Museum & Architektur
Eine Tour durch Deutschland
Sechs Museen, fünf Architekten, eine Achse – das ist kurz gefasst das Konzept dieser Architekturreise. Auf der Route zwischen Berlin und Osnabrück mit Zwischenstopps in Wolfsburg, Bielefeld und Herford finden Sie sechs Museen mit ganz unterschiedlicher thematischer Ausrichtung, die jedoch etwas Wesentliches verbindet: eine avantgardistische Museumsarchitektur, die zu den Meilensteinen der Architekturgeschichte gehört. Die architektonische Konzeption von Museumsbauten stellt seit jeher eine reizvolle Herausforderung für Architektinnen und Architekten dar. An den genannten Orten können Sie sich selbst ein Bild der Wechselbeziehungen von Form, Funktion und Inhalt machen. Heutige Museen haben den Anspruch, viel mehr als bloße Aufbewahrungsorte für Sammlungen und Exponate zu sein, sie wollen darüber hinaus auch die Kunst, Geschichte und Wissenschaft sowie die eigene Disziplin, die zeitgenössische Architektur, unter einem Dach vereinen.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
Jüdisches Museum Berlin
Jüdisches Museum Berlin, Altbau und Libeskind-Bau
© Jüdisches Museum Berlin, Foto: Bitter+Bredt
Als architektonisches Meisterwerk ist der 1999 fertig gestellte Museumsbau von Daniel Libeskind längst zu einem Wahrzeichen Berlins geworden. »Between the Lines« nennt Daniel Libeskind seinen Entwurf für das Jüdische Museum Berlin. Zwei Linien symbolisieren das Spannungsfeld deutsch-jüdischer Geschichte: Die erste bildet den mehrfach geknickten Grundriss des Museumsbaus und verleiht dem Haus die charakteristische Zickzackform. Die zweite Linie verläuft gerade und durchkreuzt mehrfach das gesamte Gebäude. An den Schnittstellen dieser Linien befinden sich Voids, Leerstellen, die das Museum durch alle Etagen durchbrechen. Mit ihnen verleiht Daniel Libeskind der Leere, die durch die Vertreibung und Ermordung der Juden in Deutschland entstand, eine besondere Präsenz.
Die symbolkräftige Architektur macht deutsch-jüdische Geschichte für die Besucher sinnlich erfahrbar und wird vervollständigt durch die Dauerausstellung zu zwei Jahrtausenden deutsch-jüdischer Geschichte. Der Eingang zum Jüdischen Museum befindet sich im 1735 erbauten barocken Kollegienhaus, das in einem spannungsvollen Verhältnis zu dem zinkverkleideten Neubau steht. Seit Herbst 2007 wird das Ensemble noch um den von Daniel Libeskind entworfenen Glashof ergänzt.
Information:
Jüdisches Museum Berlin, Lindenstraße 9-14, D-10969 Berlin, Tel. +49 (0)30 25993300, www.jmberlin.de, Öffnungszeiten: Mo: 10-22 Uhr, Di-So: 10-20 Uhr, Touristeninformation: www.visitberlin.de, +49 (0)30 250025, information[at]visitberlin.de
Deutsches Historisches Museum Berlin
Deutsches Historisches Museum Berlin mit dem Pei-Bau
Das Deutsche Historische Museum präsentiert sich heute in zwei Gebäuden: Im barocken Zeughaus Unter den Linden und in der angrenzenden modernen Ausstellungshalle des chinesisch-amerikanischen Architekten I. M. Pei.
Das 300-jährige Zeughaus ist der bedeutendste erhaltene Barockbau in Berlin und das älteste Gebäude an der Straße Unter den Linden. Vier Architekten waren für die Entstehung des Zeughauses von 1695 bis zur endgültigen Nutzung 1729 verantwortlich: Johann Arnold Nering (1659-1695), Martin Grünberg (1655-1706), Andreas Schlüter (1659-1714) und Jean de Bodt (1670-1745). Seinen besonderen Platz in der Kunstgeschichte verdankt das Zeughaus nicht zuletzt den herausragenden bildhauerischen Arbeiten, die es beherbergt. Am bekanntesten sind die als Masken gestalteten 22 Schlusssteine, die Andreas Schlüter für den Innenhof gestaltet hat.
