Kein Revolver im Jüdischen Museum

Zeichnung eines Revolvers»Waffe und Würde« – so der Titel einer Objektgeschichte in der unlängst erschienenen Festbroschüre des Deutschen Historischen Museums zu seinem 25-jährigen Jubiläum. Es geht um einen Revolver, der dem Jüdischen Museum als Schenkung angeboten wurde, dort auf großes Interesse stieß und letztlich den Weg in die Sammlung des Deutschen Historischen Museums fand. Warum?

Die Geschichte: Eine Frau, die als ›Halbjüdin‹ während der NS-Zeit in Berlin um ihr Leben fürchten muss, schafft sich einen Revolver an, um im Fall einer drohenden Deportation ihrem Leben selbst ein Ende zu bereiten. Sie überlebt die Verfolgungszeit, bewahrt den Revolver als Erinnerungsstück auf, schenkt ihn später einem Nachbarn, der sich wiederum an das Museum wendet, als er durch Änderungen des Waffenrechts verpflichtet wird, seine Waffe zu registrieren oder abzugeben. Für ein Haus wie das Berliner Jüdische Museum, in dessen Sammlungen und Dauerausstellung das biografische Narrativ eine wichtige Rolle spielt, wäre dieser Revolver im Hinblick auf seine dichte Überlieferung ein ›starkes‹ Objekt, das wir gerne in die Sammlung aufnehmen würden. Weiterlesen

Im Wiener Café, 1935

»Es fing erst an, als ich 1935 in einem Wiener Café über einer Zeitung saß und die eben drüben in Deutschland erlassenen Nürnberger Gesetze studierte. Ich brauchte sie nur zu überfliegen und konnte schon gewahr werden, daß sie auf mich zutrafen. Die Gesellschaft, sinnfällig im nationalsozialistischen deutschen Staat, den durchaus die Welt als legitimen Vertreter des deutschen Volkes anerkannte, hatte mich soeben in aller Form und mit aller Deutlichkeit zum Juden gemacht, beziehungsweise sie hatte meinem früher schon vorhandenen, aber damals nicht folgenschweren Wissen, daß ich Jude sei, eine neue Dimension gegeben. Weiterlesen

Heldengeschichten und Hadern mit der Geschichte

Mann vor vergoldeter Statue

Tobias Schabel als Wallenberg, Foto: Ingo Hoehn © Badisches Staatstheater Karlsruhe

Raoul Wallenberg, seit Jahrzehnten als großer Held gefeiert, wäre dieses Jahr einhundert Jahre alt geworden. Der Sohn einer schwedischen Bankiersfamilie reiste Anfang Juli 1944 im Auftrag des War Refugee Board nach Budapest, um die dort ansässigen Juden vor der Vernichtung zu bewahren. Er nutzte seine diplomatische Immunität, um im Namen Schwedens Schutzpässe auszustellen sowie Schutzhäuser einzurichten und soll auf diese Art und Weise Zehntausende vor dem Tod bewahrt haben. Wallenberg verschwand nach Ende des Krieges und kam mutmaßlich in einem russischen Gefängnis ums Leben. Bereits 1949 wurde ihm ein erstes Denkmal in Budapest gewidmet. Weiterlesen