für den Führer«, das erste Buch einer Romantrilogie, rezensiert als »sehr komplexer, bewegender und spannender Jugendroman über eine tragische Liebe im Nationalsozialismus«, der auch für »Erwachsene lesenswert« sei. In einer Gruppe, die sich mit Kinder- und Jugendliteratur zum Nationalsozialismus befasst, lasen wir diese Trilogie. Und stellten bald fest, dass wir nicht, wie geplant, über die Darstellung des Nazi-Regimes und der deutschen Geschichte würden diskutieren müssen, sondern über ein anderes Thema: Rassismus.
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Veröffentlicht von am 3. Januar 2015 0 Kommentare

»Eines Tages werde ich dir alles erzählen«

Farbabbildung des Covers, darauf ein Boxer in Kampfhaltun. In seinem Schatten sind Menschen zu erkennen, die auf das Tor zum Konzentrationslager zugehen

Cover der Graphic Novel © Reinhard Kleist, Der Boxer, Carlsen Verlag 2012

In den letzten Jahren begannen sich neue Tendenzen auf dem Jugendbuchmarkt zum Thema Nationalsozialismus und Holocaust abzuzeichnen, die einige Kolleginnen und Kollegen aufmerksam verfolgt haben. In den kommenden Wochen werden sie hier aktuelle und klassische Werke zum Thema vorstellen, die sie gemeinsam gelesen und diskutiert haben.

Was bedeutet das Überleben im KZ für das Leben danach? Für die Familie, die Kinder, den Menschen selbst?

Alan Scotts Vater Hertzko Haft war ein grausamer und gewalttätiger Mensch, das Gegenteil dessen, was heute als ein »guter Vater« gilt. Alan Scott Haft wusste lange nicht, weshalb sein Vater so war – und wollte es auch nicht so genau wissen.
Irgendwann erfährt er dann ein wenig mehr:  weiterlesen