Über den Innenhof erreicht man heute die Ausstellungshalle von I. M. Pei. Transparenz, Licht und Bewegung sind das architektonische Programm dieses städtebaulichen Meisterwerks mit beeindruckenden Perspektiven und räumlichen Verschränkungen. Zwischen dem dreieckigen Baukörper der Ausstellungshalle und dem Zeughaus vermittelt ein gebäudehohes Glasfoyer, aus dessen geschwungener Fassade sich ein gläserner Treppenturm entwickelt. Mit bewussten Sichtachsen schuf I. M. Pei hier eine architektonische Korrespondenz zwischen den Bauwerken der Vergangenheit und der Gegenwart.
Information:
Unter den Linden 2, D-10117 Berlin, Tel. +49 (0)30 20304444, www.dhm.de, info[at]dhm.de, Öffnungszeiten: täglich 10-18 Uhr, Touristeninformation: www.visitberlin.de, +49 (0) 30 250025, information[at]visitberlin.de
phæno Wolfsburg
phæno Wolfsburg
© Andreas Kostka
Das im November 2005 eröffnete phæno wurde von der aus dem Irak stammenden Architektin Zaha Hadid entworfen und übertrifft dank modernster Spezialbaustoffe, wie selbstverdichtendem Beton, einer komplexen Schalungsgeometrie und speziell entwickelten Glasfassaden das bisher technisch Machbare.
Zaha Hadids Vorliebe für fließende, durchgängige Räume spiegelt sich im phæno wider. Besonders beeindruckend ist die avantgardistische Formensprache des Gebäudes. Der vielfältig geformte Baukörper steckt voller Kraft, Dynamik und Dramatik. Schroffe und kantige Partien wechseln mit sanften und fließenden Verläufen.
Der Ausstellungsbereich besteht aus einer offenen Halle und einer den Bau umgebenden architektonischen Landschaft mit sanften Hügeln und Tälern, in der der Außenraum in den Innenraum übergeht ohne Schwelle und erkennbare Grenze. Er ist als topographisch vielgestaltiger, durchgehender Raum konzipiert, der von zehn Cones geprägt wird und im Erdgeschoss einen vielseitig erlebbaren Stadtraum schafft. Die Cones verknüpfen phæno funktional mit der City und enthalten die Eingänge, den Shop, die Gastronomie, das Wissenschaftstheater, das Ideenforum und die Werkstätten.
Information:
phæno gGmbH, Willy-Brandt-Platz 1, D-38440 Wolfsburg, www.phaeno.de, Tel. +49 (0)5361 89010-0, Öffnungszeiten: Di-Fr: 9-17 Uhr, Sa/So: 10-18 Uhr, Touristeninformation: +49 (0)5361 89993-0, service[at]mpunkt-wolfsburg.de
MARTa Herford
MARTa Herford
Im Dreiklang zwischen Design (M für Möbel), Kunst (ART) und Architektur/Ambiente (a) gehört MARTa Herford zu den wohl innovativsten Museumsbauten weltweit. Der renommierte US-Architekt Frank Gehry errichtete 2005 in Ostwestfalen-Lippe eine dynamisch bewegte Raumskulptur von schiefen ineinander getürmten Kuben, die durch ihre dekonstruktivistische Tektonik wie in die Landschaft hineingeworfen erscheint. Das massive plastisch geformte Gebäude zeichnet sich durch geschwungene, regionaltypisch mit rotbraunen Ziegelsteinen verblendete Mauerwände aus. Eine wogende Dachlandschaft aus Edelstahl überspannt den Bau horizontal und ist stark auskragend. Darüber erheben sich zylinderförmige, an Schornsteine erinnernde, geometrische Körper. Trotz des unkonventionellen Erscheinungsbildes ist es Gehry in seiner Komposition gelungen, ein denkmalgeschütztes Fabrikgebäude in die Museumsanlage architektonisch einzubinden und den Gesamtkomplex auf die Umgebung zu beziehen. So spiegelt die organische wellenartige Formensprache sowohl die Verkehrsbewegung auf der Straße entlang der Schauseite als auch den Flusslauf der Aa, der das Gelände auf der Rückseite begrenzt.
Das fremdartige und zugleich an Vertrautes erinnernde MARTa schärft die Wahrnehmung der Besucher und gibt dem Ausstellungsprogramm einen faszinierenden Raum, in dem zeitgenössische Kunst, Design und Architektur aufeinander treffen.
