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Alles hat seine Zeit

Rituale gegen das Vergessen


Wegen des großen Erfolgs im Jüdischen Museum München ab Herbst auch in Berlin

Die Ausstellung thematisiert Strategien gegen das Vergessen aus jüdischer Perspektive und widmet sich jüdischen Übergangs- und Erinnerungsritualen. Sie zeigt den Ursprung dieser Rituale, wie sie praktiziert werden und was sie bedeuten. Neben den zyklischen religiösen Erinnerungsriten werden auch Strategien gegen das historische Vergessen aufgezeigt.

Kiddusch-Decke, Tora-Schild, Kiddusch-Becher und ein modernes Challa-Brett

Vitrinenansicht mit Objekten zum Thema »Erinnerung an die Schöpfung«
Kuratorin: Dr. Felicitas Heimann-Jelinek, Wien
Ausstellungsgestaltung: Architekt Martin Kohlbauer, Wien
© Jüdisches Museum Berlin, Foto: Klaus Teuschler

Geburt, Kindheit, Schule, Mündigkeit, Selbstständigkeit, Eheschließung, Alter und Tod markieren schmerzhafte oder freudvolle Phasen im Leben jedes Menschen. Wie alle Kulturen hat auch das Judentum für diese Lebensabschnitte bestimmte Strategien entwickelt, die helfen können, diese Übergänge zu verarbeiten. In der Ausstellung stehen rund sechzig Objekte aus öffentlichen und privaten Sammlungen für den universellen Charakter dieser Übergangsriten, die zugleich für den Einzelnen von einzigartiger Bedeutung sind.

Auch die Gemeinschaft begeht Rituale, die sich auf für sie prägende historische Ereignisse beziehen. Dazu gehören jährliche Feiertage und mehrtägige Feste wie Pessach, das an den Auszug der Israeliten aus Ägypten erinnert, das Lichterfest Chanukka (Erinnerung an den Sieg) oder das Laubhüttenfest Sukkot (Erinnerung an die Wanderung). Alle drei Feste sind mehrtägig und symbolisieren wichtige Passagen in der jüdischen Geschichte oder im Jahreszyklus.

Zu den kollektiven säkularen Ritualen gehören solche, die die nationale Identität und die loyale Verbundenheit mit dem Vaterland stärken. Zeitgenössische Erinnerungsrituale reflektieren auch die Zeit des Nationalsozialismus und der Schoa. Hiervon ausgehend erforschte die amerikanische Künstlerin Quintan Ana Wikswo fotografisch Reste des sogenannten ›Sonderbaus‹ in Dachau, des KZ-Bordells, und bearbeitete sie literarisch. Denn im öffentlichen Gedenken wird die Opfergruppe der sexuell ausgebeuteten Frauen in den Konzentrationslagern bis heute ausgeblendet.

Wann

18. Oktober 2013 bis 9. Februar 2014

Wo

Altbau 1. OG

Wikswos Bilder fokussieren das Nicht-Dokumentierte und das Nicht-Erzählte jüdischer Leidensgeschichten. Eine Auswahl dieser eindringlichen großformatigen Fotos steht den ›unschuldigen‹ Strategien und Objekten gegen das Vergessen herausfordernd gegenüber.

Unter www.jmberlin.de/zeit wird es eine eigene Website zur Ausstellung geben.

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