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Aprilboykott

Am 1. April 1933 begann mit einem landesweiten Boykott von Geschäften, Arztpraxen und Anwaltskanzleien, die von Juden betrieben wurden, die organisierte Judenverfolgung im nationalsozialistischen Deutschland. Der sogenannte Aprilboykott wurde von der Parteileitung der NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei) angeordnet und organisiert und war vielfach mit einer Beschädigung und Plünderung der betroffenen Geschäfte und Gewalt gegen ihre Betreiber verbunden.

Diesem heute vielfach als »Aprilboykott« bezeichneten historischen Ereignis folgten bis 1945 zahlreiche und weitaus drastischere Maßnahmen und Gesetze zur systematischen Zerstörung der Lebensgrundlage der jüdischen Bevölkerung im nationalsozialistischen Deutschland, die schließlich in der Vertreibung und der Ermordung von etwa sechs Millionen Juden in ganz Europa einen traurigen Höhepunkt fanden.

Schild »Deutsche! Wehrt euch! Kauft nicht bei Juden!« an einem Geschäft und uniformierte Männer
Aufruf zum Boykott jüdischer Geschäfte am 1. April 1933, Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz

... und was gibt's noch?

Foto einer Ausstellungstafel mit der Aufschrift: »Juden werden hier nicht bedient«

Führung zur Frage, wie deutsche Juden auf den Nationalsozialismus reagierten

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Archiv

Ein Archiv verwahrt - meist schriftliche - Dokumente. Es gibt aber auch Tonarchive, Filmarchive oder Archive, in denen Bilder oder Gegenstände lagern. Archive widmen sich mittlerweile auch dem Bewahren von persönlichen Dingen wie Tagebüchern, Briefen oder Fotoalben. Ursprünglich sammelten Archive aber vor allem offizielle Dokumente, also beispielsweise Gerichtsakten oder von Ämtern verfasste Schriftstücke. Das kann man dem Begriff Archiv bis heute ansehen: Er leitet sich vom lateinischen Wort für »Amtsgebäude« - »archivum« - ab.

Dokumente und dergleichen werden aufbewahrt, falls man später noch einmal nachvollziehen möchte, was Menschen einmal aufgeschrieben, wie sie gelebt und gedacht haben. Filme, Bilder, Texte und Gegenstände aus oder über eine bestimmte Zeit können uns wichtige Hinweise geben, um aus heutiger Sicht Vergangenes zu verstehen.

Auch im Jüdischen Museum Berlin gibt es ein Archiv. Hier werden zahlreiche Nachlässe aufbewahrt, aus denen sich Rückschlüsse auf das Schicksal deutsch-jüdischer Familien ziehen lassen. Meist werden dem Museum solche Dokumente von ihren Besitzern oder deren Nachkommen geschenkt. So trägt das Archiv des Jüdischen Museums Berlin mit seiner Arbeit dazu bei, Informationen über das gesellschaftliche und religiöse Leben von Juden in Deutschland aus der nahen und ferneren Vergangenheit zu sichern und für kommende Generationen zu bewahren: Denn das Bewahren ist eine der wichtigsten Aufgaben aller Museen.

Im Website-Bereich »Museum vor Ort« wird das Archiv des Jüdischen Museums Berlin ausführlich vorgestellt.

Im Website-Bereich »Online-Schaukasten« gibt Manfred Wichmann, Historiker und Archivar, in dem kurzen Film »was wir nicht zeigen« Einblick in die Arbeit des Archivs im Jüdischen Museum Berlin.

Computerbildschirm und Person
Archivrecherche im Lesesaal des Jüdischen Museums Berlin
© Jüdisches Museum Berlin, Foto: Jens Ziehe
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Saxophon in einem Koffer

Projekttag: Im Archiv mit Zeitzeugen - Workshop im Archiv des Jüdischen Museums Berlin

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Aschkenasen/Aschkenasim

Der hebräische Begriff »Aschkenas« bezeichnete seit dem Mittelalter das Gebiet des heutigen Deutschland, wo zu dieser Zeit die blühenden Gemeinden von Speyer, Worms und Mainz ein wichtiges Zentrum jüdischer Gelehrsamkeit bildeten. Daraus leitet sich auch die Bezeichnung Aschkenasen oder Aschkenasim für Juden und ihre Nachkommen in West- und Osteuropa ab. Die aschkenasischen Juden entwickelten über die Jahrhunderte eine gemeinsame kulturelle Tradition. Ihre Sprache war das Jiddische, das sich aus dem Mittelhochdeutschen entwickelte und hebräische und slawische Elemente enthält, aber in hebräischen Buchstaben geschrieben wird.

Die andere große Gruppe der europäischen Juden wird Sephardim oder Sepharden genannt. Sephardische Juden siedelten zunächst auf der iberischen Halbinsel, also dem Gebiet des heutigen Spanien und Portugal, nach der großen Vertreibung von 1492 aber auch im Osmanischen Reich (das Gebiet der heutigen Türkei, Nordafrika, Teile des vorderasiatischen und südeuropäischen Raums) sowie einigen Regionen Nordeuropas. Auch die Sepharden bildeten eine eigenständige Sprache aus, die Ladino oder Spaniolisch genannt wird.

Wenn heutzutage von Aschkenasen die Rede ist, verweist dieser Begriff meist in erster Linie auf eine Familiengeschichte oder das Selbstverständnis, also die Identität eines Menschen, und nicht mehr unbedingt auf den Wohnort: Mittlerweile leben aufgrund der großen Auswanderungswellen Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts und wegen der Verfolgung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland viele aschkenasische Juden in anderen Regionen der Welt, vor allem in den USA und in Israel. Dementsprechend spricht heutzutage nur noch eine Minderheit der Aschkenasim Jiddisch als Muttersprache.

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