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Überleben mit Musik


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Ausschnitt aus dem Film »La Paloma ade. Spiel ihnen das Lied vom Tod« von Jens Arndt, 1997
© ZDF, Mainz

Zeichnung von Alfred Kantor: »Terezin's Café«

Alfred Kantor: »Terezin's Café« (Theresienstadts Café), 1945. Kantor bemerkt zu dem Bild: »Die Hauptattraktion des Kaffeehauses war die kleine Jazzkapelle, das Fricek-Weiss-Quintett, die Ghetto-Swingers. Sie spielten täglich, doch durfte man das Kaffeehaus nur einmal im Jahr für zwei Stunden besuchen. […] Die Menschen saßen stumm dort, manche mit Tränen in den Augen, und lauschten der Musik.«
© Aus: Das Buch des Alfred Kantor, Wien/München/Zürich: Fritz Molden Verlag, 1972

Der Berliner Jazzgitarrist Coco Schumann (geb. 1924) war im Berlin der 1930er und 1940er Jahre vielen Repressionen ausgesetzt; 1943 wurde er nach Theresienstadt und 1944 nach Auschwitz deportiert. Die Musik rettete ihm in beiden Lagern das Leben. Bis heute ist er ein erfolgreicher Jazzmusiker.

Heinz Schumann, genannt Coco, wuchs in einer liberalen Handwerkerfamilie in Berlin-Mitte auf, in der Gewissheit deutsch zu sein. Bereits als Junge begeisterte er sich für die Jazzmusik. Im NS-Staat half sie ihm, die Ausgrenzung als Jude durch seine Mitschüler zu ertragen. Der Jazz wurde für den Sechzehnjährigen zu einer Gegenwelt.

Im Ghetto Theresienstadt spielte Coco Schumann Schlagzeug in der Jazz-Band, den »Ghetto-Swingers«. In dem »Vorzeigeghetto« gab es ein kulturelles Leben in sehr engen Grenzen – doch der Alltag war von Not und Elend bestimmt.

Foto: Wachleute

Wachleute teilen soeben in Auschwitz-Birkenau angekommene ungarische Juden in »Arbeitsfähige« und »Arbeitsunfähige« ein. Die Aufnahme entstand im Mai 1944, vermutlich durch einen Angehörigen des SS-Wachpersonals.
© Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz

Ende September 1944 wurde Coco Schumann in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Er wurde wieder als Musiker eingeteilt und entging so der mörderischen Zwangsarbeit. Seine Band musste vor den Wachleuten spielen und auch wenn die Häftlinge in die Gaskammern getrieben wurden.

Nach der Befreiung kehrte Coco Schumann im Juli 1945 nach Berlin zurück, wo er seine Eltern und seinen Bruder wiedertraf, die durch glückliche Umstände überlebt hatten. Er begann im Nachkriegsdeutschland seine eigentliche Karriere als professioneller Musiker. »Ich bin kein KZ’ler, der Musik macht, sondern ein Musiker, der mal im KZ war«, lautet die Selbsteinschätzung des Jazz-Musikers Coco Schumann.

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