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Installation »bios [torah]«


Ein Industrieroboter schreibt eine Tora. Er greift dabei nicht etwa auf digitale Drucktechniken zurück, sondern eignet sich den menschlichen Schreibakt an. Mit Schreibfeder und Tinte versehen, zeichnet er in der Geschwindigkeit der menschlichen Handschrift insgesamt 304.805 hebräische Buchstaben auf eine rund 80 Meter lange Papierrolle.

Ein Industrieroboter mit Schreibfeder schreibt hebräische Schriftzeichen auf eine Papierrolle

Die Roboter-Installation »bios [torah]«
© robotlab

Die Installation »bios [torah]« der Künstlergruppe robotlab verweist auf die Tätigkeit des Tora-Schreibens, die in der jüdischen Tradition von einem eigens dafür ausgebildeten Schreiber, dem Sofer, verrichtet wird. Während der Sofer die Heiligkeit der Schrift garantiert, unterstreicht die Installation deren industrielle Reproduzierbarkeit. Sie simuliert eine jahrhundertealte Kulturtechnik, die von den medialen Entwicklungen längst eingeholt wurde.

Die Tora, die von dem Industrieroboter geschrieben wird, ist nicht koscher: Ihre Entstehung entspricht weder den materiellen noch den immateriellen Erfordernissen des jüdischen Religionsgesetzes. Der Roboter unterscheidet nicht zwischen Pergament und Papier. Er kennt auch keine Segenssprüche. Er schreibt, was und wie er programmiert wurde.

Der Titel der Installation weist auf eine elementare Komponente der Computertechnik, das Basic Input Output System (BIOS) hin. BIOS ist das System, auf dem alle Programme eines Computers aufbauen. Es ist für die Entwicklung  der Maschine von ebenso fundamentaler Bedeutung wie die Schrift für die Kulturgeschichte des Menschen.

Die Künstlergruppe robotlab setzt sich mit der Beziehung zwischen Mensch und Maschine auseinander. In ihren Installationen und Performances im öffentlichen Raum kommen immer wieder Industrieroboter zum Einsatz. robotlab schafft experimentelle Anordnungen, die neue Perspektiven auf den Körper und die mechanischen Bewegungen von Robotern ermöglichen. Sie antizipieren damit den Blick in eine Zukunft, in der Roboter zum sichtbaren Bestandteil gesellschaftlichen Alltags geworden sind.

Wann

10. Juli 2014 bis 11. Januar 2015

Wo

Libeskind-Bau EG, Eric F. Ross Galerie

Eintritt

mit dem Museumsticket (8 Euro, erm. 3 Euro)

robotlab / Matthias Gommel, Martina Haitz, Jan Zappe
bios [torah] (2007/14)
Roboterinstallation

Mitarbeit hebräische Kalligrafie und Satz:
Sahar Aharoni, Karlsruhe
Mit freundlicher Unterstützung von:
ZKM Karlsruhe, KUKA Augsburg, LAMY Heidelberg, PAPIER UNION Karlsruhe, CORDIER Papier Bad Dürkheim, WINTOPO Biggleswade/UK

Lesen sie auch das Interview über Theorie und Praxis des Tora-Schreibens mit Tora-Schreiber Rabbiner Reuven Yaacobov, der in der Ausstellung »Die Erschaffung der Welt« seine Kunst zeigt.

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