Veröffentlicht von am 12. Januar 2015 0 Kommentare

Auf dem Weg zu einer Forschungsbibliothek für jüdische Kunst

Sieben Bücher und Broschüren

Graue Literatur aus dem Bestand der Bibliothek, Sammlung William L. Gross © Jüdisches Museum Berlin, Foto: Lea Weik

Die Bibliothek des Jüdischen Museums Berlin wächst täglich. Seit Anfang letzten Jahres gilt das insbesondere für den Bestand zur jüdischen bildenden und angewandten Kunst, der ca. 10.000 Medieneinheiten (Bücher, Zeitschriften, Nicht-Buch-Medien, etc.) umfasst. Denn im Rahmen eines DFG-Projekts, für das ich seit einem Jahr arbeite, haben wir die Möglichkeit erhalten, wesentliche Lücken auf diesem Gebiet zu schließen. Durch die angestrebte Erweiterung werden wir auf dem Weg zu einer Forschungsbibliothek zur jüdischen Kunst und Kulturgeschichte einen großen Schritt vorankommen.

Bevor eine für das Projekt relevante Publikation bei uns eintrifft, sind bereits etliche Vorarbeiten erfolgt. Zunächst musste die Frage geklärt werden:  weiterlesen


Veröffentlicht von am 7. Januar 2015 0 Kommentare

»Abhauen wollte ich nie«: Ein Gespräch mit Rabbiner David Goldberg

Im Sommer 2012 wurde in Deutschland heftig darüber gestritten, ob die Beschneidung von Jungen eine Körperverletzung sei. Dieser so genannten Beschneidungsdebatte ging das Urteil des Kölner Landgerichts voraus, in dem die rituelle Knabenbeschneidung zur »einfachen Körperverletzung« erklärt wurde. Auf dem Höhepunkt der Debatte wurde Rabbiner David Goldberg aus Hof von einem deutschen Arzt angezeigt: Mit seinen Beschneidungen habe er sich der »gefährlich Körperverletzung« schuldig gemacht, so der Vorwurf. Ich habe mich mit ihm über die Anzeige unterhalten, seine Gefühle während dieser Zeit und die Reaktionen, die er damals erlebte.

Älterer Herr im Anzug mit Brille und Vollbart

Rabbiner David Goldberg © privat

Lieber Rabbiner Goldberg, wie kam es zu der Anzeige?

Das ist schnell erklärt: Ich bin wahrscheinlich als Beschneider in Deutschland bekannt und durch meine Website auch leicht zu finden. Beschneidungsgegner suchten ein Opfer – und fanden es in mir. Denn die Menschen, die mich angezeigt haben …

… es waren gleich mehrere?

Ja, es waren mehrere Anzeigen. Aber die Menschen, von denen diese kamen, kannten mich gar nicht. Sie suchten einfach einen Sündenbock.

Wie ging es Ihnen in dieser Zeit?  weiterlesen


Über Zugehörigkeiten und familiäre Kontroversen: ein Gespräch über eine Beschneidung, die nicht stattfand

Säugling, der Mittel- und Ringerfinger spreizt

Noch bevor die Beschneidungfrage endgültig geklärt ist, übt der Sohn schon einmal … © privat

Signe und Darrell sind seit Langem ein Paar. Sie haben sich in den USA kennengelernt, leben seit 15 Jahren in Berlin und haben mittlerweile zwei Töchter und einen Sohn. Signe stammt mütterlicherseits aus einer amerikanisch-jüdischen Familie, ihr Vater kommt aus einer deutsch-evangelischen; Darrell ist 100 % Nordamerikaner – in seiner Familie gibt es puritanische Pastoren, Unitarian Ministers, Mormonen, katholische Befreiungstheologen, liberale Muslime, säkulare Juden. Ich habe mich mit den beiden über die Beschneidung unterhalten und darüber, welche Rolle für sie die jüdische Tradition bei der Erziehung ihrer Kinder spielt.

Ihr habt zuerst eine Tochter und dann Zwillinge bekommen, von denen einer ein Junge ist. Hat euch die Frage, ob ihr euren Sohn beschneiden lassen wollt, während der Schwangerschaft sehr beschäftigt?
Signe: Als ich erfahren habe, dass einer der Zwillinge ein Junge wird, war mein erster Gedanke,  weiterlesen