Vom Weglassen

Vitrine mit Leo Scheuers Gebetsriemen »Achse des Holocaust« heißt einer der drei Gänge im Untergeschoss des Museums. In die Wand ist ein Vitrinenband eingelassen. Fotos, Schriftstücke und Gegenstände vermitteln die Geschichten von Menschen, die den Holocaust überlebten oder ermordet wurden.

In einer Vitrine liegen eine Gebetskapsel und ein Beutel mit einem eingestickten Davidstern. Die Dinge gehörten Leo Scheuer. Er hat sie dem Museum kurz vor seinem Tod geschenkt.

Als ich im Archiv unseres Museums die Akte von Leo Scheuer las, hatte ich das Gefühl, genug Stoff für einen abendfüllenden Film vor mir zu haben. Auf die kleine Tafel, die zu den Ausstellungsstücken gelegt wird, passen allerdings nur wenige Sätze. Weiterlesen

Im Wiener Café, 1935

»Es fing erst an, als ich 1935 in einem Wiener Café über einer Zeitung saß und die eben drüben in Deutschland erlassenen Nürnberger Gesetze studierte. Ich brauchte sie nur zu überfliegen und konnte schon gewahr werden, daß sie auf mich zutrafen. Die Gesellschaft, sinnfällig im nationalsozialistischen deutschen Staat, den durchaus die Welt als legitimen Vertreter des deutschen Volkes anerkannte, hatte mich soeben in aller Form und mit aller Deutlichkeit zum Juden gemacht, beziehungsweise sie hatte meinem früher schon vorhandenen, aber damals nicht folgenschweren Wissen, daß ich Jude sei, eine neue Dimension gegeben. Weiterlesen

Heldengeschichten und Hadern mit der Geschichte

Mann vor vergoldeter Statue

Tobias Schabel als Wallenberg, Foto: Ingo Hoehn © Badisches Staatstheater Karlsruhe

Raoul Wallenberg, seit Jahrzehnten als großer Held gefeiert, wäre dieses Jahr einhundert Jahre alt geworden. Der Sohn einer schwedischen Bankiersfamilie reiste Anfang Juli 1944 im Auftrag des War Refugee Board nach Budapest, um die dort ansässigen Juden vor der Vernichtung zu bewahren. Er nutzte seine diplomatische Immunität, um im Namen Schwedens Schutzpässe auszustellen sowie Schutzhäuser einzurichten und soll auf diese Art und Weise Zehntausende vor dem Tod bewahrt haben. Wallenberg verschwand nach Ende des Krieges und kam mutmaßlich in einem russischen Gefängnis ums Leben. Bereits 1949 wurde ihm ein erstes Denkmal in Budapest gewidmet. Weiterlesen