Veröffentlicht von am 6. August 2014 0 Kommentare

Automatenkunst

Handarbeit für unseren Kunstautomaten

Ein Mann mit weißen Handschuhen zieht an einem Fach des Kunstautomaten

Unser Kunstautomat wird von Jens Eisenberg (Ausstellungstechnikfirma Leitwerk) bestückt.
© Jüdisches Museum Berlin, Foto: Gelia Eisert

Wer durch unsere Dauerausstellung läuft und eine Etage geschafft hat, der wird unweigerlich auf den ›Kunstautomaten‹ stoßen. Leise scheint der Automat ihm zweisprachig zuzuflüstern: »Kauf mich, buy me«. Diese Aufschriften blinken bunt aus den Fächern des Automaten, mehr ist auf den ersten Blick nicht zu sehen. Neugierig geworden, tritt man näher und liest die Beschriftungen: »Kunst / Art« steht in großen Lettern auf dem Automaten und an seinen Seitenflächen findet sich: »60 x Kunst von jüdischen Künstlern in Berlin«. Jetzt wird der Blick auf die Münzschlitze gelenkt, in die man vier Euro einwerfen soll.

Mit dem passenden Kleingeld in der Tasche und etwas Wagemut kann nun das Experiment starten.  weiterlesen

Veröffentlicht unter Dauerausstellung, Im Jüdischen Museum Berlin, Kunst
Verschlagwortet mit , ,


Bienen, Kerzen, Wurzeln und Erinnerungen

Gespräch mit Alexis Hyman Wolff

Eine Frau steht vor einer Vitrine mit Büchern

Alexis Hyman Wolff in ihrer Ausstellung »Zur Zeit« im Museum der Dinge, Berlin, Juni 2013.
Foto privat, mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin.

Eines der Werke, die sich aus unserem Kunstautomaten ziehen lassen, ist eine wurzelförmige Kerze, die von der Künstlerin und Kuratorin Alexis Hyman Wolff geschaffen wurde. Mit Christiane Bauer sprach sie über ihr Werk und dessen Hintergründe.

Christiane Bauer: Warum hast du eine Kerze für unseren Kunstautomaten geschaffen?
Alexis Hyman Wolff: Bei dem Gedanken, dass das Objekte nicht sehr groß sein durfte und es vorübergehend im Kunstautomaten eine Bleibe finden würde, wollte ich etwas schaffen, das an ein Souvenir erinnert und so an ein Thema von Museen anknüpft. Kerzen spielen in vielen Kulturkreisen eine Rolle, wenn an bestimmte Dinge erinnert werden soll. So wird im Judentum am Jahrestag des Todes einer geliebten Person oft eine sogenannte Jahrzeit-Kerze angezündet.

Was ist besonders an dem Material, das du verwendet hast?
Die Kerzen sind aus Bienenwachs gemacht, das ich von einem Imkereifachhandel in Berlin beziehe. Meines Wissens ist Bienenwachs eines der wenigen Materialien überhaupt, das beim Verbrennen keinen schwarzen Rauch erzeugt. Das würde erklären, weshalb es heißt, Bienenwachskerzen seien gut für die Luft. Außerdem besagt ein alter, in Europa verbreiteter Volksglaube, dass Familienangehörige nach dem Tod eines Familienmitglieds zu einem Bienennest gehen, den Bienen die Nachricht überbringen und sie zur Beerdigung einladen sollen. Dieser Brauch deutet auf eine Verknüpfung zwischen den Bienen und der spirituellen Welt.

Wie wichtig ist der Aspekt des Erinnerns in deinem Werk?  weiterlesen


Ein Brief aus dem Museum

Gespräch mit Alex Martinis Roe

Foto der Künstlerin, sie sitzt an einem Schreibtisch in in einem ansonsten fast leeren Raum

Alex Martinis Roe, Encounters: Conversation in Practice, Performance Still, 2010.
© Alex Martinis Roe, Foto: privat

Einen Brief aus einem Automaten zu ziehen, ist ungewöhnlich. Selbst wenn es sich bei dem Automaten um einen Kunstautomaten handelt.
Die Künstlerin Alex Martinis Roe aus Australien erzählt im Interview mehr über die Beweg- und Hintergründe zu ihrem Werk »Brief an die Deutsche Post«.

Christiane Bauer: Alex, in deinem Brief an die Deutsche Post äußerst du die Bitte, Briefmarken mit den Abbildungen von Rahel Varnhagen und Hannah Arendt neu aufzulegen. Erwartest du von unseren Besuchern, die diesen Brief aus dem Automaten ziehen, dass sie ihn an die Deutsche Post schicken?

Alex Martinis Roe: Nein, überhaupt nicht, denn ich habe sie nicht darum gebeten. Sie können mit dem Brief machen, was sie wollen. Natürlich freut es mich, wenn sie ihn abschicken, aber ich freue mich ebenso, wenn sie ihn behalten (lacht). Allerdings hoffe ich, dass sie den Brief lesen und die Geschichte faszinierend finden.

Wieso hast du für den Kunstautomaten ausgerechnet einen Brief entworfen?  weiterlesen