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Exil in Schanghai


belebte Straßenszene

Nanking Road in Schanghai, Fotografie von Berthold Metis, um 1940. Metis war 1938 mit seiner Familie nach Schanghai geflohen, nachdem er zuvor 3 Wochen in KZ-Haft gewesen war.
© Jüdisches Museum Berlin, Schenkung Rita Opitz

beengter Raum mit sieben Männern

Männer in einem Flüchtlingsheim in Schanghai, Foto von Arthur Rothstein, ca. 1939
© United Nations Archives, Arthur Rothstein Collection, New York

Nach dem Novemberpogrom 1938 wurde Schanghai zu einem der wichtigsten Zufluchtsorte für jüdische Emigranten. Bis 1941 flohen etwa 20.000 vorwiegend deutsch-jüdische Flüchtlinge in die berüchtigte Stadt am Ostchinesischen Meer.
Schanghai lag für deutschsprachige Juden buchstäblich am Ende der Welt. Dennoch wurde die Stadt für viele die letzte Rettung, da dort im Unterschied zu anderen Orten weder nach Visum noch nach einer Bürgschaft gefragt wurde. Durch diesen freien Zugang wurde die Stadt vorwiegend zum »Exil der kleinen Leute«.

Nach wochenlanger Schiffspassage oder Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn kamen die Flüchtlinge in Schanghai an. Viele waren mittellos und auf die Unterstützung jüdischer Hilfsorganisationen angewiesen.

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Der Gründungsdirektor des Jüdischen Museums, W. Michael Blumenthal, floh 1939 mit seiner Familie nach Schanghai. Hier beschreibt er die Lebensbedingungen der Flüchtlinge.

Ihr Alltag wurde zusätzlich erschwert durch die fremde Umgebung, primitiven Unterkünfte in Massenquartieren und die ungewohnten klimatischen Bedingungen. Nur wenige schafften es, sich eine gesicherte Existenz aufzubauen. Trotzdem gelang es den Künstlern und Schriftstellern unter ihnen, ein vielfältiges Kulturleben zu inszenieren.

Ende 1941 besetzte die japanische Armee die Stadt und die Lage der inzwischen von der deutschen Regierung als »staatenlos« erklärten Flüchtlinge verschlimmerte sich. 1943 mussten sie in ein Ghetto im Distrikt Hongkew ziehen, wo sie auf engem Raum lebten und unter den Repressalien der japanischen Machthaber litten.

Mann sitzt auf Koffer, seinen Kopf in seine Hände versenkt

Mr. Nobody, Holzschnitt von David Ludwig Bloch, 1940er Jahre. Der in der Oberpfalz geborene Künstler Bloch kam 1940 nach Schanghai.
© Jüdisches Museum Berlin, Ankauf von Lydia Abel / VG-Bild Kunst, Bonn

Nach Kriegsende herrschte unter den Flüchtlingen große Ungewissheit. Zu der Frage, wie es weitergehen könnte, kam die Sorge um die in Europa zurückgebliebenen Verwandten und Freunde. Die meisten zogen weiter: in die USA, nach Australien oder Palästina. Nur selten kehrten sie in ihre frühere Heimat zurück. Auch wenn sie inzwischen in aller Welt leben – die Erfahrung im Exil verbindet die »Shanghailänder« zeitlebens miteinander, wie etwa diese Website dokumentiert: www.rickshaw.org.

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