Veröffentlicht von am 29. April 2015 0 Kommentare

Glücksmomente einer Fotokuratorin
Ilse Bings Fotografie »New York – The Elevated and me«

Seit vielen Jahren habe ich ein Selbstporträt der Fotografin Ilse Bing im Blick, das sie 1936 auf ihrer ersten Reise nach New York aufgenommen hat. In den letzten zwanzig Jahren wurde das Bild nur zwei Mal auf dem Markt angeboten: das erste Mal, im Jahr 2009, erzielte ein Vintageabzug in einer Auktion den stolzen Zuschlagspreis von 25.000 Euro. Aufgrund der Seltenheit und des hohen Verkaufswerts dachte ich damals, dass die bezaubernde Fotografie wohl nie Teil unserer Sammlung werden könne. Sie wurde für mich zum Inbegriff dessen »was ich mir wünschen würde, wenn ich nur könnte….«.

schwarz-weiß Fotografie mit Blick auf die Skyline New Yorks mit Spiegelung der Fotografien Ilse Bing

Ilse Bing, New York – The Elevated and me, späterer Abzug aus dem Jahre 1988 des Originals von 1936, Jüdisches Museum Berlin © Estate of Ilse Bing

 

Die Fotografie zeigt eine Station der Hochbahn inmitten der New Yorker Skyline und die Reflektion der Fotografin mit ihrer Leica in einem kleinen runden Spiegel. Der Titel »New York – The Elevated and me« verweist auf das Wechselspiel zwischen Stadtansicht und Selbstbildnis. Von links kommende strenge Diagonalen bündeln sich im Spiegelbild der Fotografin mit ihrer Kamera. Dabei wirkt die Skyline Manhattans durch die starke Zuspitzung der Linien wie in Bewegung gesetzt. Das Abbild der Fotografin fügt sich in eine komplett menschenleere Umgebung und fragt so  weiterlesen


Veröffentlicht von am 9. März 2015 0 Kommentare

»Osama bin Laden schläft bei den Fischen. Warum ich gerne Muslim bin und wieso Marlon Brando viel damit zu tun hat«

Die Reihe »Neue deutsche Geschichten«, die seit Januar letzten Jahres in den Akademieprogrammen stattfindet, geht in diesem Jahr weiter: Morgen Abend, am 10. März 2015, stellt Ahmad Milad Karimi, Professor für islamische Philosophie und Mystik, in der Akademie des Jüdischen Museums Berlin sein Buch »Osama bin Laden schläft bei den Fischen« vor. Vorab haben wir ihm drei Fragen gestellt.

Buchcover mit zwei in Zeitungspapier eingewickelten Fischen

Ahmad Milad Karimi: »Osama bin Laden schläft bei den Fischen« (Buchcover) © Herder Verlag

Julia Jürgens: Lieber Herr Karimi, in Ihrer Autobiographie bringen Sie westliche Populärkultur und islamische Geistesgeschichte, die Übersetzung des Koran und eine Doktorarbeit über Hegel sowie eine Vorliebe für Mafia-Filme und die persische Mystik zusammen. Um den Untertitel Ihres Buches als Frage zu formulieren: Was hat Marlon Brando damit zu tun, dass Sie gerne Muslim sind?

Ahmad Milad Karimi: Das ist ein Geheimnis des Buches, ein Geheimnis, das vor allem darin verborgen ist, dass Menschen immer mehr sind als die Schubladen, in denen man sie gerne festhalten möchte.

Vor sechs Jahren haben Sie eine Neu-Übersetzung des Korans vorgelegt. Was hat Sie motiviert, sich einer solchen Herausforderung zu stellen und den schon bestehenden Übersetzungen eine weitere hinzuzufügen?

Der Koran ist mehr als nur Buch, es ist  weiterlesen


Der Jüdische Kulturverein in Berlin 1990-2010

Chanukkaleuchter mit brennenden Kerzen, dahinter ein Banner mit der Aufschrift "Happy Chanukka. Jüdischer Kulturverein Berlin"

Chanukkaleuchter, aufgestellt beim 15. Chanukkaball des Jüdischen Kulturvereins, Berlin 12.12.2004 © Foto: Igor Chalmiev, Schenkung des Jüdischen Kulturvereins an das Jüdische Museum Berlin

Heute vor 25 Jahren, am 22. Januar 1990 wurde der Jüdische Kulturverein gegründet. Einen Monat zuvor, am 13. Dezember 1989 war in vielen Zeitungen der DDR ein über die Presseagentur ADN verbreiteter Aufruf erschienen. Er kündigte einen Zusammenschluss von in der DDR lebenden Juden an, der sich der Verbreitung von Wissen über jüdische Kultur und Geschichte widmen wollte. Der Aufruf kam nicht von ungefähr:

Schon 1986 hatten sich säkulare Juden auf Einladung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin (DDR) zusammen gefunden, um ihren jüdischen Wurzeln nach zu gehen, die für ihre Eltern keine identitätsstiftende Rolle mehr spielten. Aus der 2. Generation der politischen Remigranten, die in der DDR sozialisiert worden waren, formierte sich die Gruppierung »Wir für uns – Juden für Juden«. In regelmäßigen Zusammenkünften  weiterlesen