Über Zugehörigkeiten und familiäre Kontroversen: ein Gespräch über eine Beschneidung, die nicht stattfand

Säugling, der Mittel- und Ringerfinger spreizt

Noch bevor die Beschneidungfrage endgültig geklärt ist, übt der Sohn schon einmal … © privat

Signe und Darrell sind seit Langem ein Paar. Sie haben sich in den USA kennengelernt, leben seit 15 Jahren in Berlin und haben mittlerweile zwei Töchter und einen Sohn. Signe stammt mütterlicherseits aus einer amerikanisch-jüdischen Familie, ihr Vater kommt aus einer deutsch-evangelischen; Darrell ist 100 % Nordamerikaner – in seiner Familie gibt es puritanische Pastoren, Unitarian Ministers, Mormonen, katholische Befreiungstheologen, liberale Muslime, säkulare Juden. Ich habe mich mit den beiden über die Beschneidung unterhalten und darüber, welche Rolle für sie die jüdische Tradition bei der Erziehung ihrer Kinder spielt.

Ihr habt zuerst eine Tochter und dann Zwillinge bekommen, von denen einer ein Junge ist. Hat euch die Frage, ob ihr euren Sohn beschneiden lassen wollt, während der Schwangerschaft sehr beschäftigt?
Signe: Als ich erfahren habe, dass einer der Zwillinge ein Junge wird, war mein erster Gedanke,  weiterlesen


Von der Reklamemarke zur Tiersammelkarte: Über kleine Sammler und große Leidenschaften

»Reklamemarken?« Kurze Pause, leicht ratloses Gesicht. »Und… was sind Reklamemarken?« So oder ähnlich reagierten sämtliche meiner Freunde und Bekannten, wenn ich ihnen in den letzten Monaten erzählte, ›an was ich denn gerade im Museum so arbeite‹: an einer Ausstellung zu Reklamemarken nämlich.

Ein Mann, aus dessen Hut Reklamemarken fallen

Reklamemarke des Verlags M. Fickel
© Jüdisches Museum Berlin, Foto: Jens Ziehe, Schenkung von Peter-Hannes Lehmann

Reklamemarken, antwortete ich dann, sind kleine Werbebildchen, etwas größer als Briefmarken, mit denen vor ziemlich genau hundert Jahren Werbung für Produkte und Geschäfte gemacht wurde. Einige dieser Marken wurden sogar von bekannten Künstlern wie Lucian Bernhard gestaltet und außerdem auch gesammelt – vor allem von Kindern.

Sehr viel mehr wusste ich selbst auch nicht über Reklamemarken, bevor ich für unsere Kabinettausstellung »Sammelwut und Bilderflut – Werbegeschichte im Kleinformat« zu recherchieren begann, die vom 4. Dezember 2014 bis zum 31. Mai 2015 im Rafael Roth Learning Center zu sehen ist. Um mehr darüber herauszufinden, welche Bedeutung Reklamemarken vor dem Ersten Weltkrieg hatten, recherchierte ich in zeitgenössischen Reklamehandbüchern und Zeitschriften.
In ersteren fand ich relativ wenig zum Thema, denn  weiterlesen


Veröffentlicht von am 12. Juni 2014 0 Kommentare

Jüdische Schrift und Liebe mit Vertrag

Ein Museumsführer mit einer Gruppe Kinder in der Ausstellung »Die Erschaffung der Welt«, ein kleiner Junge meldet sich

Schülerinnen und Schüler werden durch die Ausstellung »Die Erschaffung der Welt« geführt
© Jüdisches Museum Berlin, Foto: Nadja Rentzsch

»Ich weiß es«, ruft Tamo* (10 J.): »Es ist jüdische Schrift!« »Hebräisch heißt es – hebräische Schrift«, verbessert ihn Mia (10 J.). Sie weiß es genau, ihre beste Freundin kommt aus Israel. Bei ihr hat sie schon einmal diese Buchstaben gesehen. Alexander (34 J.) schmunzelt. Er ist Referent im Jüdischen Museum. Heute führt er eine Berliner Grundschulklasse durch die aktuelle Wechselausstellung »Die Erschaffung der Welt«. Historische Schriftstücke und kunstvolle Illustrationen sind zu sehen.  weiterlesen