Die jüdischen Stimmen der US-Wahl 2012

Das Rennen um die US-Präsidentschaft geht in die Zielgerade, doch dieses Mal werden deutlich weniger Amerikaner an die Urnen gehen. Vor vier Jahren, als der 76-jährige Präsidentschaftskandidat aus Arizona, Senator John McCain, das intellektuelle Leichtgewicht Sarah Palin zu seiner Vize-Kandidatin ernannte, erwogen viele seriöse Menschen die Auswanderung nach Kanada oder Australien. Die Vorstellung, dass das Amt der Vizepräsidentin für Sarah Palin, die im Interview keine einzige Zeitung nennen konnte und behauptete, sie könne Russland von ihrem Fenster aus sehen, in greifbarer Nähe gerückt war, erfüllte viele US-Bürger mit Entsetzen. Weiterlesen

Dandy und Cowboy

Aby Warburg mit Schnurrbart und Halstuch

R.B. Kitaj, Portrait of Aby Warburg, 1958–1962 © R.B. Kitaj Estate

R.B. Kitaj ist bekannt für seine expressiven, stark farbigen Gemälde und die Retrospektive im Jüdischen Museum zeigt ihn in seiner ganzen Könnerschaft. Doch mir persönlich hat es ein eher unscheinbares Bild angetan. Es ist ein sehr klein, knapp 15 x 13 cm groß, in Grautönen gehalten, wohl mehr eine Studie. Das Portrait of Aby Warburg (1958) zeigt den Begründer der methodischen Ikonografie Aby Warburg (1866–1929). Der Hamburger Bankierssohn, der die Karriere im Familienunternehmen ausgeschlagen hatte, um Kunst- und Kulturwissenschaftler zu werden, war für den Maler Kitaj eine wichtige Inspiration. Warburg untersuchte das »Weiterleben« antiker Motive in der Kunst der Renaissance – so wie auch Kitaj in seinen Gemälden systematisch Kunstwerke vergangener Epochen zitiert. Weiterlesen

Neue Bräuche zum Neujahr

Mädchen mit Papierschiff am WasserVor einigen Jahren besuchte eine Gastdozentin aus New York die Berliner Synagoge am Fraenkelufer und zeigte uns, wie ihre Gemeinde einen alten Neujahrsbrauch – Taschlich – neu praktiziert.

Üblicherweise versammeln sich Gläubige am jüdischen Neujahrsfest Rosch ha Schana an einem Fluss und streuen Brotkrumen ins Wasser, um sich symbolisch ihrer Vergehen des vergangenen Jahres zu entledigen. In den Landwehrkanal gegenüber der Synagoge entließ die US-Dozentin jedoch nicht Krumen, sondern ein selbstgebasteltes Papierschiffchen, dem sie einen Brief an Gott mitgab. Darin bat sie um Vergebung für ihre Fehler und beteuerte ihre guten Vorsätze. Der Brief enthielt auch einen Dank für die schönen Erlebnisse des letzten Jahres und ihre Wünsche für das kommende Jahr. Weiterlesen