_
Jüdisches Museum Berlin vor Ort Kinder, Schüler, Lehrer Online-Schaukasten Der Museumsblog »Blogerim«

Vorgeschichte


Die Vorgeschichte des Jüdischen Museums Berlin beginnt in den 1970er Jahren in West-Berlin. Damals existierte in Deutschland noch kein einziges Museum, was sich ausschließlich der deutsch-jüdischen Geschichte widmete. Es hatten lediglich in den 1960er Jahren einige Ausstellungen zur jüdischen Kulturgeschichte stattgefunden. Ein eigenständiges Museum als Einrichtung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, wie das 1938 zwangsweise geschlossene Museum in der Oranienburger Straße, war nicht geplant. Es bestand vielmehr der Wunsch, die jüdische Geschichte in die allgemeine Stadtgeschichte zu integrieren, und ihr dennoch ihre Eigenständigkeit zu belassen. Die konkrete administrative und konzeptionelle Umsetzung dieser Ideen enthielt viel Konfliktpotential, insbesondere vor dem Hintergrund der tiefgreifenden historischen Umwälzungen seit 1989.

Das Jüdische Museum im Berlin Museum

Die Idee zu einem neuen Jüdischen Museum in Berlin entstand 1971 im Zusammenhang mit der Ausstellung »Leistung und Schicksal«, die das Berlin Museum zum 300. Jahrestag der Gründung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin veranstaltete. Das Berlin Museum war 1962 nach dem Mauerbau in West-Berlin als stadtgeschichtliches Museum gegründet worden. Seit 1969 hatte es seinen Sitz im Gebäude des alten Kammergerichts in der Lindenstraße.
 

Besucher sitzen im Innenhof des Martin-Gropius-Baus

Eröffnung der »Jüdischen Abteilung« des Berlin Museums im Martin-Gropius-Bau, 26.11.1986
© Klaus Lehnartz

Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde, die Direktion  des Berlin Museums und der Senat von Berlin planten ein an das Berlin Museum angebundenes »Jüdisches Museum«, das der Geschichte und Kultur der Berliner Juden gewidmet sein sollte. Es war geplant, dafür vis à vis des Berlin Museums in der Lindenstraße das barocke Palais des Hoffaktoren Veitel Heine Ephraim wieder aufzubauen, das 1936 abgetragen worden war und dessen Fassadenteile im Westteil der Stadt lagerten. Darin sollten neben dem Jüdischen Museum auch Räume für die theaterhistorische Abteilung, das Münzkabinett und Depots entstehen. Zur Unterstützung dieses Projekts gründete sich im Februar 1976 die »Gesellschaft für ein Jüdisches Museum in Berlin e.V.«. Den Vorsitz hatten der Journalist Hanns-Peter Herz und der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Heinz Galinski.

Blick in die Ausstellung der »Jüdischen Abteilung« des Berlin Museums im Martin-Gropius-Bau mit Besuchern und Exponaten

Blick in die Ausstellung der »Jüdischen Abteilung« des Berlin Museums im Martin-Gropius-Bau während der Eröffnung, 26.11.1986
© Klaus Lehnartz

Zahlreiche Juden, die in Berlin geboren und während der NS-Zeit emigriert waren, traten der Gesellschaft bei und beteiligten sich maßgeblich am Aufbau der Sammlung. 1978 präsentierte das Berlin Museum zum ersten Mal die Neuerwerbungen für das künftige Jüdische Museum. 1979 wurde mit der Kulturanthropologin Dr. Vera Bendt eine Oberkustodin zur Leitung der Jüdischen Abteilung und Aufbau des Jüdischen Museums eingestellt. Sie erweiterte in den folgenden Jahren die Sammlung erheblich und konzipierte mehrere Ausstellungen, darunter 1983 »Synagogen in Berlin«.

1981 strich der Berliner Senat die Rekonstruktion des Palais Ephraim aus seinen Planungen und übergab die Fassadenteile an den Ost-Berliner Magistrat. Um deutlich zu machen, dass der Senat an dem Projekt eines Jüdischen Museums bzw. einer Jüdischen Abteilung dennoch weiter festhielt, stellte er Mittel zum Erwerb der Judaica-Sammlung des Münsteraner Kantors Zvi Sofer zur Verfügung.

