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Robert Longo

Der Freud-Zyklus


Robert Longo: Der Freud-Zyklus, Ausstellungsansicht (c) JMB, Foto: Jens Ziehe

Robert Longo: Der Freud-Zyklus, Ausstellungsansicht
© Jüdisches Museum Berlin, Foto: Jens Ziehe

Das Jüdische Museum Berlin präsentiert unter dem Titel »Zeitgenössische Kunst im Jüdischen Museum Berlin« eine Ausstellungsreihe, in der etwa zwei Mal im Jahr Arbeiten zeitgenössischer Künstler zu Themen der deutsch-jüdischen Geschichte, Kultur und Identität vorgestellt werden.

Den Auftakt machten Arbeiten aus dem Freud-Zyklus des amerikanischen Künstlers Robert Longo, die vom 30. Mai bis zum 18. August 2002 im Jüdischen Museum Berlin gezeigt wurden.

Gemälde von Robert Longo: FREUD WAS (Machine Virus) - Putting on a Hat (c) JMB, Foto: Jens Ziehe

Gemälde von Robert Longo: FREUD WAS (Machine Virus) - Putting on a Hat
© Jüdisches Museum Berlin, Foto: Jens Ziehe

Die in New York in den Jahren 1999 und 2000 entstandenen großformatigen schwarz-weissen Zeichnungen zeigen Ausschnitte aus Sigmund Freuds Wohnung in der Wiener Berggasse 19. Auf den ersten Blick wirken sie fast wie Fotografien. Und tatsächlich gehen sie auf Fotografien zurück, die kurz vor Freuds Emigration am 4. Juni 1938 entstanden. Edmund Engelmann hat die Wohn- und Arbeitsräume des Arztes und Begründers der Psychoanalyse dokumentiert. Details dieser Fotos - die Wohnungstür, die Decke auf der Couch, Figuren aus Freuds Sammlung oder der Ofen aus Anna Freuds Behandlungszimmer - wurden von Robert Longo auf stark vergrößerte Zeichnungen übertragen. Die in den Fotografien noch präsente Intimität der »Gedächtnishöhle« wird in der Interpretation des Künstlers zu einer alptraumhaften Erfahrung. Geisterhaft treten die Fragmente des Vertrauten aus dem opaken Schwarz. Das Glas und die schweren schwarzen Rahmen bannen diese Bilder in eine versiegelte, unzugängliche Welt.

Robert Longo (geb. 1953 in Brooklyn) hat seit Ende der siebziger Jahre ein umfangreiches Oeuvre aus Zeichnungen, skulpturalen Installationen, Reliefs, aber auch aus Musikvideos, Filmen und Bühnenbildern geschaffen. Thema seines Werkes ist die Gewalt der durch Medien, Kommerz und Kunst vermittelten allgegenwärtigen Bilderflut. Anders als in diesen früheren Arbeiten thematisiert Longo im Freud-Zyklus jedoch weniger die Bedrohung durch Bilder, sondern den historischen Moment der Bedrohung, in dem die Fotografien entstanden sind. Die erzwungene Auflösung der bereits legendären Arbeitsräume der Freuds verwandelt diese vom Symbol einer neuen Wissenschaft in ein Symbol einer zu Ende gehenden Epoche, einer zerstörten Lebenswelt.

Im Kontext des Jüdischen Museums ist die Arbeit auch eine Auseinandersetzung mit einer der wichtigsten Persönlichkeiten des deutschsprachigen Judentums und mit einem Wendepunkt der deutsch-jüdischen Geschichte.

Wann

30. Mai 2002 - 18. August 2002

Gezeigt wurden Leihgaben aus den Sammlungen Wolfgang Beck, München, Prof. Dr. Peter Böckli, Basel, der Galerien Hans Mayer, Düsseldorf, und Metro Pictures, New York, sowie eine Schenkung von Dieter und Si Rosenkranz, Berlin.

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