Information:
MARTa Herford gGmbH, Goebenstraße 4-10, D-32052 Herford, Tel. +49 (0)5221 994430-0, www.marta-herford.de, Öffnungszeiten: Di-So: 11-18 Uhr, Touristeninformation: www.proherford.de
Kunsthalle Bielefeld
Kunsthalle Bielefeld
Das von der Familie Oetker gestiftete Architekturdenkmal ist ein Wahrzeichen Bielefelds und wirkt wegen seines würfelförmigen Äußeren wie eine Skulptur. Seine Fassade aus rosafarbenem Mainsandstein wird durch Glasfronten und asymmetrisch angeordnete Pfeiler aufgelockert. Eine großzügig dimensionierte dreiläufige Treppe führt im Gebäudeinneren von der Eingangshalle in die beiden oberen Etagen. Hier ergeben sich beeindruckende Einblicke in die scheinbar ineinander fließenden Ausstellungsflächen; die Eingänge in die einzelnen Räume sind durch hervorspringende, ebenfalls mit rosafarbenem Sandstein verkleidete Wandscheiben markiert.
Angebote für Kinder und Erwachsene finden in der lichtdurchfluteten Malstube im Erdgeschoss ihren Platz. Obwohl es mit 900 m² Ausstellungsfläche ein eher kleines Gebäude ist, wirkt es doch offen und freundlich. Eine öffentlich nutzbare Bibliothek, ein Vortragssaal mit 244 Plätzen sowie eine Studiengalerie für Nachwuchskünstler runden das Raumangebot ab. Ein Café mit geräumiger Terrasse öffnet sich zum 2008 nach Originalplänen Philip Johnsons umgestalteten öffentlichen Skulpturenpark und lädt zum Verweilen ein.
Information:
Artur-Ladebeck-Straße 5, D-33602 Bielefeld, Tel. +49 (0)521 3299950-0, www.kunsthalle-bielefeld.de, Öffnungszeiten: Di-Fr, So: 11-18 Uhr, Mi: 11-21 Uhr, Sa: 10-18 Uhr, Touristeninformation: +49 (0)521 516999, touristinfo[at]bielefeld-marketing.de
Felix-Nussbaum-Haus Osnabrück
Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück
Das architektonische Konzept des Felix-Nussbaum-Hauses schafft einen räumlichen Kontext, in dem die tragische Verknüpfung von Leben und Werk des 1904 in Osnabrück geborenen Künstlers zum alles bestimmenden Eindruck wird. Mit einem System von Bezugslinien – zwischen Osnabrück, Berlin, Brüssel und Auschwitz – symbolisiert die Architektur die ständige Bewegung und zunehmende Orientierungslosigkeit im Leben Nussbaums.
Das von Daniel Libeskind entworfene Gebäude bietet kein gewohntes museales Umfeld zur Betrachtung von Bildern und Grafiken. Ansteigende oder abfallende Fußböden, nicht parallel verlaufende Wände, Fenster ohne rechten Winkel oder teilweise transparente Geschossdecken sorgen für ständige Irritation und eine Atmosphäre allgegenwärtiger Unsicherheit. Die verwendeten Materialien Holz, Beton und Zink stehen mit ihrer zunehmenden Kälte für Nussbaums Lebensweg: von der behüteten Jugend über die Zeit der Vertreibung und Bedrohung bis zum gewaltsamen Tod 1944 in Auschwitz.
Die Dauerausstellung Felix Nussbaum – Der Maler zeigt die künstlerisch bedeutendsten Gemälde und Grafiken aus seinen Schaffensphasen. Arbeiten weiterer Künstler wie dem international renommiertenOsnabrücker Friedrich Vordemberge-Gildewart, einem Zeitgenossen Nussbaums und Vertreter des Konstruktivismus, bieten weiterführende Bezüge zu Felix Nussbaum und zu der dekonstruktivistischen Architektur Daniel Libeskinds.
Information:
Lotter Str. 2, D-49078 Osnabrück, Tel. +49 (0)541 323-2207, www.osnabrueck.de/fnh,
Öffnungszeiten: Di-Fr: 11-18 Uhr, Sa-So: 10-18 Uhr, Touristeninformation: +49 (0)541 323-2202, tourist-information[at]osnabrueck.de