1984 erhielt die Jüdische Abteilung einen Ausstellungsraum im Erdgeschoss des Berlin Museums und 1986 drei Räume im zweiten Obergeschoss des Martin-Gropius-Baus. In zwei dieser Räume war bis 1998 die von der »Jüdischen Abteilung« konzipierte Dauerausstellung zu sehen; ein Raum zeigte Wechselausstellungen zu deutsch-jüdischen Themen.

Weiterhin bestand der Plan, das Berlin Museum um einen Bau für das Jüdische Museum zu erweitern. Das inhaltliche Konzept hatte sich jedoch seit den 1970er Jahren bis zur Ausschreibung des Wettbewerbs 1988 stark verändert. Noch viel stärker sollten sich nach 1989 die politischen Rahmenbedingungen wandeln.

Vom Konzept zur Grundsteinlegung

In den 1980er Jahren wurde das Projekt eines Gebäudes für das Jüdische Museum immer enger angebunden an den Wunsch nach einem Erweiterungsbau für die stadtgeschichtlichen Sammlungen und Ausstellungen des Berlin Museums. Um die beiden Museumsideen mit ihren unterschiedlichen Sammlungen, Zielgruppen und Inhalten einerseits in einem Haus zu vereinen und andererseits dem Jüdischen Museum eine gewisse Eigenständigkeit zu geben, erarbeiteten Rolf Bothe, seit 1981 Direktor des Berlin Museums, und Vera Bendt, Oberkustodin der Jüdischen Abteilung, das sogenannte »integrative Konzept«. Es sah für das Jüdische Museum einen eigenständigen Status innerhalb des Berlin Museums vor und bildete fortan die Grundlage für die Ausschreibung des Architektenwettbewerbs und für die weiteren konzeptionellen Planungen.

Mitglieder der Jury stimmen per Handzeichen ab

Abstimmung der Jury beim »Realisierungswettbewerb für den Erweiterungsbau des Berlin Museums mit Abteilung Jüdisches Museum«, 22.6.1989
© Matthias Könsgen

Im November 1988, zeitgleich zur Eröffnung des Jüdischen Museums in Frankfurt am Main und der Ankündigung der Rekonstruktion der »Neuen Synagoge« im Ost-Teil der Stadt, lobte der Senat von West-Berlin einen Wettbewerb für den »Erweiterungsbau des Berlin Museums mit Abteilung Jüdisches Museum« aus.

Architekturmodell von Daniel Libeskind mit dem Entwurf des Jüdischen Museums Berlin

Architekturmodell von Daniel Libeskind mit dem Entwurf des Jüdischen Museums Berlin, Dauerleihgabe der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin
© Jüdisches Museum Berlin, Foto: Jens Ziehe

Bis April 1989 gingen 165 Wettbewerbsbeiträge ein. Die Jury unter dem Vorsitz von Josef Paul Kleihues vergab im Juni 1989 den ersten Preis an den Entwurf »Between the Lines« von Daniel Libeskind.

Wenige Monate später fiel die Berliner Mauer und verschob die bau- und kulturpolitischen Prioritäten des Landes Berlin. Die Realisierung des Entwurfes war zeitweise in Frage gestellt. Nach heftiger Kritik beschloss der Senat im Herbst 1991 die Realisierung des Bauvorhabens. Im November 1992, anlässlich des Gedenkens an die Pogromnacht, wurde der Grundstein gelegt.
  
Diese Entscheidungen hatten weitreichende Konsequenzen. Nicht zuletzt machte der Entwurf Daniel Libeskinds durch seine Bezüge zum Judentum und zum Holocaust die bislang durch Kompromissformeln überwölbten Konfliktpunkte des »integrativen Konzepts« sichtbar.

Weiter zum nächsten Kapitel der Museumsgeschichte »Kontroversen und Widersprüche«

Hier finden Sie die Entstehungsgeschichte des Jüdischen Museums Berlin in einer ausführlichen Version als pdf-Datei zum Herunterladen.

Helfen Sie uns, ...

... unsere Website zu verbessern, indem Sie an unserer Online-Umfrage teilnehmen!
(Zeitaufwand: 1 Minute)

In Kontakt bleiben über