Eine Geschichte aus dem Kibbuz

Ausschnitt aus dem Buch, links eine Zeichnug, rechts Uhrzeiten mit Beschreibungen

Ausschnitt aus »The Guardian / Sycamore Group«
© Atalya Laufer

Unser Kunstautomat enthält ein kleines Buch, das Einblick in die Lebenswelt der israelischen Kibbuzim gibt. Durch die schlichten, schwarzen Zeichnungen und Texte, die auf Originaldokumenten basieren, stellt die Künstlerin Atalya Laufer (geb. 1979) einen besonderen Aspekt der Kindheit im Kibbuz Hasorea heraus. Zu einem der letzten Jahrgänge gehörend, die in einem Kinderhaus aufwuchs, das von Erziehern geleitet wurde, entführt sie uns in diesem Booklet in die vergangene Welt der Kibbuzim.

Die Texte des Booklets basieren auf Dokumenten aus den frühen 1970er Jahren. In den Kinderhäusern wurde über jedes Vorkommnis innerhalb einer Nachtschicht Buch geführt. So kann man heute noch nachvollziehen, wie der Alltag im Kinderhaus aussah.  weiterlesen


Ein Brief aus dem Museum

Gespräch mit Alex Martinis Roe

Foto der Künstlerin, sie sitzt an einem Schreibtisch in in einem ansonsten fast leeren Raum

Alex Martinis Roe, Encounters: Conversation in Practice, Performance Still, 2010.
© Alex Martinis Roe, Foto: privat

Einen Brief aus einem Automaten zu ziehen, ist ungewöhnlich. Selbst wenn es sich bei dem Automaten um einen Kunstautomaten handelt.
Die Künstlerin Alex Martinis Roe aus Australien erzählt im Interview mehr über die Beweg- und Hintergründe zu ihrem Werk »Brief an die Deutsche Post«.

Christiane Bauer: Alex, in deinem Brief an die Deutsche Post äußerst du die Bitte, Briefmarken mit den Abbildungen von Rahel Varnhagen und Hannah Arendt neu aufzulegen. Erwartest du von unseren Besuchern, die diesen Brief aus dem Automaten ziehen, dass sie ihn an die Deutsche Post schicken?

Alex Martinis Roe: Nein, überhaupt nicht, denn ich habe sie nicht darum gebeten. Sie können mit dem Brief machen, was sie wollen. Natürlich freut es mich, wenn sie ihn abschicken, aber ich freue mich ebenso, wenn sie ihn behalten (lacht). Allerdings hoffe ich, dass sie den Brief lesen und die Geschichte faszinierend finden.

Wieso hast du für den Kunstautomaten ausgerechnet einen Brief entworfen?  weiterlesen


Kunst, Müll und Einwegrealismus

Gespräch mit Andrei Krioukov

Zwei zerquetsche Coladosen, eine mit hebräischer, eine mit arabischer Aufschrift

Künstlerisch bearbeitete Coca-Cola-Dosen
© Jüdisches Museum Berlin, Foto: Jens Ziehe

Andrei Krioukov hat für den Kunstautomaten Coca-Cola-Dosen mit hebräischer und arabischer Aufschrift bearbeitet und zerquetscht. Ich traf ihn und seine Frau Rita in ihrer gemeinsamen Kunstschule in der Immanuelkirchstraße. Dort unterrichtet Andrei internationale Studenten, die sich bei ihm ausbilden und staatlich anerkannt prüfen lassen.

Im persönlichen Gespräch erzählt Andrei von seiner Faszination für das Design der berühmten Dosen und erklärt, was daran Müll und was daran Kunst ist.

Christiane Bauer: Andrei, was fasziniert dich an einer Coca-Cola-Dose?

Andrei Krioukov: Eine Dose ist typisch für unser Leben heute. Überall findet man sie, aber fast niemand bemerkt sie. Für mich ist dabei auch die Diskrepanz zwischen Müll und Kunst spannend: Wenn eine Dose auf der Straße liegt, ist sie einfach nur Müll. Aber wenn ich sie aufhebe und sie genau betrachte und mir überlege, was ich daraus mache, dann wird daraus Kunst.
Ein Künstler aus dem 19. Jahrhundert malte Knoblauch, eine Zwiebel oder einen Krug. Heute ist unser Leben voll mit den Coca-Cola-Dosen.

Der Krug wurde als Alltagsgegenstand in einem Stillleben abgezeichnet. Welche Wertigkeit hat die Dose? Betrachtest du eine Coca-Cola-Dose als Wegwerfartikel oder als modernes Kulturgut?   weiterlesen