Nach der Ausstellung ist vor der Ausstellung

Wand voller rosa Notizzettel

Fragemauer, Ausstellung »Die ganze Wahrheit«
© Jüdisches Museum Berlin, Foto: Thomas Valentin Harb

Vor über einem Jahr endete am Jüdischen Museum die Sonderausstellung mit dem Titel »Die ganze Wahrheit…was Sie schon immer über Juden wissen wollten«. Übrig blieben – neben regen Diskussionen und leeren Schaukästen – Tausende pinkfarbener Post-its. Besucher hatten ihre Fragen, Kommentare und Eindrücke nach dem Ausstellungsbesuch an eine Betonwand geklebt und dem Museum hinterlassen. Entstanden war eine Art analoges Facebook, das über die Ausstellungsinhalte hinausging. Besucher kommentierten sich gegenseitig und warfen neue Fragen auf: zur Geschichte der Juden in Deutschland, zum Nahostkonflikt, zum Verhältnis von Christentum und Judentum und immer wieder zum Thema Beschneidung. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Jüdische Museum Berlin schon beschlossen, dem brisanten Thema nicht nur einen weiteren Blogbeitrag in der Serie »Frage des Monats«, sondern eine ganze Ausstellung zu widmen.
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Veröffentlicht von am 24. Juli 2014 0 Kommentare

»Hebräisch, Jiddisch, Aramäisch und manchmal auch Latein«

Ein Gespräch mit Emile Schrijver

Wie wird man Kurator einer Handschriftensammlung?

Emile Schrijver: Während des Studiums – ich habe Hebräisch in Amsterdam studiert – hat uns ein Lektor in die Sammlung mittelalterlicher Manuskripte der Universität in Leiden mitgenommen. Dort, in den beeindruckenden Tresoren konnte ich zum ersten Mal in meinem Leben wirklich alte Handschriften sehen: z.B. die einzige Handschrift des Talmud Jeruschalmi und eine der frühesten Raschi Handschriften. Diese alten Quellen zu sehen und als direkte Konfrontation mit der Geschichte zu erleben – damals schon haben mich diese historischen Bücher gefangen genommen. Ich habe dann viel in der Rosenthaliana studiert und später sogar angefangen dort zu arbeiten. Herr Braginsky suchte vor einigen Jahren einen Kurator für seine erste Ausstellung in Europa. Gemeinsame Bekannte aus der internationalen Welt der Handschriften vermittelten den Kontakt, und es hat sich herausgestellt, dass wir uns mögen und bald eine Vertrauensbasis aufbauen konnten.

Ein Mann sitzt an einem Tisch und hält ein aufgeschlagenes Buch in den Händen

Emile Schrijver und die im Interview erwähnte Harrison Miscellany © und Foto: Darko Todorovic, Dornbirn (A)

Was genau machst Du als Kurator der Braginsky-Collection?

Ich bin für die Sammlung zuständig, sobald Herr Braginsky etwas gekauft hat, also für die Neuzugänge und den Bestand. Die meisten Neuerwerbungen erhalten wir mit einer Kurzbeschreibung, manche werden erst von uns beschrieben, dabei auch inventarisiert und fotografiert. Ich schaue mir den Zustand der Bücher genau an und wenn notwendig, veranlasse ich, dass sie restauriert werden. Auch das Klima im Depot wird von mir überwacht. Ausstellungs- und Reproduktionsanfragen machen uns viel Arbeit. Das Digitalisieren der Bestände ist ein fortlaufender Prozess. Ab und zu möchten sich Gelehrte bestimmte Werke genauer ansehen. Oder es findet eine Präsentation in unseren Räumen statt, z.B. für die European Association of Jewish Museums. Auch Öffentlichkeitsarbeit wie z.B. auf der Jewish Book Week in London 2013 beansprucht viel Vorbereitung.

Was ist in Deinen Augen das Besondere an der Braginsky Collection?  weiterlesen


Veröffentlicht von am 30. Juni 2014 0 Kommentare

Fußball & Erster Weltkrieg – Kleinodien aus unserer Sammlung

Schwarz-weiß Foto einer Fußballmannschaft

Harry Engel (1892-1950) mit der Mannschaft des FC Bayern München, München, September 1916
© Jüdisches Museum Berlin, Schenkung von Alfred Engel, Foto: Jens Ziehe

Am 15. Februar 1940 erreicht die Münchner Familie Engel das rettende Ufer Manhattans – nach vierjährigem Warten auf das amerikanische Visum und der geglückten Flucht aus Nazideutschland. In ihrem Gepäck befinden sich einige Erinnerungsstücke, die der damals 13 Jahre alte Alfred Engel Jahrzehnte später dem Jüdischen Museum Berlin aus dem Nachlass seines Vaters schenken wird. Darunter sind seltene Fotografien aus den 1910er Jahren, in denen Harry Engel (1892-1950) aktiver Fußballer beim FC Bayern München war.

Meine Aufmerksamkeit für das Konvolut  weiterlesen