Der Fall »Simson«

Abwicklung und Restitution eines deutschen Unternehmens durch die Treuhandanstalt, 1990-1993 – Diskussion

Die Geschichte des deutschen Traditionsunternehmens »Simson« spiegelt wie kaum ein zweites die wechselvolle deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert wider: Seit 1856 bestanden die Simsonwerke unter Leitung der jüdischen Kaufmannsfamilie Simson als Waffen- und Fahrzeugfabrik in Suhl/Thüringen. Als »jüdische Waffenfabrik« stellte das Unternehmen in den Augen der Nationalsozialist*innen eine besondere Provokation dar. Seine Eigentümer*innen wurden schon früh verfolgt, bis sie schließlich 1935 entschädigungslos enteignet wurden. Der Familie Simson gelang es, in die USA zu emigrieren. Aus dem Suhler Unternehmen wurde ein Rüstungskonzern unter Führung der NSDAP. 1945 übernahmen die sowjetischen Besatzer'*innen die Werke und ließen statt Waffen Motorräder bauen. In der DDR wurden rund dreißig Jahre lang die noch heute berühmten Mopeds (»Schwalbe«) produziert.

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Ort

Altbau EG, Auditorium


Lindenstraße 9–14, 10969 Berlin

Die Transformation in die soziale Marktwirtschaft nach 1989 überlebte die Firma »Simson« nicht. Die Treuhandanstalt übernahm 1990 die Privatisierung, die zugleich durch die Enteignungen im Nationalsozialismus und durch die sowjetische Besatzungsmacht einer der größten Restitutionsfälle in Ostdeutschland war. Einzigartig und brisant macht den Treuhandfall »Simson« zusätzlich der Umstand, dass sich die Erbengemeinschaft der Familie Simson bereitfand, sich in Suhl wieder wirtschaftlich zu engagieren. Allerdings gab die Treuhand nach langwierigen Verhandlungen einem anderen Bieter den Zuschlag. Die Familie Simson kehrte nicht nach Suhl zurück.
Erstmals nach zwanzig Jahren kamen nun die damaligen Akteur*innen wieder zusammen. Sie erinnerten sich an ihre jeweiligen Perspektiven und Erwartungen und diskutierten über die turbulenten Ereignisse nach dem Fall der Mauer.

Die Teilnehmenden der Podiumsdiskussion waren der Sprecher der Erbengemeinschaft der Familie Simson, Dennis Baum, der Wirtschaftsberater der Erbengemeinschaft, Herbert Warth, der ehemals zuständige Leiter des Direktorats Optik, Keramik, Feinmechanik der Treuhandanstalt, Detlef Scheunert, sowie die Historikerin und Autorin der Unternehmensgeschichte der Firma »Simson«, Ulrike Schulz.

Ort

Altbau EG, Auditorium


Lindenstraße 9–14, 10969 Berlin

Weitere Informationen

  • Wann

    23. Januar 2014, 19 Uhr

  • Wo
    Altbau EG, Auditorium

    
Lindenstraße 9–14, 10969 Berlin

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