_
Jüdisches Museum Berlin vor Ort Kinder, Schüler, Lehrer Online-Schaukasten Der Museumsblog »Blogerim«

Seder-Aufsatz


geschmückte Aufbewahrung mit drei Regalbrettern

Es gibt viele Verstecke für den »Afikoman«, das Stück Mazze, mit dem das Festmahl am Seder-Abend beendet wird. Unauffindbar verborgen, im Regal zwischen Büchern oder in der Küche hinter Dosentomaten, kann es der Dieb dem Zeremonienmeister des Seder-Mahls teuer verkaufen. Denn ohne diesen »Nachtisch« aus ungesäuertem Brot darf der Seder nicht fortgesetzt werden.

Mit dem Seder-Abend beginnt das achttägige Pessachfest. Er besteht in einer Folge von Lesungen, Liedern, gleichnishaften Speisen und Handlungen, sowie einem Festmahl, mit dem des Auszugs aus Ägypten gedacht wird. Auf den Seder-Tisch gehören auch drei übereinander platzierte Mazzen, die für die beiden Priestergruppen Levi und Kohen sowie für das Volk Israel stehen. Die mittlere Mazze wird vor dem Essen geteilt. Eine Hälfte wird gleich gegessen, die andere Hälfte, der Afikoman, für das Ende des Mahls aufgehoben – und gerne von einem Kind versteckt.

Dieser Seder-Aufsatz von Kallmann Rothschild, einem Kunstlehrer aus dem hessischen Schlüchtern, wurde zur Aufnahme der drei Mazzen hergestellt. Auf der bemalten Oberseite steht auf hebräisch »Pessach«, »Mazza« und »Maror«, nach dem Gebot von Rabbi Gamliel II, dass, wer diese Worte an Pessach nicht ausgesprochen hat, seiner Pflicht nicht genügt. Eine südländisch anmutende Hügellandschaft verweist auf Israel als Land der messianischen Sehnsucht. Hinter dem kurzen Vorhang liegen die Mazzen und warten darauf, für den Seder aufgedeckt zu werden.

Kallmann Rothschild floh nach einer Inhaftierung 1938 im KZ Oranienburg mit Frau und Sohn nach England, wo er im Alter von 82 Jahren starb.

Objektdaten:
Seder-Aufsatz
Kallmann Rothschild (1891–1973)
Hamburg, ca. 1912–1939
Holz, Glas, Textil
10,9 x 30,8 x 30,8 cm

Hintergrund:

Eine jüdische Frau reinigt sich rituell im Tauchbad, Illustration aus einem Gebetbuch, Deutschland 1427-1428
© Staats- und Universitätsbibliothek »Carl von Ossietzky«, Hamburg

Zurück zum Wunderblock
In Kontakt bleiben über