Die Akademie vereint Bibliothek, Archiv und Museumspädagogik unter einem Dach. Der Entwurf von Daniel Libeskind bindet die Akademie in das bestehende Museumsensemble ein: Das Konzept sind drei geneigte Kuben. Der erste Kubus - Eingangskubus - durchdringt die Fassade des Gebäudes und schafft ein Pendant zum Haupteingang des Jüdischen Museums Berlin im Kollegienhaus und zum Kopf des Libeskind-Baus auf der gegenüberliegenden Seite der Lindenstraße. Die Figur des Kubus variiert ein Thema, das sich auch im Garten des Exils und im Glashof des Museums wiederfindet. Daniel Libeskind entwickelt die neue Akademie damit im Kontext und in der Formensprache der bisherigen Architektur.
In den Eingangskubus werden Oberlichter in Form der ersten beiden Buchstaben des hebräischen Alphabets, Alef und Bet, eingelassen, die auf die Bildungs- und Forschungsarbeiten an diesem Ort verweisen. Im Gebäudeinneren beherbergen zwei weitere gegeneinander geneigte Kuben das Auditorium und die Bibliothek. Die Kuben, die mit Holz verkleidet sind, erinnern einerseits an Transportkisten, andererseits an die Arche Noah. Sie symbolisieren die Überlieferung der Vermächtnisse, die dem Jüdischen Museum Berlin aus aller Welt zugehen, und die in der Akademie bewahrt und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Zwischen den drei Kuben entsteht ein spannungsvoller Raum, der vielfältige Blicke ins Innere sowie auf den zukünftigen Stadtplatz im Außenbereich erlaubt. Diese »Zwischenräume« verbinden den Eric F. Ross Bau und die ehemalige Blumengroßmarkthalle mit dem Kollegienhaus und dessen Glashof sowie dem Libeskind-Bau auf der anderen Straßenseite.
Die Akademie beherbergt neben dem Auditorium und der Freihandbibliothek mit angrenzendem Lesesaal die Räumlichkeiten der Bildungsarbeit: eine Gäste-Schüler-Werkstatt sowie Büro, Seminar- und Besprechungsräume. Durch den Kubus der Bibliothek führt eine Verbindung, die von der Bibliothek räumlich durch eine Glaswand getrennt ist und in den Archivbereich mündet. Hier liegen die Archiv-Depots, Arbeitsräume für Gast-Wissenschaftler, Büro- und Seminarräume. Die Hoffläche im Innenraum zwischen den Gebäudeelementen ist als »Garten der Diaspora« gestaltet.
Der Garten der Diaspora
Ein neues Terrain für pädagogische Programme
Der Garten der Diaspora im Inneren der Akademie dient als Raum des
Austausches und der Reflexion, aber auch als Lern- und Anschauungsort
für neue pädagogische Programme des Jüdischen Museums Berlin. Von den
Gartenkünstlern des Landschaftsarchitekturbüros »atelier le balto«
gestaltet, setzt sich der Garten der Diaspora mit Aspekten des Lebens in
der Diaspora auseinander.
In der Mitte des Gartenraumes stehen vier scheinbar schwebende Stahlplateaus von ca. vier mal 14 Metern Fläche, die von einem Holzpodest umgeben sind. Die Plateaus können flexibel gestaltet und genutzt werden. Ihre Bepflanzung orientiert sich je an einem spezifischen Thema: Landschaft, Kultur und Boden, Natur und Mensch. Das vierte Plateau, »Akademie«, dient als Experimentierfeld für die Teilnehmenden an den pädagogischen Programmen: Hier stehen nicht nur Karten, Zeichnungen und Fotos zur Verfügung, sondern auch Erde, Samen und Töpfe zum selbst Bepflanzen. Die Plateaus zeigen unterschiedliche Grade an Veränderlichkeit und präsentieren den Garten dadurch mit immer wieder neuen Aspekten und Schwerpunkten.
Auf den vier Plateaus findet sich eine große Vielfalt an Pflanzen: Solche, die einen besonderen Bezug zum jüdischen Leben oder zu jüdischen Persönlichkeiten haben; Pflanzen in verschiedenen Entwicklungsstadien, die Prozesse wie das Samen, Wurzeln, Wachsen oder Welken zeigen; Pflanzen, die selbst einen Prozess der »Diaspora« im Sinne einer Zerstreuung vollzogen haben oder noch vollziehen; und schließlich solche, die durch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unserer Bildungsprogramme ausgewählt werden.
Zum Garten der Diaspora sind drei verschiedene pädagogische Programme vorgesehen. Neben Bildungsangeboten zu Festtagen und mobilen Gartenprojekten werden »Expeditionen in die Diaspora« unternommen, die sich im Garten oder in der unmittelbaren Umgebung der Akademie abspielen.