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Selbstporträt an der Staffelei


Maler im Studio

© Ludwig Meidner-Archiv, Jüdisches Museum der Stadt Frankfurt am Main

Das Entstehungsjahr dieses Selbstporträts brachte eine Wende in der künstlerischen Entwicklung Ludwig Meidners, einem der bedeutendsten jüdischen Vertreter des Expressionismus.

Im November 1912 stellte Meidner gemeinsam mit Jakob Steinhardt und Richard Janthur in Herwarth Waldens Galerie »Der Sturm« aus. Die drei Künstler nannten sich »Die Pathetiker« und wollten unter dem Vorzeichen eines »neuen Pathos«, wie der Schriftsteller Kurt Pinthus sich erinnerte, »bewusst mit übersteigertem Ausdruck, in feurigem Ausbruch überalterte Formen in den Künsten und der Gesellschaft zersprengen (…), um Neues, wie wir glaubten: Besseres aus zukunftsgläubigem Herzen und ‚tätigem Geist’ zu schaffen oder wenigstens vorzubereiten«.

Die Verbindung von künstlerischem, gesellschaftlichem und religiösem Aufbruch durchzog Meidners Werk und Leben. Vom links-anarchistischen Revolutionär wandelte er sich zum religiösen Mystiker und schließlich zum streng observanten Maler biblischer Themen.

Seine zahlreichen Selbstporträts waren das Medium, in dem er sein künstlerisches Selbstverständnis formulierte: Er experimentierte mit Vorbildern und gab sich dabei mal selbstquälerisch zweifelnd, mal dämonisch, mal frech. Im vorliegenden Fall zeigt er sich selbstbewusst. Die Komposition zitiert die Konventionen des Künstlerporträts. Doch in seinem malerischen Duktus, der mit heftigen Pinselschwüngen und intensiven, fast grellen Farben arbeitet, verlässt Meidner den Rahmen der Tradition.

Objektdetails:
Selbstporträt an der Staffelei
Ludwig Meidner (1884–1966)
1912
Öl auf Leinwand
89 x 69 cm
Ankauf aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin

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