»Visionen der Zugehörigkeit«
Diskussionsreihe
19. September 2012
Gehört der Rassismus zu Deutschland? Und wenn ja: warum?
Seit geraumer Zeit wird debattiert, ob der Islam zu Deutschland gehört. Wir stellen eine andere Frage: Gehört der Rassismus zu Deutschland? Und wie breit ist er in der Gesellschaft verankert? Die im vergangenen Jahr bekannt gewordene NSU-Mordserie und das behördliche Versagen bei den Ermittlungen geben diesen Fragen neue Dringlichkeit. Der Bielefelder Forscher Wilhelm Heitmeyer untersucht die »deutschen Zustände« schon seit zehn Jahren und diagnostiziert einen Anstieg von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Jeder zweite Befragte sieht Deutschland demnach »in einem gefährlichen Maß überfremdet«. Fast jeder Dritte meint, er fühle sich durch »die vielen Muslime hier manchmal wie ein Fremder im eigenen Land« und dass man in Deutschland lebende Ausländer »wieder in ihre Heimat zurückschicken sollte,« wenn Arbeitsplätze knapp werden. Haltungen wie diese sind keine Ausnahmeerscheinungen - und sie finden sich in allen gesellschaftlichen Schichten.
29. Oktober 2012
Welche Religion gehört zu Deutschland?
Die religiöse Landschaft in Deutschland hat sich deutlich verändert: In der christlich geprägten, wenngleich stark säkularisierten Gesellschaft nimmt die religiöse Vielfalt zu.
In der Pluralisierung der Religionen sehen jedoch mehr als 70 % der Deutschen eine Ursache für Konflikte, während nur rund die Hälfte darin eine Bereicherung sieht. Westeuropäische Nachbarn sind gegenüber dem Islam und anderen nichtchristlichen Religionen viel toleranter als Deutsche, wie eine Umfrage der Universität Münster 2010 ergab. Danach sprechen sich Deutsche deutlich öfter als Franzosen, Dänen, Niederländer oder Portugiesen gegen neue Moscheen und Minarette aus, und sie sind auch weniger bereit, anderen Religionen gleiche Rechte zuzugestehen. Nun gibt es sogar ein Urteil des Kölner Landgerichts, das die rituelle männliche Beschneidung strafbar macht und damit die Religionsfreiheit einschränkt.
21. November 2012
Meine Liebe zu Deutschland...
»Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht« - so schrieb Heinrich Heine 1843 im Pariser Exil über sein Vaterland, schwankend zwischen ironischer Distanz und Sehnsucht. Heine, der in der deutschen Gesellschaft zeitlebens Ausgrenzung erfuhr, zählt heute zu den am meisten übersetzten Dichtern deutscher Sprache und prägte das Deutschlandbild im In- und Ausland.
Was für ein Deutschlandbild haben deutsche Kulturschaffende heute? Was bewerten sie positiv? Und wie beeinflussen ihre Erfahrungen und Perspektiven als Minderheiten das aktuelle Kulturgeschehen? Welche Werke deutscher Kultur eröffnen ihnen - und ihrem Publikum - Räume für Identifikationen? Was für neue deutsche Narrative entstehen heute, in denen sich auch transkulturelle Einflüsse spiegeln?
Kontakt
Julia Jürgens
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