Russen Juden Deutsche
Fotografien von Michael Kerstgens seit 1992
24. April bis 26. August 2012
Knapp eine Viertelmillion jüdische Einwanderer kam als sogenannte Kontingentflüchtlinge seit der Öffnung des eisernen Vorhangs in den Jahren 1989/90 aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland. Diese Zuwanderung hat die jüdische Gemeinschaft in Deutschland nachhaltig verändert. Michael Kerstgens ist einer der wenigen Fotografen, die den Prozess der Einwanderung russischsprachiger Juden aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland intensiv und über einen längeren Zeitraum dokumentiert haben.
-
- Michael Kerstgens, Seniorenfreizeit im Kurhotel Eden-Park in Bad Kissingen, Bad Kissingen 2001 © Jüdisches Museum Berlin
In seinen Arbeiten beschäftigt sich Michael Kerstgens mit den sozialen und religiösen Herausforderungen der jüdischen Zuwanderer sowie der Situation der »Alteingesessenen«. Er hält religiöse Feiern und gesellschaftliche Aktivitäten der jüdischen Gemeinden, alltägliche Szenen in Übergangswohnheimen und private Momente einzelner Familien fest.
-
- Michael Kerstgens, Gemeinschaftsküche im Übergangswohnheim, Weiden in der Oberpfalz 2001 © Jüdisches Museum Berlin
Die Fotografien erzählen von Abschied und Neubeginn, vom Ankommen und Bleiben, von der Suche nach Zugehörigkeit und religiöser Tradition. Sie sind eine erste visuelle Annäherung an einen Entwicklungsprozess, der noch nicht abgeschlossen und dessen Ergebnis offen ist.
-
- Michael Kerstgens, Purimball der Jüdischen Gemeinde, Weiden in der Oberpfalz 2001 © Jüdisches Museum Berlin
-
- Michael Kerstgens, Familienfreizeit zum Thema Pessach in Bad Sobernheim, Bad Sobernheim 2001 © Jüdisches Museum Berlin
-
- Michael Kerstgens, Chanukkaball der Jüdischen Gemeinde, Berlin 1992 © Jüdisches Museum Berlin
Eigens für die Ausstellung hat der Fotograf einige seiner Protagonisten aus den neunziger Jahren ein weiteres Mal porträtiert. Diese aktuellen Aufnahmen dokumentieren die heutige Situation der Zuwanderer und ihre oft erstaunlichen Wege.
-
- Michael Kerstgens, Küche der Familie Troitschanski, Berlin 1992 © Jüdisches Museum Berlin
-
- Michael Kerstgens, Familie Troychanskiy - wie sie seit ihrer Ankunft in Kanada heißt - beim Schabbatessen, Toronto, Kanada 2011 © Jüdisches Museum Berlin
Die Fotoserie umfasst 162 Schwarz-Weiß-Aufnahmen und ist seit Anfang 2011 Teil der Fotografischen Sammlung des Jüdischen Museums Berlin. Knapp die Hälfte davon ist in der Ausstellung als Inkjet-Prints zu sehen
Die Fotografien werden parallel zur Ausstellung »Berlin Transit. Jüdische Migranten aus Osteuropa in den 1920er Jahren« gezeigt. Sie erweitern den historischen Blick auf das Thema Migration um eine weitere, aktuelle Facette und spüren der Frage nach, wie sich jüdisches Leben in Deutschland mit der Zuwanderung russischsprachiger Juden in den letzten 20 Jahren gewandelt hat.
Laufzeit der Ausstellung
20. April bis 26. August 2012,
täglich 10 bis 20 Uhr, montags 10 bis 22 Uhr
Jüdisches Museum Berlin, Lindenstr. 9-14, 10969 Berlin, Eric F. Ross Galerie, Libeskindbau EG
Eintritt
4 Euro, erm. 2 Euro
oder als
Kombiticket (Dauerausstellung & Sonderausstellung): 7 Euro, erm. 3,50 Euro
Videomitschnitte von der Ausstellungseröffnung
am 19. April 2012
Stationen der Ausstellung
Berlin
24. April bis 26. August 2012 im Jüdischen Museum Berlin
Darmstadt
4. November bis 2. Dezember 2012 im Designhaus Mathildenhöhe
-
Oberhausen
24. Februar bis 21. April 2013 in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen
-
Budapest
5. bis 18. März 2013 im ungarischen Außenministerium
2. Mai bis 23. Juni 2013 im Historischen Museum im Burgpalast
Weitere Informationen zur Ausstellungstation in Budapest auf Deutsch, Englisch und Ungarisch (1MB)
Publikation zur Ausstellung
Neues Leben
Russen – Juden – Deutsche
Fotografien von Michael Kerstgens
Mit Texten von
Wolfgang Büscher
Michael Kerstgens
Hanno Loewy
Theresia Ziehe
Kehrer Verlag
Festeinband
Format: 29,7 x 24 cm
136 Seiten
126 Duotonabbildungen
29,90 Euro
ISBN 978-3-86828-277-1
Das Kontingent-
flüchtlings-
gesetz
Im Zuge des Vereinigungsprozesses übernahm die Bundesrepublik Deutschland das Versprechen der letzten DDR-Regierung, Juden aus der damals noch existierenden Sowjetunion aufzunehmen. Am 9. Januar 1991 beschlossen die Ministerpräsidenten der Bundesländer in Absprache mit der Regierung und dem Zentralrat der Juden in Deutschland, dass jüdisch-russische Emigranten auf Basis des Kontingentflüchtlingsgesetzes in Deutschland aufgenommen werden. Alle Personen, die laut russischer Dokumente jüdisch waren, sowie deren nichtjüdische Familienangehörige, konnten entsprechende Anträge stellen und eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis erwerben.
Im Gegensatz zu den Spätaussiedlern aus der ehemaligen Sowjetunion erhielten Kontingentflüchtlinge nicht automatisch die deutsche Staatsangehörigkeit, konnten diese aber nach bestimmten Fristen beantragen. Sie hatten Anspruch auf eine Arbeitserlaubnis, Sozialleistungen und Integrationshilfen, wie einen kostenlosen Sprachkurs und die Unterstützung bei der Wohnungssuche.
Mit dem Zuwanderungsgesetz vom 1. Januar 2005 verlor das Kontingentflüchtlingsgesetz seine Gültigkeit. 2007 wurde die weitere Aufnahme jüdischer Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion beschlossen, nun jedoch mit strengeren Auflagen.
Inzwischen ebenfalls abgebaute Sonderausstellung
im Jüdischen Museum Berlin
Berlin Transit
Jüdische Migranten aus Osteuropa in den 1920er Jahren
Laufzeit der Ausstellung23. März bis 15. Juli 2012
Jüdisches Museum Berlin
Lindenstr. 9-14
10969 Berlin
Altbau 1. OG
Über die Inhalte der - unterdessen wieder abgebauten - Ausstellung »Berlin Transit« können Sie sich weiterhin auf der Ausstellungswebsite informieren.
English



