»Neue deutsche Geschichten«

die drei Autorinnen beim Unterzeichnen ihrer Bücher

Die drei Autorinnen unterzeichnen ihr Buch
© Jüdisches Museum Berlin, Foto: Svea Pietschmann

Vor Kurzem stellten Alice Bota, Khuê Pham und Özlem Topçu ihr Buch »Wir neuen Deutschen. Wer wir sind, was wir wollen« in der Akademie des Jüdischen Museums Berlin vor. Mit etwa 100 Besucherinnen und Besuchern diskutierten die drei Zeit-Journalistinnen, was Deutschsein im 21. Jahrhundert bedeuten kann. Im Vorfeld der Veranstaltung stellten wir den drei Autorinnen mehrere Fragen, unter anderem: »Was hat Sie dazu bewogen, dieses Buch zu schreiben?« Sie antworteten:

 »Wir drei sind Kolleginnen. Alle drei Politikredakteurinnen. Alle drei Kinder von Ausländern. Wir haben festgestellt, dass wir zwar dennoch sehr unterschiedlich sind, aber eines gemeinsam haben: Eine Wut auf jene, die uns sagen wollten, wer wir sind. Mit dem Buch wollten wir uns diese Wut von der Seele schreiben, uns selbst benennen und unsere Familiengeschichten teilen. Wir wollten aufzeigen, dass Geschichten von Einwanderern nicht immer nur von Scheitern handeln, sondern auch davon, dass gebrochene und gemischte Biografien und Identitäten auch zu persönlichen Erfolgen führen können.«  weiterlesen


Kennen Sie Eva Samuel?

Aufruf zur Anerkennung vergessener Künstlerinnen

»Wir haben mit Steinen nach ihr geworfen; wir dachten, sie sei eine Hexe.« So erinnert sich eine ehemalige Bewohnerin von Rishon LeZion heute schuldbewusst an ihre Begegnungen mit der Bildhauerin und Puppenherstellerin Edith Samuel. Edith, die ihre langen, dunklen, in Europa üblichen Röcke auch unter der sengenden Sonne des Nahen Ostens trug, litt an einer Fehlbildung. Die Tochter eines liberalen, deutschen Rabbiners und ihre Schwester Eva, die ebenfalls Künstlerin war, verließen in den 1930er Jahren ihre Geburtsstadt Essen und wanderten nach Palästina aus.

Foto von einer Töpferscheibe und weiterem Zubehör

Die Töpferscheibe von Paula Ahronson, der Geschäftspartnerin von Eva Samuel, befindet sich in Privatbesitz und ist seit ihrem Tod 1998 nicht mehr in Betrieb
© Jüdisches Museum Berlin, Foto: Michal Friedlander

Dort gelang es den Schwestern trotz harter Arbeit kaum, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, und gebührende Anerkennung blieb ihnen ein Leben lang versagt. Vergessenen Künstlerinnen wie ihnen verhilft das Jüdische Museum Berlin nun zu einem Platz im Licht der Öffentlichkeit. Die Ausstellung »Ton in Ton« zeigt Keramiken von Eva Samuel und anderen Künstlerinnen, die Deutschland nach 1933 verlassen mussten.

Meine Beschäftigung mit vertriebenen deutsch-jüdischen Frauen in der Angewandten Kunst begann viele Jahre vor meiner Begegnung mit den Samuel-Schwestern. Emmy Roth war die Erste, deren Geschichte mein Interesse weckte.  weiterlesen


Migration neu denken

Denkanstöße von der Fachtagung zu »Migrations- und Integrationspolitik heute«

Der 18. Dezember wurde im Jahr 2000 von der UNO zum Internationalen Tag der Migranten erklärt. Heute, 13 Jahre später, können wir feststellen: Deutschland ist längst eine Migrationsgesellschaft. Die Bevölkerung ist plural, multireligiös und multiethnisch. Migration und Integration sind daher zukunftsweisende Handlungsfelder der Politik und Wissenschaft. Doch wo steht die Migrations- und Integrationspolitik heute? Und welche Rolle spielt die Wissenschaft dabei? Welche Konzepte sind überholt und welche neuen Perspektiven notwendig?

Ein gefüllter Saal mit fünf Diskutierenden auf dem Podium

Podiumsdiskussion im Saal der Akademie des Jüdischen Museums Berlin
© Jüdisches Museum Berlin, Foto: Ernst Fesseler

Am 22. November 2013 diskutierten ausgewiesene Expertinnen und Experten der Migrationsforschung diese Fragen intensiv und kontrovers in einer gemeinsamen Fachtagung der neuen Akademieprogramme »Migration und Diversität« des Jüdischen Museums Berlin und des Rats für Migration. In einer anschließenden öffentlichen Podiumsdiskussion traf Wissenschaft dann auf Politik: Politische Entscheidungsträgerinnen und -träger debattierten mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unter anderem über die vorläufigen migrationspolitischen Ergebnisse der Koalitionsverhandlungen.

Von der ›Integration‹ zur ›postmigrantischen Gesellschaft‹?  weiterlesen